Gaza-Hilfe: Die FIFA delegiert die Kosten und schenkt Trump die Schlagzeilen

Der Weltverband kündigt großspurig Millionenhilfen an, doch zahlen sollen andere. Das Projekt wirft mehr Fragen auf als es beantwortet.

Gaza-Hilfe: Die FIFA delegiert die Kosten und schenkt Trump die Schlagzeilen
Foto: Fifa

75 Millionen Dollar für Gaza – verkündet nicht etwa von FIFA-Präsident Gianni Infantino, sondern von US-Präsident Donald Trump. Beim ersten Treffen seines neu geschaffenen Friedensrates in Washington präsentierte Trump diese Zahl, während die FIFA in ihrer eigenen Mitteilung die Summe mit keinem Wort erwähnte. Das allein sagt mir mehr über dieses Projekt als jede Hochglanzbroschüre.

Man beobachtet seit geraumer Zeit, wie der Fußball-Weltverband seine eigene Autorität aufgibt. Doch was hier geschieht, hat eine neue Qualität. Die FIFA lässt sich von einem US-Präsidenten als Stichwortgeber nutzen, der gerade seinen außenpolitischen Erfolg – die angebliche Waffenruhe – mit sportpolitischem Glanz aufwerten will. Infantino liefert die passende Kulisse, Trump die Schlagzeile. Die politische Bühne ist nicht nur offensichtlich, sie ist das eigentliche Produkt.

Die konkreten Pläne klingen zunächst vernünftig: 50 Minifelder, das Programm Fußball für Schulen, Ausrüstung, Nachwuchsförderung. Dann fünf Spielfelder in Normgröße, ein Hochleistungszentrum, am Ende ein Nationalstadion mit 20.000 Plätzen. Vier Phasen, die auf dem Papier einen Wiederaufbau des Fußballs im Gazastreifen skizzieren. Doch wer soll das bezahlen?

Die FIFA selbst jedenfalls nicht. Die finanziellen Mittel sollen von internationalen Führungskräften und Institutionen aufgebracht werden. Infantino spricht von einem wegweisenden Partnerschaftsabkommen für Nachkonfliktgebiete. Das klingt nach Vision, ist aber zunächst nur eine Absichtserklärung. Der Weltverband, der Milliarden mit WM-Turnieren verdient, kündigt einen Hilfsfonds an, dessen Finanzierung andere übernehmen sollen. Das ist keine Großzügigkeit, das ist Delegieren.

Mich irritiert die Selbstverständlichkeit, mit der hier Verantwortung verschoben wird. Die FIFA positioniert sich als moralische Instanz für den Wiederaufbau, ohne selbst die Rechnung zu übernehmen. Gleichzeitig profitiert sie von der medialen Aufmerksamkeit, die Trumps Friedensrat garantiert. Infantino bekommt seine Bilder, Trump seine Narrative, und die Menschen in Gaza bekommen – vorerst – Versprechen.

Der Krieg wurde durch den menschenverachtenden Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 ausgelöst. Die humanitäre Lage ist katastrophal, der Bedarf an Hilfe real. Gerade deshalb wäre Klarheit geboten: Wer zahlt wann wie viel? Stattdessen erleben wir eine Ankündigung, die Fragen aufwirft.