Galatasaray zeigt nach Niederlage keine Größe, sondern nur Paranoia
Ein aberkanntes Tor und schon wittert der Tabellenführer Betrug. Statt Selbstkritik gibt es Verschwörungsvorwürfe ohne Belege.
Ein reguläres Tor, ein Skandal, Betrug – Galatasaray Istanbul greift nach der 0:2-Niederlage bei Konyaspor tief in die rhetorische Giftküche. Ich habe selten erlebt, dass ein Spitzenklub so schnell und so laut die Opferrolle einnimmt. Ein aberkanntes Tor von Leroy Sané, eine Abseitsentscheidung nach VAR-Überprüfung, und schon sieht sich der türkische Tabellenführer als Opfer einer Verschwörung.
Das ist nicht mehr Fußball, das ist Paranoia auf höchstem Niveau.
Die Fakten sind überschaubar: Sané trifft in der 49. Minute, der Schiedsrichter studiert die Videobilder, erkennt das Tor ab, weil Bayern-Leihgabe Sacha Boey bei der Entstehung im Abseits gestanden und einen Gegenspieler behindert haben soll. Eine Entscheidung, über die man streiten kann. Aber Galatasaray streitet nicht, Galatasaray klagt an. Der VAR Davut Dakul Celik sei ein fanatischer Anhänger des Titelrivalen, behauptet der Klub. Das Vertrauen in die Fairness der Liga sei beschädigt.
Ich frage mich: Wer beschädigt hier eigentlich was? Ein Verein, der nach einer unliebsamen Entscheidung sofort von Betrug spricht, ohne Beweise vorzulegen, untergräbt genau jene Glaubwürdigkeit, die er angeblich verteidigen will. Galatasaray inszeniert sich als Hüter der Fairness, agiert aber wie ein schlechter Verlierer. Das ist nicht mutig, das ist billig.
Der Titelkampf in der Süper Lig ist eng. Fenerbahce kann durch einen Sieg nach Punkten aufschließen. Die Nervosität bei Galatasaray ist spürbar, und genau das macht die Reaktion so entlarvend. Statt die eigene Leistung zu hinterfragen – immerhin verlor man 0:2, nicht 0:1 – wird der Schiedsrichter zum Sündenbock erklärt. Das ist bequem, aber es ist auch gefährlich.
Denn wer bei jeder strittigen Entscheidung reflexartig Betrug wittert, vergiftet das Klima. Fans, die ohnehin zur Emotionalisierung neigen, werden bestärkt. Schiedsrichter geraten unter Druck, der weit über das Sportliche hinausgeht. Und am Ende steht nicht mehr die Frage im Raum, ob eine Entscheidung richtig oder falsch war, sondern ob das System an sich korrupt ist. Das ist ein Spiel mit dem Feuer.
Galatasaray hat jedes Recht, eine Entscheidung zu kritisieren. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Kritik und Anklage. Wer öffentlich von Skandal und Betrug spricht, muss liefern. Sonst ist das keine Aufklärung, sondern Stimmungsmache.