FC Kopenhagen: Ein Jahr nach dem Titel offenbart sich kollektives Versagen

Der dänische Rekordmeister stürzt in die Abstiegsrunde ab. Die Fans sind wütend – und haben recht damit.

FC Kopenhagen: Ein Jahr nach dem Titel offenbart sich kollektives Versagen
IMAGO/Gonzales Photo

Thomas Delaney schämt sich in Grund und Boden. Verdammt noch mal in Grund und Boden. Diese Worte eines gestandenen Profis, der in der Bundesliga bei Dortmund, Bremen und Hoffenheim gespielt hat, treffen mich. Nicht weil sie dramatisch klingen, sondern weil sie ehrlich sind. Und Ehrlichkeit ist im Profifußball selten geworden.

Der FC Kopenhagen, 16-facher dänischer Meister, muss erstmals in die Abstiegsrunde der Superliga. Ein Jahr nach dem Titelgewinn. Neun Niederlagen in 22 Spielen. Rang sieben, die schlechteste Platzierung seit einem achten Platz in der Saison 1999/2000. Trainer Jacob Neestrup nennt es verdient. Die Fans sprechen von einer überbezahlten Mannschaft und fordern auf Bannern: Schämt euch alle.

Ich beobachte hier einen Klub, der sich selbst verloren hat. Nicht durch Pech, nicht durch Verletzungen, nicht durch unglückliche Schiedsrichterentscheidungen. Sondern durch kollektives Versagen auf allen Ebenen. Delaney bringt es auf den Punkt: Wir haben nicht einmal die verdammten Mindestanforderungen erfüllt. Das ist keine Ausrede, das ist eine Diagnose.

Der Fall Youssoufa Moukoko steht exemplarisch für das Scheitern. Der zweimalige deutsche Nationalspieler kam mit Vorschusslorbeeren nach Kopenhagen und lieferte drei Tore in 18 Ligaspielen. Beim entscheidenden Spiel gegen Randers saß er auf der Bank, genau wie Delaney. Wenn deine vermeintlichen Führungsspieler nur Joker sind, stimmt etwas Grundsätzliches nicht.

Was mich an diesem Absturz fasziniert, ist die Geschwindigkeit. In der Champions League fehlte Kopenhagen nur ein Punkt zum Erreichen der Play-offs. International konkurrenzfähig, national am Boden. Das zeigt, wie dünn der Grat zwischen Erfolg und Versagen geworden ist. Und wie wenig ein Klub wie Kopenhagen offenbar aus seinen europäischen Auftritten für den Alltag mitnimmt.

Die Fans haben recht mit ihrer Wut. Ein Klub mit dieser Geschichte, diesem Budget, diesen Ansprüchen darf nicht in die Abstiegsrunde rutschen. Die Saison ist noch nicht ganz verloren. Zehn Punkte Vorsprung auf den Vorletzten Silkeborg machen den Abstieg unwahrscheinlich. Im Pokal-Halbfinale gegen Viborg besteht nach dem 2:1 im Hinspiel sogar noch eine Titelchance. Aber das ändert nichts an der fundamentalen Krise.