FC Barcelona: Xavis Abrechnung offenbart Führungskrise in einem toxischen Verein
Die Klublegende erhebt schwere Vorwürfe gegen Präsident Laporta. Doch das Problem reicht tiefer: Es geht um eine Kultur der Heimlichtuerei.
Xavi spricht von „unehrlichen Menschen" in der Vereinsführung des FC Barcelona. Fast zwei Jahre nach seinem Abgang rechnet die Klublegende mit Präsident Joan Laporta ab, und ich muss sagen: Diese Abrechnung hat es in sich. Nicht weil sie überraschend kommt, sondern weil sie ein Muster offenlegt, das beim FC Barcelona längst System hat.
Der Vorgang um Hansi Flicks Verpflichtung ist dabei nur das jüngste Beispiel. Laut Xavi führte der Deutsche bereits Vertragsgespräche mit Barcelona, während intern längst beschlossen war, den Spanier zu entlassen. Der Verein habe Flick untersagt, Xavi zu informieren. Dass Flick daraufhin persönlich zu Xavi nach Hause fuhr, um sich zu entschuldigen, spricht für den deutschen Trainer. Es spricht aber vor allem gegen eine Klubführung, die offenbar Heimlichtuerei dem offenen Wort vorzieht.
Ich halte diese Episode für symptomatisch. Der FC Barcelona, dieser stolze Verein mit seinem Selbstverständnis als „més que un club", wird von einer Führung geleitet, die nach Xavis Darstellung mit verdeckten Karten spielt. Eine Medienkampagne gegen den eigenen Trainer? Die Geschichte seiner Entlassung „völlig falsch" dargestellt? Das sind schwere Vorwürfe, die Xavi da erhebt.
Noch brisanter ist seine Aussage zur gescheiterten Messi-Rückkehr 2023. Der Transfer sei fast fix gewesen, behauptet Xavi, aber nicht an LaLiga oder finanziellen Forderungen gescheitert, sondern am Präsidenten persönlich. Laporta habe Messi schlicht nicht gewollt und die wahren Gründe öffentlich verschleiert. Wenn das stimmt, dann hat der Präsident nicht nur einen der größten Spieler der Vereinsgeschichte verprellt, sondern auch die Öffentlichkeit belogen.
Xavis Forderung nach einer „grundlegenden Veränderung" in Struktur und Professionalität des Klubs ist vor diesem Hintergrund mehr als nachvollziehbar. Barcelona braucht keine kosmetischen Korrekturen, sondern einen Kulturwandel. Die Frage ist nur: Wer soll diesen Wandel herbeiführen, wenn die Verantwortlichen Teil des Problems sind?