Eintracht Frankfurt zahlt Ablöse für einen Trainer, den niemand kennt – die Fakten sprechen für ihn
Die SGE hat sich für Albert Riera als neuen Trainer entschieden.
Eintracht Frankfurt wagt den Sprung ins Ungewisse. Mit Albert Riera holt der Bundesligist einen Trainer, der in Deutschland praktisch niemandem ein Begriff ist. Das ist mutig. Ob es klug ist, wird sich zeigen.
Die Fakten sprechen zunächst für den Spanier. Bei NK Celje hat Riera bewiesen, dass er eine Mannschaft entwickeln kann. Der slowenische Klub führt die heimische Liga an und hat sich für die Playoffs der Conference League qualifiziert. Für einen Verein dieser Größenordnung ist das beachtlich. Riera hat dort etwas aufgebaut, mit überschaubaren Mitteln, ohne großen Namen im Rücken.
Doch die Bundesliga ist ein anderes Kaliber. Die Frage, ob Erfolge in Slowenien auf das deutsche Oberhaus übertragbar sind, muss erlaubt sein. Frankfurt ist ein Klub mit europäischen Ambitionen, mit einer anspruchsvollen Fankultur, mit einem Kader, der mehr Qualität hat als alles, was Riera bisher trainiert hat. Der Druck wird ein anderer sein.
Dass die Eintracht bereit ist, rund 1,3 Millionen Euro Ablöse nach Celje zu überweisen, zeigt immerhin Entschlossenheit. Sportvorstand Markus Krösche hat Riera offenbar schon länger beobachtet. Das spricht für eine durchdachte Entscheidung, nicht für Aktionismus nach der Trennung von Dino Toppmöller.
Der Vertrag bis Sommer 2028 signalisiert Vertrauen. Zweieinhalb Jahre sind eine klare Ansage: Frankfurt will mit diesem Trainer einen Weg gehen, nicht nur eine Saison überbrücken. Das unterscheidet diese Personalie von manch hektischer Trainerverpflichtung in der Liga.
Interessant wird der Zeitpunkt des Einstands. Sollte Riera tatsächlich bereits am Samstag gegen Bayer Leverkusen auf der Bank sitzen, wäre das ein Sprung ins kalte Wasser. Der amtierende Meister als erste Bewährungsprobe, ohne nennenswerte Vorbereitungszeit mit der Mannschaft. Das wäre selbst für erfahrene Bundesliga-Trainer eine Herausforderung.
Die Alternative wäre, Interimstrainer Dennis Schmitt noch einmal das Kommando zu überlassen. Nach dem bedeutungslosen Champions-League-Spiel gegen Tottenham könnte das sogar sinnvoll sein. Riera hätte dann zumindest ein paar Tage mehr, um seine Spieler kennenzulernen.
Frankfurt geht mit dieser Verpflichtung bewusst einen anderen Weg als viele Konkurrenten. Kein großer Name, kein bewährter Bundesliga-Trainer, sondern ein Entwickler aus der zweiten Reihe. Das kann schiefgehen. Es kann aber auch genau der frische Impuls sein, den dieser Kader braucht.
Die Eintracht hat in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sie unkonventionelle Entscheidungen treffen kann. Adi Hütter kam aus Bern, Oliver Glasner aus Wolfsburg. Beide wurden zunächst kritisch beäugt, beide lieferten. Ob Riera in diese Reihe gehört, entscheidet sich nicht in den kommenden Wochen, sondern in den kommenden Monaten.