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Ein bisschen Neuer gibt es nicht

Zur WM 2026 muss Bundestrainer Nagelsmann harte Personalentscheidungen treffen. Eine Warteschleife bei seinem Torwart kann er sich nicht leisten

Foto: Imago / Fussball News Saarland

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Noch drei Tage später habe ich Julian Nagelsmanns Worte im Ohr, er sagte: „Das tut weh, dass man zwei Jahre warten muss, bis man Weltmeister wird.“ Keine Relativierung, kein Konjunktiv, kein Zurückrudern: Der Bundestrainer wusste, was er von sich gab. Er schob Richtung Journalisten in der EM-Pressekonferenz nach: „Die Aussage gefällt euch, ne?“

Ja, das tut sie. Erstens weil sie Hoffnung schenkt, dass Deutschland das niederschmetternde EM-Aus gegen Spanien (1:2 nach Verlängerung) verkraftet und in die Zukunft blickt. Zweitens weil der Trainer ein Ziel vorgibt, an dem sich jetzt alle Beteiligten orientieren können. Die Flickschusterei, wie wir sie zwischen Turnieren immer wieder erlebt haben, hat ein Ende. Nur die WM 2026 zählt.

Das hat Konsequenzen. Beispiel Manuel Neuer. Der inzwischen 38 Jahre alte Weltmeister-Torwart will ein halbes Jahr über einen möglichen Rücktritt nachdenken. Diese Zeit haben wir nicht. Wenn Nagelsmann seinen Anspruch auf den WM-Sieg ernst meint, muss er die Torwartfrage umgehend und abschließend beantworten. Wenn Neuer, dann bis 2026. Ein bisschen Neuer gibt es nicht.

Neuer selbst liefert keine Veranlassung, dass er in zwei Jahren ein besserer Torwart ist als jetzt. Ein neuer Mann im Tor muss aber sofort spielen, um mit der Abwehr eine Einheit zu bilden: ab September in der Nations League (Start 7. September gegen Ungarn) und danach in der WM-Qualifikation. Ob er, Marc-André ter Stegen oder Alex Nübel - Hauptsache: ein zukunftsfähiger.

Genauso Leroy Sané. Er spielt seit 2015 in der Nationalmannschaft und absolvierte bei der EM sein viertes Turnier. Bei diesen Gelegenheiten hat er im DFB-Trikot nie die Weltklasse gezeigt, dass er in wichtigen Spielen den Unterschied ausmacht. Er ist jetzt 28. Was gibt uns die Zuversicht, dass er 2026 den Durchbruch schafft? Nur weil wir’s und der Trainer möchten? 

Bisher war Sané immer genau das: ein ewiges Versprechen. Irgendwann muss aber Schluss mit dem Prinzip Hoffnung sein. Bleiben wir bei den Fakten: Er hat zwölf Turnierspiele bestritten, zwei bei einer Weltmeisterschaft und zehn bei Europameisterschaften - und kein einziges Tor erzielt. Eine Torvorlage ist bei einem Flügelstürmer seiner Qualität einfach zu wenig.

Auch Joshua Kimmich muss wissen, woran er ist. Nach dem Kroos-Rücktritt liegt die Vermutung nahe, dass er sich Hoffnung auf die freie Position im zentralen Mittelfeld macht und dorthin zurück will. Rekordnationalspieler Lothar Matthäus unterstützt seine Rückkehr in die Schaltzentrale. Die Sache hat nur einen Haken: Kimmich wird jetzt immer an Toni Kroos gemessen.

Jahrelang hat Kimmich Kroos ersetzen wollen. Als der Ex-Star von Real Madrid zur Nationalelf zurückkehrte, erkannte man schnell den Unterschied: Die Mannschaft bekam von Kroos die Stabilität im Mittelfeld, die Kimmich nicht liefern konnte. Wenn Nagelsmann glaubt, dass Kimmich das jetzt plötzlich doch kann, muss er sich bekennen. Nicht irgendwann, sondern im September.

Denn zwei Jahre sind eine kurze Zeit, um eine Weltmeister-Elf zu formen. Jede Entscheidung muss sitzen. Nur mit Teamgeist und Fans alleine holt man den WM-Pokal nicht. Nagelsmann überzeugte uns mit seiner Klarheit und seinem Mumm bei Personalentscheidungen. Wir dürfen gespannt sein, was er in der Sommerpause ausheckt und wie er seine WM-Prognose füttert.

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