Drei Teams, drei Tore, Spielfeld ein Kreis: Wird OmegaBall das nächste Fußball-Experiment?

Drei Teams, drei Tore, ständiger Angriff: OmegaBall bricht die Regeln des Fußballs und sorgt für nonstop Action auf dem Platz. Hat das Zukunft?

Drei Teams, drei Tore, Spielfeld ein Kreis: Wird OmegaBall das nächste Fußball-Experiment?
Screenshot: OmegaBall

Von Klaus-Martin Meyer

Der Fußball probiert gerade erstaunlich viel aus. Die Kings League von Gerard Piqué hat gezeigt, dass man mit neuen Regeln, Streamern und Social-Media-Dramaturgie ein Millionenpublikum erreichen kann. In Deutschland versuchte die Baller League mit Hallenformat, Prominenten und Twitch-Publikum eine ähnliche Mischung aus Sport und Entertainment zu etablieren. Der Spielbetreib auf dem Heimatmarkt wurde kürzlich aufgegeben.

Und dann gibt es in den USA noch eine Idee, die noch ein Stück weitergeht. Sie heißt OmegaBall – und sie stellt eine der grundlegendsten Annahmen des Spiels infrage: dass Fußball immer ein Duell zwischen zwei Mannschaften sein muss.

OmegaBall dreht dieses Prinzip einfach um. Statt zwei Teams stehen drei Mannschaften gleichzeitig auf dem Feld. Gespielt wird auf einem runden Spielfeld, an dessen Rand drei Tore stehen. Jede Mannschaft verteidigt ihr eigenes Tor – und greift gleichzeitig die beiden anderen an.

Erfunden hat das Format der US-Unternehmer Anthony Dittmann. Sein Gedanke war vergleichsweise simpel: Der klassische Fußball funktioniert hervorragend im Stadion, wirkt in der heutigen Medienlogik aber manchmal zu langsam. Also hat er versucht, ein Spiel zu entwickeln, das automatisch mehr Tempo, mehr Abschlüsse und mehr überraschende Situationen produziert.

Eine Partie dauert 39 Minuten, aufgeteilt in drei Drittel à 13 Minuten, mit zwei vierminütigen Pausen. Abseits gibt es nicht. Einwürfe auch nicht. Nach Toren wird sofort weitergespielt. Schon nach wenigen Minuten merkt man, wie stark diese kleinen Änderungen das Spiel verändern. Angriffe kommen aus mehreren Richtungen gleichzeitig, Verteidiger müssen permanent entscheiden, welche Gefahr gerade wichtiger ist. Manchmal entsteht sogar eine Art spontane Allianz, wenn zwei Teams gleichzeitig auf dasselbe Tor gehen.

Das Ganze wirkt weniger wie ein taktisches Schachspiel – und mehr wie kontrolliertes Chaos. Man könnte denken, dass hier eine Trainingsform aus dem traditionellen Fußball zum Spiel erklärt wird.

Die ersten größeren Turniere fanden im März 2022 im Great Park in Irvine in Kalifornien statt. Später liefen Spiele auch im amerikanischen Sportfernsehen, etwa bei Fox Sports 2 oder im ESPN-Format ESPN8: The Ocho. Man versteht schnell, warum das Format für Medien interessant sein könnte. Ein Spiel dauert weniger als eine Stunde und produziert fast zwangsläufig viele Tore und ungewöhnliche Szenen. Für Highlight-Clips und Social-Media-Momente ist das ein dankbares Material.

Die Idee dahinter passt zu einem größeren Trend im Sport: Neue Wettbewerbe entstehen nicht mehr nur aus Vereinskultur oder Verbandsstrukturen heraus, sondern oft aus der Frage, wie ein Spiel für Zuschauer und Plattformen funktionieren kann.

Trotzdem ist OmegaBall bislang weit entfernt von der Größenordnung anderer Fußball-Experimente. Während die Kings League von prominenten Streamern und Investoren getragen wird, wirkt OmegaBall wirtschaftlich eher wie ein Start-up. Große Venture-Capital-Finanzierungen sind öffentlich bislang nicht bekannt. Turniere wurden bislang vor allem als Events organisiert, Preisgelder lagen in frühen Wettbewerben im fünfstelligen Dollarbereich.

Das ist für neue Sportformate nicht ungewöhnlich. Viele beginnen klein, testen ihr Produkt – und hoffen, irgendwann den einen Medienpartner oder Investor zu finden, der das Konzept groß macht.

Ob OmegaBall mehr wird als eine interessante Randnotiz, lässt sich im Moment schwer sagen. Die Sportgeschichte ist voll von Formaten, die kurz Aufmerksamkeit erzeugt haben und dann wieder verschwanden. Gleichzeitig gibt es immer wieder Beispiele für Ideen, die zunächst exotisch wirkten und später eine eigene Nische gefunden haben – etwa Padel oder Teqball.

OmegaBall bewegt sich irgendwo zwischen diesen beiden Möglichkeiten. Das Spiel ist schnell zu verstehen, spektakulär anzuschauen und anders genug, um Neugier zu wecken. Gleichzeitig stellt es eine der Grundregeln des Fußballs infrage – und genau das macht es für Puristen schwer akzeptabel.

Vielleicht bleibt es deshalb ein Experiment. Vielleicht aber auch ein Hinweis darauf, dass selbst ein über hundert Jahre altes Spiel noch nicht in Stein gemeißelt ist. Denn wenn man den Fußball einmal von außen betrachtet, wirkt die entscheidende Annahme plötzlich gar nicht mehr so selbstverständlich: dass immer nur zwei Teams gegeneinander spielen müssen.

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