Drei Gründle, warum wir nur mit Schwaben Weltmeister werden können
Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel schöpft nach dem fulminanten 4:1 des VfB Stutgart in Leverkusen Hoffnung für den deutschen Fußball
Der Ex-Stuttgarter Thomas Strunz ist in der Winterpause mit der These auffällig geworden, dass Deutschland im Sommer Weltmeister wird. Als ich das las, musste ich erst lachen. Aber am Samstag, nach dem überragenden 4:1 des VfB Stuttgart in Leverkusen, bin ich ins Nachdenken geraten: Was, wenn Strunz recht hat?
Sieben deutsche Nationalspieler des VfB hatten gegen Bayer in der Startelf des VfB gestanden und geliefert.
"Da könnte sich wieder was anbahnen", sagte Lothar Matthäus, zwar Franke, aber Weltmeister von 1990.
Eigentlich hat Nationaltrainer Julian Nagelsmann tatsächlich alles, was es für den fünften Titel nach 1954, 1974, 1990 und 2014 braucht: eine Bayern-Achse sowieso, aber jetzt auch die viel wichtigere Schwaben-Achse. Autofahrer wissen: Das Anbringen einer zweiten Achse kann mitunter den Unterschied machen.
Hier drei Gründle, warum Deutschland dieses Jahr nur mit Schwaben Weltmeister werden kann:
Gründle 1: Chemie
Unter Trainer Sebastian Hoeneß haben in Stuttgart Spieler wie Maximilian Mittelstädt, Angelo Stiller, Jamie Leweling und Deniz Undav über Monate ein extrem hohes Spielverständnis entwickelt.

Warum das hilft: Bei einem kurzen Turnier wie der WM bleibt wenig Zeit für taktisches Training. Wenn ein Kern der Mannschaft die Laufwege des anderen im Schlaf kennt, gibt das der Nationalelf eine Stabilität, die andere Nationen erst mühsam aufbauen müssen.
Gründle 2: Undav als Müller-Poldi-X-Faktor
Der Erfolg bei großen Turnieren entscheidet sich oft in der Kabine. Deniz Undav hat sich nicht nur durch seine Tore (zuletzt 14 Torbeteiligungen in 14 Spielen), sondern auch als Stimmungskanone unverzichtbar gemacht. Er selbst hat das ganz richtig so ausgedrückt: Bei einer WM brauche es "eine geile Sau wie mich, die Stimmung macht".
Gründle 3: Die schwäbische Mentalität
Die schwäbische Erfolgsmentalität kennt ihr ja alle. Ohne sie wären wir nicht die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Sie ist eine Mischung aus historisch gewachsener Disziplin, technischem Erfindergeist und einer fast schon spirituellen Arbeitsethik. Ich weiß das, ich bin selber Schwabe, und ich sage nur: Daimler. Im Vergleich zu Mercedes sind BMW, VW oder Audi die 1899 Hoffenheims des Autobaus.
Aber ich schweife ab.
Ja, ich weiß, die Nationalspieler des VfB sind strenggenommen keine echten Schwaben. Aber das macht nichts: Es genügt, in Stuttgart zu leben und täglich diese krasse Mischung aus Feinstaub und Sieger-Gen einzuatmen, schon geht ein jeder durch die Decke. Man nennt diese Glücklichen übrigens "Reing'schmeckte". Nehmen wir Philipp Lahm. Er spielte erst für den VfB Stuttgart und führte dann das DFB-Team als Kapitän zum Titel.
Also: Warum sollten Schwaben nicht nur immer die Wirtschaft, sondern auch mal wieder den deutschen Fußball aus dem Dreck ziehen?
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