Die Bayern-Pleite: Signal für die Bundesliga?

Das 1:2 gegen zeigt, dass der Rekordmeister verwundbar ist und acht Punkte Rückstand in der Mathematik des Profifußballs einholbar

Die Bayern-Pleite: Signal für die Bundesliga?
IMAGO/MIS

Die erste Bundesliga-Niederlage des FC Bayern in dieser Saison kommt zur rechten Zeit – zumindest für alle, die sich nach Spannung im deutschen Fußball sehnen. Das 1:2 gegen Augsburg ist mehr als ein Ausrutscher. Es ist ein Realitätscheck für eine Liga, die sich zu oft mit der eigenen Bedeutungslosigkeit im Titelkampf abgefunden hat.

Sport-Geschäftsführer Lars Ricken hat recht, wenn er die Pleite des Spitzenreiters als positives Signal wertet. Nicht weil Schadenfreude angebracht wäre, sondern weil der Mythos der Unbesiegbarkeit endlich Risse bekommt. Die Bayern sind schlagbar. Das wussten wir theoretisch immer, aber der praktische Beweis fehlte in dieser Saison bislang. Jetzt liegt er vor.

Borussia Dortmund hat seinen Teil dazu beigetragen, die Tabelle wieder interessanter zu machen. Der 3:0-Erfolg bei Union Berlin war eine überzeugende Antwort auf das Champions-League-Debakel gegen Tottenham. Acht Punkte Rückstand auf München klingen nach viel, aber sie klingen nicht mehr nach uneinholbar. Die Mathematik der Bundesliga erlaubt Hoffnung, wenn auch keine Euphorie.

Bayern-Titel soll nicht im März perfekt sein

Nico Schlotterbeck bringt die Dortmunder Haltung auf den Punkt: Der BVB-Abwehrspieler will nicht, dass die Meisterschaft im März entschieden ist. Das ist keine Kampfansage, sondern eine nüchterne Feststellung. Der BVB muss bereit sein, wenn Bayern strauchelt. Mehr kann ein Verfolger nicht tun, als dranzubleiben und auf Fehler des Gegners zu lauern.

Die eigentliche Frage ist, ob diese Niederlage ein Einzelfall bleibt oder den Beginn einer Schwächephase markiert. Bayern hat in der Champions League bereits gezeigt, dass die Mannschaft verwundbar ist. Nun auch in der Bundesliga. Das Selbstverständnis, mit dem der Rekordmeister durch die Saison marschiert ist, wird auf die Probe gestellt.

Für die Bundesliga wäre ein echter Titelkampf ein Geschenk. Die internationale Wahrnehmung leidet seit Jahren unter der Vorhersehbarkeit deutscher Meisterschaften. Ein Zweikampf zwischen München und Dortmund bis in den Frühling hinein würde nicht nur die Einschaltquoten steigern, sondern auch das Selbstbewusstsein der Liga stärken.

Ricken mahnt zu Recht, dass Dortmund auf sich selbst schauen muss. Die Reaktion auf die Tottenham-Niederlage war richtig stark, aber Konstanz ist das, was dem BVB in den vergangenen Jahren gefehlt hat. Das Spiel gegen Inter Mailand wird zeigen, ob die Mannschaft aus ihren Fehlern gelernt hat.