Deutscher Fußball überweist 140 Millionen an Vermittler – und verrät damit seine Werte
Deutsche Klubs geben weltweit die zweithöchsten Honorare für Vermittler aus.
Die Zahlen sind da, und sie erzählen eine Geschichte, die niemanden überraschen kann, der den Profifußball in den vergangenen Jahren beobachtet hat. 140 Millionen Euro haben deutsche Klubs 2025 an Spielervermittler überwiesen. Weltweit reicht das für Platz zwei, nur England liegt mit 320 Millionen Euro deutlich vorn. Was sagt das über den Zustand des Geschäfts? Zunächst einmal: Der deutsche Fußball spielt finanziell in einer Liga, die er sich eigentlich nicht leisten kann. Die Bundesliga inszeniert sich gern als wirtschaftlich solide, als Gegenentwurf zum entfesselten Kapitalismus der Premier League. Doch wenn es um die Honorare für Berater geht, steht Deutschland auf dem Treppchen der Verschwender. 140 Millionen Euro fließen nicht in Nachwuchsarbeit, nicht in Stadioninfrastruktur, nicht in Fanprojekte. Sie fließen an Mittelsmänner, deren Wertschöpfung sich auf das Vermitteln von Verträgen beschränkt. Der globale Kontext macht die Dimension erst richtig deutlich. 1,17 Milliarden Euro wurden 2025 weltweit im Männerfußball an Vermittler gezahlt. Das entspricht einer Steigerung um 90 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2023 lag bei 759 Millionen Euro. Innerhalb von zwei Jahren hat sich das Volumen also mehr als verdoppelt. Das ist keine Entwicklung, das ist eine Explosion.
FIFA veröffentlichte die Zahlen
Die FIFA hat diese Zahlen veröffentlicht, und man darf annehmen, dass der Weltverband damit auch ein Signal senden will. Die geplante Regulierung des Beratermarktes, die 2023 beschlossen wurde, soll genau solche Auswüchse eindämmen. Ob sie das schafft, bleibt abzuwarten. Die Erfahrung lehrt, dass findige Berater und willige Klubs immer Wege finden, Regeln zu umgehen. Was bleibt, ist die Frage nach der Verhältnismäßigkeit. Wenn ein System 90 Prozent mehr Geld an Vermittler ausschüttet als im Jahr zuvor, dann stimmt etwas Grundsätzliches nicht. Entweder sind die Transfersummen derart gestiegen, dass die prozentualen Provisionen automatisch explodieren. Oder die Berater haben ihre Verhandlungsmacht so ausgebaut, dass sie höhere Anteile durchsetzen können. Beides wäre ein Symptom für einen Markt, der die Kontrolle über sich selbst verloren hat. Der deutsche Fußball muss sich entscheiden, was er sein will. Ein Wirtschaftszweig, der jeden Euro rechtfertigen kann? Oder ein Teilnehmer an einem globalen Wettrüsten, bei dem am Ende nur die Vermittler gewinnen? 140 Millionen Euro sind die Antwort auf diese Frage. Sie fällt nicht schmeichelhaft aus.