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Manuel Neuer: Das Comeback und die Gefahren

Gegen Darmstadt soll der Langzeitverletzte wieder ins Bayern-Tor zurückkehren – wir alle werden ihn mit Argusaugen beobachten

Foto: Imago / Ulrich Wagner

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Ich habe zwei gute Nachrichten für Bayern-Fans. Nummer eins: Manuel Neuer ist wieder fit. Nummer zwei: Die meisten Skilifte in den Alpen sind noch nicht in Betrieb.

324 Tage nach einem Unterschenkelbruch soll die lebende Torwartlegende jedenfalls morgen um 15.30 Uhr endlich dahin zurückkommen, wo sie hingehört.

Was für eine unglaublich lange Pause. Ich glaube, es handelt sich sogar um die längste selbstverschuldete Abwesenheit einer Führungspersönlichkeit in der Geschichte des FC Bayern. Also den 21-monatigen Aufenthalt von Uli Hoeneß in der JVA Landsberg nicht mitgerechnet.

Der Zeitpunkt für Neuers Rückkehr hätte nicht besser ausgewählt werden können: Bei einem Heimspiel gegen Darmstadt 98 könnte man vermutlich auch Sepp Maier zwischen die Pfosten stellen. Oder die Klinsmanntonne. Darmstadt ist ein klassischer Torwartaufbaugegner. Die Stürmer des Aufsteigers werden das gegnerische Tor allenfalls aus der Ferne sehen; vielleicht dürfen sie ein paar Fotos von Neuer machen, falls de Ligt und Kim einverstanden sind.

Ich gebe zu, ich bin etwas nervös. Es ist ein historischer Moment. Neuer ist Weltmeister. Champions-League-Sieger. Er hat mehr Bundesliga-Meisterschaften gewonnen als Borussia Dortmund, der Hamburger SV und 1. FC Köln zusammen.

Skipassunabhängig ist er der beste Torwart aller Zeiten.

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Wird Neuer noch mal der Alte? Alle fragen sich das. Bedenken sind nicht unbegründet. Der Mann ist schließlich 37 Jahre und sieben Monate alt. Bei meiner Recherche nach Altersausfallerscheinungen habe ich gestern auf einer Videospiel-Forumseite folgenden Eintrag gefunden: "Mit 34 bald 35 merke ich auch immer deutlicher das ich in schnellen spielen einfach nicht mehr mithalten kann." Das ist beängstigend. Andererseits sitzt Neuer ja nicht am Computer, er ist an der frischen Luft, das ist gut für Geist und Körper, würde meine Mutter sagen.

Meine Gedanken sind morgen bei Sven Ulreich. Ihr wisst schon, der Mann, der in seiner Steuererklärung "Ersatz von Manuel Neuer" unter "Ausgeübter Beruf" einträgt. Er muss zurück auf die Bank. Aber der 35-Jährige hat ja offenbar Spaß daran. Ulreich musste vor ein paar Jahren eine Zeit lang das Tor des HSV hüten – dabei reifte eine wichtige Entscheidung: Da werde ich dann doch lieber wieder Ersatzspieler.

Was passiert jetzt? Klar: Alle schauen morgen und in den nächsten Wochen auf Manuel Neuer. Jede Aktion wird von Fans, Reportern und TV-Experten bewertet, jeder noch so unhaltbare Ball als potenziell haltbar gehandelt. Selbst knallharte Schüsse von der Strafraumgrenze, die im eigenen Fünfer abgefälscht werden, ihre Richtung dabei um 37 Grad ändern und ins Tor rauschen, werden mit zusammengezogenen Augenbrauen und den Worten "Früher hätte er den aber gehabt!" kommentiert.

So ein brutales Geschäft ist Fußball.

FC Bayern: Comeback von Manuel Neuer - Sein langer Weg zurück auf das Spielfeld - WELT
Manuel Neuer kehrt ins Tor des FC Bayern zurück und löst den starken Sven Ulreich ab. Ob die Entscheidung richtig ist, wird sich erst mit Verzögerung herausstellen. Auf zwei kleinere Gegner folgt der erste echte Härtetest.
Manuel Neuers Comeback wirft viele Fragen auf
Beim FC Bayern ist die Freude groß, denn am Samstag gegen Darmstadt soll es endlich so weit sein: Manuel Neuer kehrt knapp elf Monate nach seinem Skiunfall ins Tor der Münchner zurück. Allerdings führt das Comeback des Torwarts auch zu vielen Fragen, deren Antworten noch offen sind.

Der Platz im deutschen Tor? Weg isser. So einfach wie einen Ulreich kriegt man Marc-André ter Stegen nicht weg. Er ist schließlich auch Champions-League-Sieger, und zwar beim großen FC Barcelona. Neuer hat damit einen ganz besonderen Status: Ältester Nationaltorwart-Herausforderer aller Zeiten.

Meine persönliche Einschätzung: Er wird es schaffen. Neuer ist der Beste, und sein Name schreibt sich außerdem für Kolumnisten leichter.

Pech übrigens auch für seinen designierten Nachfolger beim FC Bayern, den Israeli Daniel Peretz. Er ist 23, wurde für 5 Millionen Euro geholt, aber keiner weiß warum. Peretz wird ewig lange warten müssen, bis er ran darf, denn Neuer macht in etwa so viele Anstalten abzutreten wie Jamal Musiala.

Ich schätze mal, wenn bei Peretz die ersten grauen Haare kommen, wird es so weit sein. Aber nur, wenn Sven Ulreich dann nichts dagegen hat.

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