Das Kovac-Lob für Kimmich entlarvt den BVB
Der Trainer von Borussia Dortmund findet nach dem 2:3 anerkennende Worte für die Bayern, während sein Team erneut scheitert. Wer so redet, findet sich mit Platz 2 ab
BVB-Trainer Niko Kovac steht nach dem 2:3 gegen Bayern München vor den Mikrofonen und lobt Joshua Kimmich in den höchsten Tönen - den Spielgestalter des Gegners. "Weltklasse" nennt er das Volleytor in der 87. Minute, das den Klassikerausgang besiegelte. Ich finde diese Anerkennung bemerkenswert ehrlich – und gleichzeitig entlarvend für den Zustand des deutschen Fußballs.

Denn was Kovac hier betreibt, ist mehr als Fairplay. Es ist die öffentliche Kapitulation vor einer Realität, die der BVB-Trainer selbst auf den Punkt bringt: "Die Bayern kaufen für 60, 70 Millionen ein, wir holen Entwicklungsspieler."
Dieser Satz ist keine Ausrede, sondern eine nüchterne Bestandsaufnahme. Die strukturelle Kluft zwischen München und dem Rest der Bundesliga lässt sich nicht mit taktischer Finesse oder kämpferischer Moral überbrücken. Sie lässt sich nur mit Geld schließen – Geld, das Dortmund nicht hat oder nicht ausgeben will.
Elf Punkte Rückstand nach diesem Spieltag bedeuten: Die Meisterschaft ist für den BVB rechnerisch noch möglich, aber faktisch verloren. Kovac versucht, das Positive zu betonen – vergangene Saison seien es 25 Punkte Rückstand gewesen, jetzt nur noch elf. Das klingt nach Fortschritt. Doch ich sehe darin eher ein Eingeständnis: Der Abstand zum FC Bayern bleibt strukturell unüberwindbar, selbst wenn er sich punktuell verringert.
Was an Kovac irritiert
Was mich an Kovacs Auftritt irritiert, ist die Mischung aus Demut und Selbstzufriedenheit. Sein Team hätte "einen Punkt verdient" gehabt, sagt er. Mag sein. Aber verdient haben und holen sind zwei verschiedene Dinge. Der BVB führte 1:0, ließ sich dann von Kimmichs Chipball zum Ausgleich und seinem Volleyhammer zum Sieg demontieren. Das ist keine Pechsträhne, das ist ein Muster: Dortmund spielt gut, aber nicht gut genug, wenn es darauf ankommt.
Nach dem Aus im DFB-Pokal und der Champions League bleibt dem Tabellenzweiten nur noch ein Saisonziel: die erneute Qualifikation für die Königsklasse. Kovac formuliert das mit der ihm eigenen Nüchternheit: "Wir wollen schnell in die Champions League kommen." Das ist realistisch. Aber es ist auch das Eingeständnis, dass der BVB sich mit der Rolle des ewigen Zweiten arrangiert hat.
