Chelseas Siebenjahresvertrag für Rosenior ist ein Statement, aber nicht für Vernunft

Der Premier-League-Klub setzt auf Kontinuität mit einem langfristigen Vertrag - angeblich

Chelseas Siebenjahresvertrag für Rosenior ist ein Statement, aber nicht für Vernunft
IMAGO/PsnewZ

Der FC Chelsea hat sich für Liam Rosenior entschieden. Ein 41-jähriger Engländer, der gerade einmal anderthalb Jahre Cheftrainer-Erfahrung bei RC Straßburg gesammelt hat, soll nun einen der größten Klubs der Premier League führen. Und das mit einem Vertrag bis 2032. Sieben Jahre. Das ist keine Verpflichtung, das ist ein Statement.

Aber wofür genau?

Die Entlassung von Enzo Maresca an Neujahr war bereits ein Signal, das viele nicht verstanden haben. Der Italiener hatte im Sommer noch die Klub-Weltmeisterschaft gewonnen, Chelsea stand zum Zeitpunkt seiner Freistellung auf dem fünften Tabellenplatz. Kein Desaster, keine Krise, die nach radikalen Maßnahmen schrie. Doch Todd Boehly und sein Investorenkonsortium haben offenbar andere Maßstäbe.

Rosenior kommt nicht als externer Kandidat. Er kommt aus dem eigenen Netzwerk. Straßburg gehört zur BlueCo Group, seit 2023 wechselten 15 Spieler zwischen beiden Vereinen hin und her. Das ist kein Zufall, das ist System. Rosenior kennt die Strukturen, die Philosophie, die Erwartungen der Eigentümer. Er ist kein Risiko für Boehly, er ist eine kontrollierte Variable.

Genau hier liegt das Problem. Chelsea braucht keinen Systemverwalter, Chelsea braucht einen Trainer, der den Klub wieder zu einer klaren Identität führt. Seit der Übernahme durch das amerikanische Konsortium im Mai 2022 gleicht Stamford Bridge einem Versuchslabor. Spieler kommen und gehen, Trainer werden ausgetauscht, langfristige Verträge werden verteilt wie Visitenkarten. Doch eine erkennbare sportliche Linie? Fehlanzeige.

Rosenior-Vertrag klingt schon absurd

Rosenior hat in Straßburg solide Arbeit geleistet, der siebte Platz in der Ligue 1 ist respektabel. Aber die französische Liga ist nicht die Premier League. Die Erwartungen in London sind andere, der Druck ist ein anderer, die Konkurrenz ist gnadenlos. Ob Rosenior diesem Umfeld gewachsen ist, muss er erst beweisen.

Der Siebenjahresvertrag wirkt in diesem Kontext fast absurd. Chelsea hat seit Boehly keinen Trainer länger als zwei Jahre gehalten. Warum sollte es bei Rosenior anders sein? Die Laufzeit suggeriert Vertrauen und Stabilität, doch die jüngste Vereinsgeschichte erzählt eine andere Geschichte.

Rosenior selbst gibt sich emotional und dankbar. Er spricht von Stolz und davon, was Chelsea in jedem Spiel repräsentieren soll. Das sind die richtigen Worte. Aber Worte allein werden an der Stamford Bridge nicht reichen. Die Fans wollen Ergebnisse sehen, eine Mannschaft mit Charakter, einen Trainer mit Autorität.

Ob Liam Rosenior dieser Trainer ist, wird sich zeigen. Der Kredit, den ihm die Vereinsführung mit diesem Vertrag einräumt, ist enorm. Jetzt muss er liefern.