Bonhofs Treuebekenntnis zu Trainer Polanski klingt loyal – ist aber gefährlich in Gladbach
Trotz Krise erhält der Mönchengladbacher Trainer Rückendeckung von Vereinsseite.
Zwei Punkte aus vier Spielen. Das ist die nüchterne Bilanz, mit der Borussia Mönchengladbach in das Duell gegen Meister Bayer Leverkusen geht. Und was macht Präsident Rainer Bonhof? Er stellt sich vor seinen Trainer Eugen Polanski und verkündet, es gebe keine Zweifel am Coach. Das ist entweder mutig oder naiv. Vermutlich beides.
Bonhof diagnostiziert fehlendes Selbstvertrauen und Selbstverständnis bei seiner Mannschaft. Fußball spiele sich auch zwischen den Ohren ab, sagt der Weltmeister von 1974. Das stimmt. Aber es ist auch eine bequeme Erklärung. Denn wenn das Problem zwischen den Ohren liegt, dann liegt es eben nicht an Taktik, Kaderplanung oder Trainingsarbeit. Dann sind die Spieler schuld, nicht die Verantwortlichen. So einfach macht es sich Bonhof.
Die Realität sieht anders aus. Gladbach hat nach der Winterpause erst einen Sieg geholt. Der Vorsprung auf den Abstiegsrelegationsplatz beträgt nur noch drei Punkte. Das ist keine Flaute, wie Bonhof es nennt. Das ist akute Abstiegsgefahr. Und in solchen Momenten reichen warme Worte nicht aus.
Man kann Bonhof verstehen, aber…
Natürlich kann man verstehen, dass ein Präsident seinen Trainer öffentlich stützt. Alles andere würde die Situation nur verschärfen. Aber Bonhofs Rhetorik klingt nach Durchhalteparolen, nicht nach Analyse. Er spricht davon, das Schiff zu drehen und den richtigen Wind in die Segel zu bekommen. Schöne Bilder, aber was bedeuten sie konkret? Welche Maßnahmen ergreift der Verein? Welche Veränderungen sind geplant?
Polanski steht vor seiner größten Bewährungsprobe. Er muss einer verunsicherten Mannschaft Struktur geben, ohne selbst nervös zu wirken. Das Spiel gegen Leverkusen kommt zur Unzeit. Der Meister ist ein Gegner, gegen den man auch in guten Phasen verlieren kann. In schlechten Phasen droht eine Demütigung.
Die Frage ist nicht, ob Bonhof an Polanski glaubt. Die Frage ist, ob dieses Vertrauen auf einer realistischen Einschätzung basiert oder auf der Hoffnung, dass sich die Dinge von selbst regeln. Gladbach kann sich Hoffnung nicht leisten. Der Verein braucht Punkte, und zwar schnell.
Bonhofs Treuebekenntnis mag loyal klingen. Aber Loyalität ohne Konsequenz ist in der Bundesliga ein Luxus, den sich nur Vereine leisten können, die nicht um den Klassenerhalt kämpfen. Gladbach gehört gerade nicht dazu.