Böller auf Torwart: Inters Sieg wird zur Schande für den italienischen Fußball
Inter-Fans sorgen mit Böllerwurf für Eklat beim Auswärtssieg.
Inter Mailand gewinnt 2:0 bei US Cremonese, baut den Vorsprung an der Tabellenspitze aus – und trotzdem bleibt nach diesem Abend ein bitterer Nachgeschmack. Ein Böller aus dem eigenen Fanblock, geworfen in Richtung des gegnerischen Torwarts Emil Audero, überschattet einen Sieg, der sportlich keine Fragen offenließ.
Was in der 49. Minute passierte, ist kein Kavaliersdelikt. Ein Feuerwerkskörper fliegt aus der Kurve, der Keeper geht zu Boden, die Partie wird unterbrochen. Die Bilder, die um die Welt gehen, zeigen nicht die Dominanz des italienischen Meisters, sondern die Fratze einer Fankultur, die ihre Grenzen nicht kennt. Dass Kapitän Lautaro Martínez und seine Mitspieler sich sofort bei den eigenen Anhängern beschwerten, war das einzig Richtige in diesem Moment. Es war auch das Mindeste.
Inter führte zu diesem Zeitpunkt bereits komfortabel. Martínez selbst hatte in der 16. Minute getroffen, Piotr Zielinski legte in der 31. Minute nach. Das Spiel war entschieden, der Sieg nie gefährdet. Umso absurder erscheint die Aktion aus dem Gästeblock. Wer wirft einen Böller, wenn die eigene Mannschaft souverän führt? Wer riskiert Spielabbruch, Punktabzug, Geisterspiele – und vor allem die Gesundheit eines Menschen?
Die Antwort ist so simpel wie ernüchternd: Menschen, denen der Fußball als Bühne für etwas anderes dient. Die nicht ins Stadion kommen, um Sport zu sehen, sondern um sich selbst zu inszenieren. Die Vereine wissen das, die Verbände wissen das, die Polizei weiß das. Und trotzdem wiederholen sich diese Szenen mit ermüdender Regelmäßigkeit.
Dass die Partie nach einigen Minuten Unterbrechung fortgesetzt wurde und Audero nach kurzer Behandlung weiterspielen konnte, ändert nichts an der Schwere des Vorfalls. Es war Glück, kein Verdienst. Beim nächsten Mal könnte der Böller anders landen, könnte jemand ernsthaft verletzt werden. Die Geschichte des europäischen Fußballs kennt genug Tragödien, die mit vermeintlich harmlosen Aktionen begannen.
Inter Mailand steht nach 23 Spieltagen acht Punkte vor dem AC Mailand, der allerdings noch ein Spiel in der Hinterhand hat. Die Nerazzurri sind auf dem besten Weg zur Titelverteidigung. Yann Bisseck stand in der Startelf, die Mannschaft funktioniert, der Kader ist breit aufgestellt. Sportlich läuft es.
Doch dieser Abend in Cremona zeigt einmal mehr: Der italienische Fußball hat ein Problem, das größer ist als jede Tabellenkonstellation. Solange Böller fliegen, solange Spieler und Schiedsrichter um ihre Unversehrtheit fürchten müssen, solange bleibt jeder Sieg nur die halbe Wahrheit.