13 Meisterschaften in 14 Jahren: Die Bundesliga hat keinen Titelkampf mehr
Bayern dominiert, alle gratulieren. Doch wer Dominanz mit Exzellenz verwechselt, verschleiert das eigentliche Problem der Liga.
Fünfzehn Punkte. Vier Spieltage vor Schluss. Acht Wechsel in der Startelf – und trotzdem ein souveränes 4:2 gegen den VfB Stuttgart. Der FC Bayern hat am Sonntag seine 35. Meisterschaft gesichert, die 13. in 14 Spielzeiten. DFB-Präsident Bernd Neuendorf nennt das „beste Werbung für die Bundesliga". Man muss diesen Satz zweimal lesen, um die Ironie zu begreifen.
Was Neuendorf als Werbung verkauft, ist in Wahrheit ein Befund: Die Bundesliga hat keinen Meisterschaftskampf mehr. Sie hat ein Ritual. Bayern steht seit dem ersten Spieltag an der Spitze, seit einem 6:0 gegen Leipzig, und ist dort nie ins Wanken geraten. Borussia Dortmund, der sogenannte „Verfolger", liegt 15 Punkte zurück – das ist kein Abstand, das ist eine andere Liga.
Die DFL-Geschäftsführer gratulieren artig, als wäre die vorzeitige Entscheidung ein Qualitätsmerkmal und nicht das Symptom eines Wettbewerbs, der keiner mehr ist.
Bayern-Trainer Vincent Kompany durfte sich den Luxus leisten, gegen Stuttgart ohne Neuer, ohne Olise, ohne Kane in der Startelf anzutreten. Er brachte die beiden zur Pause – als Belohnung, nicht als Rettung. Kane erzielte sein 32. Saisontor, Davies sein erstes. Bayern hat in dieser Spielzeit den Bundesliga-Torrekord gebrochen: 105 Treffer nach 29 Spieltagen, jetzt 109 nach 30 Spieltagen - der alte Rekord aus der Saison 1971/72 stand bei 101. Damit wird das Erreichte zum historischen Höchstand.
Nun kann man einwenden, dass Bayern diese Dominanz verdient hat. Kompany hat nach seiner ersten Meisterschaft 2024/25 nachlegt, sein Vertrag läuft bis 2029, im Halbfinale der Champions League wartet Paris Saint-Germain. Der Verein arbeitet professioneller, konsequenter, kapitalstärker als alle anderen in Deutschland. Das stimmt. Nur erklärt es eben nicht, warum eine Liga mit einem Milliarden-TV-Vertrag es seit über einem Jahrzehnt nicht schafft, auch nur annähernd vergleichbare Strukturen an einem zweiten Standort zu ermöglichen. Leverkusen hat 2023/24 einmal dazwischengegrätscht – und wurde prompt zum Beweis erklärt, dass das System funktioniert. Ein Ausreißer in 14 Jahren ist kein Gegenbeweis. Er ist die Ausnahme, die die Regel bestätigt.
Das eigentliche Problem liegt nicht in München. Es liegt in der Bereitschaft aller Beteiligten, Dominanz mit Exzellenz zu verwechseln. Wenn der DFB-Präsident gratuliert, statt Fragen zu stellen, wenn die DFL-Führung die Meisterschaft als Erfolgsgeschichte rahmt, statt die fehlende Konkurrenzfähigkeit der Liga zu adressieren, dann stabilisiert der Verband genau die Strukturen, die er beklagen müsste. Stuttgart, immerhin Pokal-Titelverteidiger, lag nach 37 Minuten 1:3 zurück – nicht weil der VfB schlecht spielte, sondern weil ein einziger Fehlpass von Jeltsch und 90 Sekunden Münchner Effizienz genügten, um den Klassenunterschied offenzulegen.
13 von 14 Meisterschaften. In keiner anderen europäischen Topliga existiert eine solche Konzentration. Wer das als „beeindruckende Dominanz" feiert, hat aufgehört, die richtigen Fragen zu stellen. Die Bundesliga braucht keine Gratulanten – sie braucht Leute, die den Unterschied zwischen einem starken Meister und einer schwachen Liga benennen.