Barca-Gastspiel in Miami abgesagt: Der Fußball gehört nicht ins Schaufenster!

Die Debatte über Ligaspiele im Ausland spaltet Fans und Funktionäre.

Barca-Gastspiel in Miami abgesagt: Der Fußball gehört nicht ins Schaufenster!
IMAGO/ZUMA Press Wire

Javier Tebas ist wie ein Vertreter, der seine Ware nicht loswird, aber trotzdem immer wieder an derselben Tür klingelt. Der Präsident der spanischen Liga nennt die Absage des Barcelona-Spiels in Miami eine "verpasste Gelegenheit" und kündigt im selben Atemzug an: "Wir werden es weiterhin versuchen." Man muss seine Hartnäckigkeit fast bewundern. Fast. Die Absage des FC Barcelona-Spiels in Miami zeigt die Macht der Fanproteste, auch wenn die offizielle Begründung von "insufficient time" spricht. Spieler verzögerten aus Protest den Anpfiff um 15 Sekunden, Fans mobilisierten europaweit, und am Ende blieb der Liga nichts anderes übrig, als den Rückzug anzutreten. Football Supporters Europe feiert das als Triumph des gesunden Menschenverstands. Sie haben recht, aber sie übersehen einen entscheidenden Punkt: Tebas und seine Mitstreiter lernen aus jeder Niederlage. Sie werden wiederkommen, besser vorbereitet, mit ausgefeilteren Argumenten.

Das eigentliche Problem liegt tiefer

Während Javier Tebas weiter auf internationale Spiele drängt und Fans den Ausverkauf der Ligen kritisieren, offenbart sich ein fundamentaler Konflikt über die Zukunft des Fußballs. Tebas sieht Märkte, wo andere Heimat sehen. Er denkt in Reichweiten und Zeitzonen, während Fans an Traditionen und Identität festhalten. Beide Seiten reden aneinander vorbei, weil sie unterschiedliche Sprachen sprechen. Die eine ist die der globalen Unterhaltungsindustrie, die andere die der lokalen Verwurzelung. Die UEFA stimmte den Plänen nur "widerstrebend" und "ausnahmsweise" zu. Diese Formulierung ist verräterisch. Sie zeigt, dass selbst die Verbände wissen, dass sie hier eine rote Linie überschreiten. Aber sie tun es trotzdem, weil der Druck der Ligen zu groß wird. Die Serie A plant bereits, Milan gegen Como nach Perth zu verlegen. Das Argument: Der San Siro sei wegen der Olympischen Winterspiele nicht verfügbar. Als gäbe es in ganz Italien kein anderes Stadion.

Fans müssen was verstehen

Football Supporters Europe fordert klare FIFA-Regeln, um ähnliche Konflikte in Zukunft zu vermeiden. Das ist naiv. Die FIFA wird keine Regeln erlassen, die den kommerziellen Interessen ihrer mächtigsten Mitglieder zuwiderlaufen. Die Fans müssen verstehen: Dieser Kampf wird nicht in Gremien gewonnen, sondern auf der Straße und in den Stadien. Jedes Mal aufs Neue. Die Bundesliga-Bosse versichern, dass für sie Auslandsspiele nicht infrage kommen. Hans-Joachim Watzke gibt sich unnachgiebig. Aber wie lange noch? Der Druck wird wachsen, wenn andere Ligen ihre Märkte erweitern und die Bundesliga zurückfällt. Irgendwann wird auch in Deutschland jemand von "verpassten Gelegenheiten" sprechen. Der Fußball ist längst keine Insel mehr. Er ist Teil einer Unterhaltungsmaschinerie, die keine Grenzen kennt. Die Frage ist nur, wie lange die Fans noch die Kraft haben, sich dagegen zu stemmen.