Araujos Rückkehr zeigt: Der Profifußball muss mentale Gesundheit ernst nehmen
Araujo ist nach mentaler Auszeit bei Barca zurück.
Ronald Araujo ist wieder bei seiner Mannschaft, und das ist die eigentliche Nachricht. Nicht der spanische Supercup, nicht das Halbfinale gegen Athletic Bilbao, sondern die Tatsache, dass ein Spieler zurückkehrt, der sich über einen Monat lang aus dem Profifußball verabschiedet hatte – weil er es musste.
Der 26-jährige Uruguayer hatte sich nach dem desaströsen Auftritt beim FC Chelsea Ende November zurückgezogen. Gelb-Rot vor der Pause, 0:3-Niederlage, und die Fans beim FC Barcelona machten ihn zum Sündenbock. Was folgte, war keine klassische Verletzungspause, sondern eine mentale Auszeit. Araujo verschwand aus den sozialen Medien, mied die Öffentlichkeit. Der Verein trug das mit, Trainer Hansi Flick sprach von einer "persönlichen Situation".
Man kann das als Schwäche auslegen. Man kann es aber auch als Stärke begreifen. Denn Araujo hat etwas getan, was im durchgetakteten Profifußball selten vorkommt: Er hat sich eingestanden, dass er eine Pause braucht. Nicht wegen eines Muskelfaserrisses, sondern wegen etwas, das man nicht auf dem MRT sieht.
Profifußball hat ein Problem mit psychischer Gesundheit
Die Situation ist brisant. Nicht weil die Spieler labiler wären als früher, sondern weil die Belastung eine andere ist. Soziale Medien verstärken jede Kritik ins Unermessliche. Ein schlechtes Spiel wird nicht mehr am nächsten Tag vergessen, es wird archiviert, geteilt, kommentiert. Araujo hat das am eigenen Leib erfahren. Die Reaktion auf sein Chelsea-Spiel war so heftig, dass er sich zurückzog.
Dass er jetzt wieder mit der Mannschaft reist, ist ein gutes Zeichen. Ob er am Mittwoch spielen wird, ist offen. Flick hat betont, dass Araujo körperlich noch nicht bei hundert Prozent sei. Die Entscheidung liege beim Spieler selbst. Das ist der richtige Ansatz. Kein Druck, keine falschen Erwartungen.
Was bleibt, ist die Frage, wie der Fußball mit solchen Fällen umgeht. Araujo ist Vizekapitän des FC Barcelona, 25-maliger Nationalspieler. Wenn selbst jemand in seiner Position eine Auszeit braucht, dann sagt das etwas über das System. Die Mannschaft steht hinter ihm, das betont Flick. Die Unterstützung sei "fantastisch". Das ist wichtig, aber es reicht nicht.
Der Profifußball muss lernen, dass mentale Gesundheit kein Randthema ist. Araujos Rückkehr ist ein Anfang. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.