Antons Titelansage beim BVB ist nur so viel wert wie die Konstanz auf dem Platz
Waldemar Anton sieht den Druck in Dortmund als Motivation.
Waldemar Anton spricht von Titelambitionen, und man muss ihm zugutehalten: Er sagt das mit der nötigen Ernsthaftigkeit. Der Innenverteidiger weiß, worauf er sich eingelassen hat, als er im Sommer vom VfB Stuttgart nach Dortmund wechselte. Der BVB ist kein Verein für Spieler, die ihre Ruhe haben wollen. Der BVB ist ein Verein, der permanent unter Strom steht.
Neun Punkte Rückstand auf Bayern München – das ist die Realität vor dem Rückrundenstart. Anton nennt das, was im Dezember rund um die Mannschaft passierte, nicht Unruhe, sondern Druck. Eine semantische Feinheit, die viel verrät. Denn Unruhe klingt nach Chaos, nach Kontrollverlust. Druck hingegen ist kalkulierbar, gehört zum Geschäft. Zumindest in Dortmund.
"Der Anspruch hier ist sehr hoch, das muss er auch sein. Wir sind ein Klub, der um Titel mitspielen und jedes einzelne Spiel gewinnen möchte."
Die Frage ist nur: Reicht dieses Selbstverständnis, um tatsächlich um Titel mitzuspielen? Der Anspruch, jedes einzelne Spiel gewinnen zu wollen, ist löblich. Aber er kollidiert mit einer Saison, in der der BVB zu oft hinter den eigenen Erwartungen zurückblieb. Die Kritik an der Spielweise kam nicht aus dem Nichts. Sie war die logische Konsequenz aus Auftritten, die einem Klub dieser Größenordnung nicht gerecht wurden.
Anton hat recht, wenn er sagt, dass der Druck in Dortmund immer da ist. Das unterscheidet diesen Verein von vielen anderen in der Bundesliga. Die Erwartungshaltung ist enorm, die Geduld begrenzt. Wer hier spielt, muss damit umgehen können. Der 29-Jährige scheint das verinnerlicht zu haben. Er wirkt nicht wie jemand, der vor der Kulisse des Signal Iduna Parks einknickt.
Rückstand auf Bayern nicht uneinholbar
Doch Worte allein werden nicht reichen. Der Auftritt bei Eintracht Frankfurt zum Jahresauftakt wird zeigen, ob die Mannschaft die Winterpause genutzt hat, um die Defizite der Hinrunde aufzuarbeiten. Neun Punkte Rückstand auf die Bayern sind viel, aber nicht uneinholbar. Die Münchner haben in der Vergangenheit bewiesen, dass auch sie Schwächephasen kennen.
Was Dortmund braucht, ist Konstanz. Nicht nur in den Aussagen, sondern auf dem Platz. Anton verkörpert als Abwehrchef einen Spielertyp, der Stabilität bringen kann. Ob er das auch in den entscheidenden Momenten der Saison schafft, muss er erst noch beweisen.
Der Druck, von dem er spricht, wird nicht nachlassen. Im Gegenteil: Mit jedem Spiel, das nicht gewonnen wird, steigt er weiter. Das ist das Wesen dieses Vereins. Wer bei Borussia Dortmund von Titeln spricht, muss liefern. Alles andere ist nur Rhetorik.