Altstädter Kult

In ihren letzten beiden Zweitligaspielzeiten lief SpVgg Bayreuth im Europameisterlook auf, wie Stefan Appenowitz weiß

Altstädter Kult
Blick in das kleine, aber feine Altstädter Kult Fußball Museum in Bayreuth. Foto: Stefan Appenowitz

Ihre Liebe zum Verein können Fans in vielen Facetten ausleben. Die gängigste Variante ist wohl die Namensgebung. Ob „Fohlen“, „Zebras“, „Rothosen“ oder „Lilien“ – als interessierter Fußballfan weiß man sofort, von welchem Klub die Rede ist. Das ist in Franken und speziell in Bayreuth nicht anders. Der Unterschied ist, dass man in Bayreuth eigentlich nur von der „Oldschdod“ bzw. der „Altstadt“ spricht. Den kompletten Namen ihres Klubs, also Spielvereinigung Bayreuth, hört man in Gesprächen fast nie.

So kultig wie der Spitzname der SpVgg Bayreuth ist auch ihre Historie und die ihrer Trikots bzw. Trikotsponsoren. Der bis heute größte Sieg der Vereinsgeschichte gelang am 12. Januar 1980 in der dritten Runde des DFB-Pokals gegen den FC Bayern München. Der mit allen Stars angereiste heutige Rekordmeister verlor vor 18.000 Zuschauern im städtischen Stadion auf schneebedecktem Boden mit 0:1. Das Tor erzielte Uwe „Knacker“ Sommerer, ein Kultspieler der Altstädter. Hauptsponsor war das Kulmbacher Pharma- und Kosmetikunternehmen Dressin, dessen Werbespruch lautete „Dressin schafft Sympathien“. Das Unternehmen, das unter anderem Haarpflegeprodukte und Rasierwasser herstellte, zierte von 1974 bis 1981 die Brust der Bayreuther.

Sportlich waren die 1980er-Jahre eine Achterbahnfahrt für die „Oldschdod“. Nach der Qualifikation für die eingleisige 2. Bundesliga im Sommer 1981 stieg man im Folgejahr gleich wieder ab. In der Saison 1985/86 wiederholte sich das Spiel. Und auch am Ende der Spielzeiten 1987/88 sowie 1988/89 war die Spielvereinigung jeweils sportlich abgestiegen, durfte aber wegen Lizenzentzügen für Rot-Weiß Oberhausen (1988) bzw. Kickers Offenbach (1989) dennoch zweitklassig bleiben. Erst am Ende der Saison 1989/90 war das Glück dann aufgebraucht, musste Bayreuth runter in die Drittklassigkeit und kehrte nie zurück in die 2. Bundesliga.

In ihren letzten beiden Zweitligaspielzeiten liefen die Altstädter im Europameisterlook auf. Das Design, in dem die Niederlande 1988 den EM-Titel holten, ist heute eines der beliebtesten Adidas-Trikotmodelle unter Sammlern. Trikotsponsor war die "Großschlächterei Wölfel", deren Inhaber Hans Wölfel ein Mäzen und Präsident vom Schlage eines Jean „Schäng“ Löring war, der Journalisten zum Interview im Schlachthof bei der Arbeit empfing. Die "Großschlächterei Wölfel" sprang immer dann als Trikotsponsor ein, wenn kein anderes Unternehmen bereitstand, auf der Bayreuther Brust für sich zu werben. Mit dem Abstieg aus der 2. Liga und dem Tod des Patriarchen im selben Jahr endete diese Verbindung.


Die komplette Trikotgeschichte mit den Fotos von allen im Text genannten Trikots findet ihr in der Stoffkunde vom 20. Oktober 2025. Möchtet ihr in Zukunft keine meiner Trikotgeschichten verpassen, könnt ihr euch hier beim wöchentlichen Newsletter anmelden.