Absturz Bayer Leverkusen: Wie soll man nach einem Küchenbrand Drei-Sterne-Menüs kochen?
Fever Pit'ch-Alex Steudel über den strauchelnden Deutschen Meister von 2024, der immerhin heute im DFB-Pokal-Halbfinale Bayern München empfängt
Ich mache jetzt etwas, das nicht nett ist. Aber die Leverkusener wollten es ja so – was werden sie auch Meister? Ich frage also: Was wäre eigentlich in München los, wenn die Bayern zwei Jahre nach einer gewonnenen Deutschen Meisterschaft in der Bundesliga auf Platz sechs dümpeln würden?
Die Antwort ist einfach: Trainer, Manager – alle wären weg. Vincent Kompany würde jetzt Urlaub auf den Malediven machen oder Bournemouth trainieren, Max Eberl daheim sitzen und Nägel kauen. Uli Hoeneß hätte vor lauter Schnappatmung Apfelkuchen in der Luftröhre.
Bayer Leverkusen war nach dem Gewinn der Meisterschaft 2024 im Völkerwanderungsmodus, und das ist das Problem: Das Management um den vor zwei Jahren umjubelten Simon Rolfes hat ein bisschen geschlafen. Eine detaillierte Auflistung erspare ich mir, denn die Liste der (nicht aufgefangenen) Abgänge ist einfach zu lang und beeindruckend.
Sagen wir mal so: Alle sind weg.
Entsprechend das Abschneiden. Wahrscheinlich ist der Abschied von Wirtz, Xhaka, Tah & Co. der Grund dafür, dass Kasper Hjulmand noch immer auf der Trainerbank sitzt – man kann nach einem Küchenbrand kein Drei-Sterne-Menü kochen.
Aus Laterkusen wurde so wieder Leverkusen. Die Mannschaft ist jetzt eine unter vielen – zweites Leistungsviertel der Liga, also nicht mal mehr Vizekusen. Nur die Hälfte ihrer 46 Pflichtspiele hat die Werkself 2025/26 gewonnen. Am vergangenen Samstag verlor sie daheim gegen Augsburg. Kürzlich ließ sie sich sogar vom Tabellenletzten Heidenheim einen Punkt abluchsen.

Nur die Pokalwettbewerbe machten den Schmerz erträglich. In der Champions League erreichte Leverkusen das Achtelfinale, im DFB-Pokal kommt es heute im Halbfinale zum Duell mit dem FC Bayern.
Der richtige Gegner zur richtigen Zeit, könnte man sagen – oder eben: der völlig falsche. Denn ein FC Bayern, der einigermaßen gewillt ist, zu gewinnen, ist quasi unschlagbar. Dazu kommt, dass Leverkusen in dieser Saison nur etwa jedes zweite Heimspiel für sich entscheiden konnte. Die Verletzung von Bayerns Serge Gnabry fällt da kaum ins Gewicht – der genesende Jamal Musiala ist laut Trainer Kompany jetzt "ganz nah an seinem besten Niveau".
Und machen wir uns nichts vor: Selbst ein Pokalsieg würde die grundsätzlichen Probleme von Bayer höchstens retuschieren.
Was passiert mit den Leverkusenern – müssen sie kommende Saison womöglich Conference League spielen? Droht weiterer Absturz? Abschreckende Beispiele gibt es genügend.
Der VfB Stuttgart wurde nach der gewonnen Meisterschaft 2007 erst Sechster, dann zwar Dritter, doch später ging es bergab: Abstieg neun Jahre nach dem Titel.
Der VfL Wolfsburg wurde zwei Jahre nach der gewonnen Meisterschaft 2009 Fünfzehnter. Inzwischen ist der Klub heruntergewirtschaftet: Platz 17, der Abstieg droht. Oje.
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