30.000 Euro für Hitlergrüße: Die UEFA verrät damit ihre eigenen Werte

Der Verband predigt Nulltoleranz gegen Rassismus, bestraft Nazi-Gesten aber mit Beträgen, die im Profifußball niemanden interessieren.

30.000 Euro für Hitlergrüße: Die UEFA verrät damit ihre eigenen Werte
IMAGO/Action Plus

Dreißigtausend Euro. Das ist der Preis, den die UEFA für den Hitlergruß im Stadion ansetzt. Drei Tottenham-Anhänger zeigten beim Champions-League-Spiel in Frankfurt Ende Januar diese Geste in Richtung deutscher Fans, und der europäische Fußballverband reagiert mit einer Summe, die für einen Premier-League-Klub nicht einmal als Portokasse durchgeht. Ich finde das beschämend.

Die UEFA betreibt seit Jahren aufwendige Kampagnen gegen Diskriminierung. „No to Racism" prangt auf Banden, Spieler tragen Armbinden, vor Anpfiff werden Botschaften eingeblendet. Der Verband investiert Millionen in diese Außendarstellung. Und dann das: Ein Vergehen, das in Deutschland strafrechtlich relevant ist, das historisch eine einzigartige Dimension besitzt, wird mit einem Betrag sanktioniert, der im Profifußball-Geschäft schlicht lächerlich wirkt.

Tottenham selbst hat die identifizierten Täter unbefristet gesperrt. Der Verein distanziert sich unmissverständlich, spricht von widerwärtigem Verhalten einer Minderheit, das nicht die Werte des Klubs widerspiegele. Diese Reaktion ist richtig und notwendig. Doch sie entlarvt zugleich das Missverhältnis: Ein Verein handelt konsequenter als der Verband, der eigentlich die Regeln setzt.

Die UEFA stellt Tottenham für ein Jahr auf Bewährung. Erst beim nächsten Vergehen droht ein Ausschluss der Gästefans bei einem Auswärtsspiel. Das klingt nach Konsequenz, ist aber in Wahrheit ein Freifahrtschein. Die Botschaft lautet: Einmal ist keinmal. Wer den Hitlergruß zeigt, muss nicht fürchten, dass sein Verein sofort spürbare Folgen trägt. Die Strafe trifft niemanden wirklich.

Ich beobachte seit Jahren, wie der europäische Fußball mit Diskriminierung umgeht. Es gibt Fortschritte, keine Frage. Aber diese Entscheidung zeigt, dass zwischen Rhetorik und Realität eine Kluft klafft. Die UEFA predigt Nulltoleranz und praktiziert Nachsicht. Sie verlangt von Spielern, sich gegen Rassismus zu positionieren, und bestraft Vereine für Nazi-Gesten mit Beträgen, die ein durchschnittlicher Erstligaprofi in wenigen Stunden verdient.

Geldstrafen in dieser Größenordnung sind für Klubs mit Hunderten Millionen Euro Umsatz keine Sanktion, sondern eine Verwaltungsgebühr. Sie erzeugen keinen Druck, keine Verhaltensänderung, keine Abschreckung. Wer es ernst meint mit dem Kampf gegen Diskriminierung, muss bereit sein, sportliche Konsequenzen zu ziehen – auch wenn das unbequem ist, auch wenn es Einnahmen kostet.