21 Jahre Haft! Aber Liverpool-Urteil zeigt: Gegen den Wutanfall eines Verrückten gibt es keine Sicherheit

Ein Mann wurde verurteilt, nachdem er in eine Menschenmenge bei der Liverpool-Meisterfeier raste.

21 Jahre Haft! Aber Liverpool-Urteil zeigt: Gegen den Wutanfall eines Verrückten gibt es keine Sicherheit
Foto: Imago / Will Palmer/Sports Press Photo

Die Bilder von jenem 26. Mai werden vielen Liverpool-Fans für immer im Gedächtnis bleiben. Nicht wegen der Meisterfeier, nicht wegen der Trophäe, nicht wegen der ausgelassenen Stimmung in den Straßen der Stadt. Sondern wegen eines Mannes, der sein Auto als Waffe benutzte und in eine feiernde Menschenmenge raste. 134 Verletzte, darunter Säuglinge und Kinder. 50 Menschen mussten im Krankenhaus behandelt werden. Dass niemand starb, grenzt an ein Wunder. 21 Jahre und sechs Monate Haft lautet das Urteil. Der Richter fand deutliche Worte: Der 54-Jährige habe die Beherrschung in einem Anfall von Wut verloren und sich entschlossen, um jeden Preis einen Weg durch die Menge zu bahnen. Das Gericht habe Entsetzen und Verwüstung in einem Ausmaß erlebt, dem es bisher nicht begegnet sei. Diese Einordnung wiegt schwer, denn sie kommt von einem Strafgericht, das viel gesehen hat. Der Mann bekannte sich in allen Anklagepunkten schuldig: vorsätzliche schwere Körperverletzung, vorsätzliche Körperverletzung, Landfriedensbruch, gefährliches Fahren. Die Liste liest sich wie ein Katalog des Schreckens. Und doch wurde der Vorfall nicht als Terrorakt eingestuft. Die Polizei stellte das schnell klar. Es war keine politische Motivation, kein ideologischer Hintergrund. Es war ein Wutanfall, der in Gewalt mündete.

Dünne Grenze zwischen Normalität und Katastrophe

Diese Unterscheidung ist wichtig, aber sie macht die Tat nicht weniger verstörend. Im Gegenteil: Sie zeigt, wie dünn die Grenze zwischen Normalität und Katastrophe sein kann. Menschen feierten friedlich die 20. Meisterschaft ihres Vereins. Straßen waren für den normalen Verkehr gesperrt. Alles schien unter Kontrolle. Und dann reichte ein einzelner Mensch, ein einzelnes Auto, ein einzelner Moment des Kontrollverlusts, um aus einem Freudenfest einen Albtraum zu machen. Der Fußball muss sich fragen lassen, wie sicher Großveranstaltungen wirklich sind. Nicht vor organisiertem Terror, sondern vor dem Unberechenbaren. Vor dem Einzelnen, der ausrastet. Die Antwort darauf ist unbequem: Es gibt keine absolute Sicherheit. Aber es gibt Verantwortung. Die Verantwortung, Sicherheitskonzepte ständig zu überprüfen. Die Verantwortung, aus solchen Vorfällen zu lernen. Das Urteil von Liverpool ist ein Signal. Es zeigt, dass die Justiz solche Taten mit aller Härte ahndet. Aber es kann die Narben nicht heilen, die dieser Tag hinterlassen hat. Bei den Opfern nicht, bei den Augenzeugen nicht, bei einer Stadt nicht, die eigentlich nur feiern wollte.