Wer kann mir diesen 1. FC Köln erklären?
Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel über den Krach bei einem Aufsteiger, der eigentlich glücklich sein müsste. Ausgerechnet jetzt warten die Bayern
Mit viel Vorfreude erwarte ich ein großes Gemetzel in Köln. Viele Tore sind nämlich beim Rekordmeister, der heute dort antritt, garantiert, das ist bekannt. Alles unter vier Einschlägen im Tor von Marvin Schwäbe wäre aber diesmal nicht nur für neutrale und Bayern-Fans eine herbe Enttäuschung – nein, das gilt diesmal kurioserweise sogar für die Fans des gastgebenden 1. FC Köln, die ihren Trainer loswerden wollen.
Das Lustige an der Paarung FC Zoff gegen die 63-Tore-Bayern ist, dass Köln gerade gefühlt auf dem Zahnfleisch daherkommt. Was ziemlich verblüffend ist, denn eigentlich stimmt es gar nicht, was noch verblüffender ist. Das klingt alles ziemlich verrückt, ich weiß, ist aber typisch Eff-Zeh.
Beim Aufsteiger herrscht zurzeit chronische Unzufriedenheit. Ich empfehle deshalb, nicht gleich auf die nackten Zahlen zu schauen. Das könnte einen anderen Eindruck vermitteln, die Kölner sind nämlich im Grunde super unterwegs. Nach dem Abstieg 2024 sind sie im Sommer 2025 sofort wieder aufgestiegen – es gibt Traditionsvereine, die brauchen dafür siebenmal länger –, und stehen in der ersten Liga aktuell auf Platz elf und haben 17 Punkte eingesammelt.
Trotzdem ist alles - sorry - scheiße, und zwar nicht unbedingt, weil der FC seit sieben Spielen nicht mehr gewonnen hat.

Wenn ich das richtig verstehe, finden viele FC-Fans, dass Trainer Lukas Kwasniok die Mannschaft nicht angemessen führt (zum Beispiel Alkohol verbietet), außerdem das 19 Jahre alte Supertalent Said El Mala nicht oft genug (nämlich immer) spielen lässt, und sie finden es schlecht, dass Köln nicht auf Platz drei oder so steht. Okay, Letzteres ist nur eine ungestützte Theorie von mir.
Jedenfalls erreichte die Angelegenheit am Samstag beim 2:2 in Heidenheim einen Tiefpunkt, als FC-Ultras ein Plakat mit der Aufschrift "Kwasni Yok" an den Zaun zum Spielfeld hängten, ein Plakat also, das sich gegen einen Coach richtete, der erst seit einem halben Jahr im Amt und sportlich gar nicht mal so erfolglos ist. Verrückt.
"Kwasni Yok" ist übrigens, vereinfacht gesagt, die türkisch-kölsche Version des bayrischen "Koan Neuer".
Ein Aufsteiger, bei dem Missmut herrscht, weil er "nur" fünf Punkte von einem direkten Abstiegsplatz entfernt ist? Mich erinnert das an einen Freund, der einst in seinem klapprigen Ford Taunus an einer Ampel neben einem Porsche 911 Turbo zum Stehen kam und rüber rief: "Hast ja nicht mal 'ne Anhängerkupplung."
Zufriedenheit war halt nie die Sache des FC, man will immer hoch hinaus, da stören Unentschieden in Heidenheim nur. Steht zu befürchten, dass dieser Hochmut heute auf eine harte Probe gestellt wird: Die Bayern sind in Topform, sie treffen diese Saison im Schnitt 3,9-mal pro Spiel. Armer Lukas Kwasniok.
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