Uli Hoeneß predigt Sparsamkeit – doch der FC Bayern hat die Grenzen selbst ignoriert
Nach Jahren teurer Transfers spricht der Klub von Vernunft. Doch die eigentliche Frage bleibt: Kann München seinen Dominanzanspruch aufgeben?
Uli Hoeneß spricht von Bremsen, von Reserven, von Vernunft. Der FC Bayern werde auf dem Transfermarkt nicht die großen Töne spucken, sagt er. Das Festgeldkonto schrumpfe, deshalb habe man die Reißleine gezogen. Ich höre diese Worte und frage mich: Ist das jetzt Demut oder Inszenierung? Meine Beobachtung der vergangenen Jahre erzählt eine andere Geschichte. Harry Kane für 95 Millionen Euro. Michael Olise für 53 Millionen. Joao Palinha für 51 Millionen. Min-Jae Kim ebenfalls für 51 Millionen. Und dann noch Luis Díaz für 70 Millionen. Das sind keine Einkäufe eines Vereins, der sich Sorgen um seine Liquidität macht. Das sind Investitionen eines Klubs, der glaubte, mit Geld jeden Wettbewerbsnachteil ausgleichen zu können. Jetzt also die Kehrtwende.
Hoeneß betont, dass Transfers nicht zur Verschuldung führen dürfen. Kein Pardon, sagt er. Der Kader soll verkleinert werden. Das klingt nach einem Verein, der seine Lektion gelernt hat. Doch ich sehe darin vor allem eines: die späte Erkenntnis, dass selbst der FC Bayern nicht immun ist gegen die Gesetze der Ökonomie. Die Sport Bild berichtet von einem möglichen erstmaligen Minus im Geschäftsjahr. Ob das tatsächlich eintritt, bleibt abzuwarten. Hoeneß selbst räumt ein, dass man erst mit Ablauf des Geschäftsjahres Klarheit haben werde. Aber allein die Tatsache, dass diese Möglichkeit im Raum steht, markiert eine Zäsur.
Der FC Bayern, dieser Hort der finanziellen Solidität, dieser Leuchtturm deutscher Vereinsführung, muss plötzlich über Defizite sprechen. Natürlich verweist Hoeneß auf die Champions-League-Einnahmen, auf die sieben Siege, auf die 14 Millionen Euro, die man nicht eingeplant hatte. Das ist typisch für ihn: Probleme benennen und gleichzeitig relativieren. Doch diese Rechnung geht nur auf, wenn der sportliche Erfolg anhält. Was passiert, wenn die Bayern in der Königsklasse früh scheitern? Wenn die Bundesliga-Meisterschaft wieder nach Dortmund oder anderswohin wandert? Die Wahrheit ist: Der FC Bayern hat jahrelang so gewirtschaftet, als gäbe es keine Grenzen.
Die Transfersummen stiegen, die Gehälter explodierten, das Festgeldkonto wurde zum Mythos vergangener Tage. Jetzt steht Hoeneß da und predigt Bescheidenheit. Ich nehme ihm das ab, weil ihm keine andere Wahl bleibt. Die eigentliche Frage lautet nicht, ob der FC Bayern sparsamer wird. Die Frage ist, ob dieser Verein bereit ist, seinen Anspruch auf Dominanz zu überdenken, wenn das Geld nicht mehr reicht, um jeden Konkurrenten zu überbieten. Wer Titel will, muss investieren. Wer nicht investieren kann, muss akzeptieren, dass andere vorbeiziehen. Diese Entscheidung steht in München noch aus.