Manuel Neuer zeigt, was echte Führung bedeutet: loslassen statt klammern
Bayern-Sportdirektor Freund sieht die Zusammenarbeit von Neuer und Urbig als ideal.
Manuel Neuer macht gerade etwas, das im modernen Fußball selten geworden ist: Der Weltmeister von 2014 bereitet seinen eigenen Abgang beim FC Bayern München vor, ohne dabei verbittert oder kleinlich zu wirken. Das verdient Respekt.
Christoph Freund findet dafür die richtigen Worte. Der Sportdirektor des FC Bayern schwärmt von Neuer als Lehrmeister für Jonas Urbig, nennt die Konstellation eine "perfekte Situation". Das klingt nach PR-Sprech, ist aber mehr als das. Denn was Freund beschreibt, ist im Profifußball die absolute Ausnahme: Ein Welttorhüter, der seinem designierten Nachfolger nicht nur Spielzeit gewährt, sondern ihn aktiv fördert, mit ihm redet, ihn begleitet.
Die meisten Torhüter in Neuers Position würden anders reagieren. Sie würden jeden Einsatz des Konkurrenten als persönliche Kränkung empfinden, würden mauern, würden die Hierarchie verteidigen. Neuer tut das Gegenteil. Er sitzt mit Urbig zusammen, tauscht sich aus, gibt weiter, was er in fast zwei Jahrzehnten Weltklasse-Niveau gelernt hat. Das ist keine Selbstverständlichkeit. Das ist Größe.
Für Urbig ist diese Situation Gold wert. Der 22-Jährige, vor rund einem Jahr vom 1. FC Köln nach München gewechselt, hat sich mit starken Leistungen bereits als ernsthafter Nachfolger empfohlen. Dass er nun von Neuer persönlich geformt wird, verschafft ihm einen Entwicklungsvorsprung, den kein Torwarttrainer der Welt ersetzen könnte. Neuer hat Dinge erlebt und gemeistert, die in keinem Lehrbuch stehen.
Die Frage nach Neuers Zukunft bleibt offen
Der 39-jährige Manuel Neuer hat eine mögliche Vertragsverlängerung an seine Gesundheit geknüpft. Nach seinem Muskelfaserriss soll er pünktlich zum Pflichtspielauftakt gegen Wolfsburg zurückkehren. Ob sein Körper eine weitere Saison auf höchstem Niveau mitmacht, wird sich zeigen. Freund verspricht keinen Druck, keine Deadline, nur offenen Austausch. Eine Entscheidung sei frühestens im März zu erwarten.
Das ist der richtige Umgang mit einer Legende. Neuer hat sich diesen Respekt verdient. Er hat dem FC Bayern Titel gebracht, die ohne ihn undenkbar gewesen wären. Dass er nun in der Endphase seiner Karriere nicht klammert, sondern loslässt, macht ihn nicht kleiner. Es zeigt vielmehr, dass er verstanden hat, was echte Führung bedeutet: nicht nur auf dem Platz zu glänzen, sondern auch daneben Verantwortung zu übernehmen.
Jonas Urbig kann sich glücklich schätzen. Einen besseren Lehrmeister gibt es tatsächlich nicht.