HSV auf Europapokal-Kurs: Wach' ich - oder träum ich?

Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel über die beeindruckende Saison des Aufsteigers

HSV auf Europapokal-Kurs: Wach' ich - oder träum ich?
Foto: Imago / Lobeca

Heute spiele ich mal den HSV-Fan.

Träumen ist angesagt, und das tut der HSV-Fan schon immer besonders gern. Doch allzu lange träumte er aus ständig aktuellem Anlass eher von der Vergangenheit: den großen Siegen in den 80er-Jahren. Ein bisschen Träumen ist jetzt aber wieder erlaubt, denn der HSV hat sich zwar nach dem Aufstieg den Klassenerhalt als Saisonziel gesetzt, aber man darf ja auch mal übers Ziel hinausschießen.

Es riecht nämlich ein bisschen nach Europacup. In den vergangenen zehn Jahren lag nach 22 Spieltagen kein Aufsteiger besser als der HSV, und nach ihrem 1887. Bundesligaspiel am Samstag, dem 3:2 gegen Union Berlin, stehen die Rothosen auf Platz neun.

1887, wer weiß es nicht, wurde der HSV gegründet. (Also der SC Germania - einer der drei Vereine, aus dem der Hamburger SV später hevorging.)

Der HSV 2026 gefällt mir, wie schon lange kein HSV mehr. Ich meine natürlich allein den fußballspielenden HSV, nicht das Chaos drumherum. Unbeeindruckt von Profi-Alkoholfahrten und sonstigen Führungswechseln spielt der Dino nach sieben Jahren Leere nicht nur attraktiven Fußball. Er hat außerdem eine ziemlich sehenswerte Mannschaft zu bieten.

Die Eckpunkte: Der 18jährige Luka Vuskovic hinten, Fabio Vieira in der Mitte. Wenn Stürmer Ransford Königsdörffer weiter trifft wie bisher (dreimal in zwei Spielen jetzt), und weil Keeper Heuer Fernandes laut Kicker-Noten der beste Schlussmann der Liga ist, könnte sich daraus sogar eine echte Achse entwickeln.

Deshalb weiter mit dem Programmpunkt Träumen: Wenn die Bundesliga am Saisonende tatsächlich per Uefa-Saisonkoeffizient einen fünften Champions-League-Platz bekommen sollte (was nicht unrealistisch ist) und der HSV das Nachholheimspiel gegen Leverkusen gewinnt, sind die Rothosen aktuell nur drei Punkte von Platz sieben, Frankfurt und dem Europacup entfernt ... hielte das an, es wäre die erste Teilnahme seit 16 Jahren. 2010 schied der HSV im Europa-League-Halbfinale gegen Fulham aus.


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Platz sieben würde aber auch reichen, sollte ein für die Champions League qualifizierter Klub den DFB-Pokal gewinnen – was nicht unrealistisch ist, denn der Liga-Erste, -Vierte und -Fünfte stehen im Halbfinale. Passiert gar beides, würde die Europapokallinie noch eins weiter runterrutschen - dann wäre also der Liga-Achte für die Uefa Conference League qualifiziert.

Auf Platz acht steht derzeit der SC Freiburg – bei HSV-Nachholsieg gegen Leverkusen (am 4. März) nur zwei Punkte vor den Rothosen.

Ich kann mir denken, dass dieses Thema bei Trainer Merlin Polzin Pickel auslösen wird, aber träumen darf man ja, außerdem gibt es Clearasil. Fakt ist: Der HSV hat einen Lauf, ist in der Rückrunde ungeschlagen – die letzten Ergebnisse lauten 2:2 gegen den FC Bayern, 2:0 in Heidenheim, 3:2 gegen Union – und aktuell Siebter der Rückrundentabelle …