Grüß Gott, Grischa!
Fever Pit'ch Autor Christian Prechtl leistet Abbitte bei der VfB-Vereinslegende Cacau und setzt alle Hoffnung auf Prömel
Unsere Vereinslegende „Helmut“ Cacau fand ich eigentlich immer überschätzt. Und zwar sowohl in seiner Rolle als Spieler wie in seiner Funktion als Integrationsbeauftragter beim DFB. Da ging es mir mit ihm genauso wie mit einer weiteren Vereinslegende, nämlich unserem Ehrenpräsidenten und ehemaligen IBM-Frühstücksdirektor „Balanced Airwin“ Staudt, aber dazu ein anderes Mal, denn heute soll’s hier um Cacau gehen.
Wenn Du im Stadion warst, und sie haben den eingewechselt – dann wusstest Du, das Spiel wird jetzt abgeschenkt, ist verloren. Wahrscheinlich ist das jetzt nicht die alleinherrschende Meinung, und ich habe tatsächlich auch jahrelang versucht, bei seiner Beurteilung Milde walten zu lassen (immerhin war er Nationalspieler) – aber vergebens. Das Gefühl der Resignation bei jeder Einwechslung hab ich nie loswerden können. Zumal er, wie manch anderer Brasilianer, mit seinem ständigen Jesusgetue genervt hat.
Ab sofort #teamhelmut
Jetzt hab ich aber durch reinen Zufall bei Instagram ein Filmchen von ihm in den Feed gespült bekommen, das mich veranlasst, hier und heute in aller Form Abbitte zu leisten. Mich zu entschuldigen beim Helmut. Nicht dass ihn das auch nur im Geringsten interessieren würde – aber ich mach es nichtsdestotrotz. Denn in diesem Filmchen, datiert vom 8. Januar dieses Jahres, da berichtet er davon, auf seinem Morgenlauf insgesamt zehn ihm begegnende andere Läufer oder Spaziergänger gegrüßt zu haben – und nur zwei haben zurückgegrüßt. Nur zwei! Von zehn! Als einer, der selbst andere Personen beim Wandern oder Spazieren grüßt, also jetzt nicht grad in innerstädtischen Fußgängerzonen, sondern im Wald, in den Bergen, eben da, wo einem nur ganz gelegentlich Leute begegnen – als so einer fühl' ich den Helmut da komplett, bin ab sofort absolut und volles Rohr #teamhelmut. Denn hey, was für ein Mensch ist, wer nicht zurückgrüßt. Gibt’s noch tiefere Schubladen?
Anders als der wahrscheinlich aufgrund seines tief verwurzelten Glaubens diesen untersten Kategorien der Mitmenschen nichts als Liebe hinterherschickende Cacau bedenke ich derartige Subjekte mit größtmöglichen Mengen Hasses. Natürlich nicht laut geäußert, natürlich keine körperlichen Züchtigungen vollstreckend, sondern leise hinterherhassend. Vielleicht für mich selbst leise übelste Beleidigungen aussprechen, sowas in der Art. Und es soll mir jetzt bloß keiner kommen mit, das sei aber echt total deutsch, dieses dämliche Grüßen. Denn grad komm ich aus Argentinien zurück, einem Land, dessen Bewohner allesamt quasi wilde Tiere sind und wo der einzige Zweck einer jeden Regel ist, diese Regel zu brechen. Und ebenda, in diesem gewaltigen und wilden Land, da grüßen sich die Leute, wenn sie sich auf staubigen Pfaden in den Kordilleren begegnen. Ist das nicht toll, frage ich?!
Also, lieber Cacau, lieber Helmut: Bitte nimm meine Entschuldigung an. Und count me in. Und bitte grüß weiter, das ist eine in allerhöchstem Maße angenehme Eigenschaft. Zumal die Menschen hierzulande überwiegend derart unfreundlich und leider häufig auch ausnehmend hässlich sind, dass jedes auch noch so kleine Bisschen Freundlichkeit gar nicht hoch genug geschätzt werden kann, Stichwort Sozialkapital i.S.v. Tipp Nummer 85 aus „Das soziale Kapital der Schweiz“ von Markus Freitag (Hrsg.).
Bitte Prömel holen
Und wo wir schon beim VfB sind: Zuletzt war zu hören, man wolle Grischa Prömel verpflichten. Einen geilen Spieler, den wir schon vor vielen Jahren mit allen Mitteln hätten holen müssen. Der dann aber bei anderen, von unseren Fans ungeliebten Clubs gelandet ist, sich zwischendurch auch mal übelst das Bein gebrochen hat und jetzt, mit 31 Jahren, immer noch ein Typ ist, den wir unbedingt gebrauchen können. Aber in den Fanforen und auf den Fluren vernehme ich leider viel Ablehnung und kleingeistiges Gebashe wider den Prömel. Der sei ein Scheiß-Hoffenheimer bzw. sogar bei Union Berlin gewesen (letzteres zugegebenermaßen kein ganz kleines Argument, bedauerlicherweise haben wir die am Sonntag nicht sauber abgefidelt), und so einen wollen wir hier auf keinen Fall haben. Zu alt sei er auch, menschlich ginge das gar nicht – nicht mal sein Geburtsort Esslingen am Neckar gereicht ihm zu Milde in den Augen unserer alles besserwissenden Super-Fanexperten.
Da sag ich: Her mit Grischa Prömel, freuen wir uns doch bitteschön, wenn wir den bekommen können. Und sagen ihm freundlich Guten Tag, so wie Vereinslegende Helmut das macht. Also quasi: Grüß Gott, Grischa.