Dortmund ist nur noch der Audi A6 des Fußballs

Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel über den traurigen Saisonausklang des BVB

Dortmund ist nur noch der Audi A6 des Fußballs
Foto: Imago / Kirchner-Media

Die Dortmunder haben es tatsächlich geschafft, mir die Vorfreude auf Samstagabend zu vermiesen. Das Spitzenspiel BVB gegen Bayern hat für mich erheblich an Bedeutung verloren. Platz zwei gegen eins! Duell der Königsklassen-Achtelfinalisten! Sollte es werden.

Das Ganze ist nicht mehr interessant, seit der BVB sich am Mittwoch in Bergamo aus der Riege der europäischen Topklubs gestümpert hat. Selbst wenn die Dortmunder gegen die acht Punkte und 37 Tore (!) vorn liegenden München gewinnen sollten, wird man sie anschließend nicht loben, sondern von einem Ausrutscher der Bayern sprechen.

Für mich ist Borussia Dortmund gerade kein Topklub mehr. Sie sind an der letzten Hürde hängengeblieben.

Topklubs entstehen von hinten, aber hinten ist Dortmunds Schwachstelle. Das klingt komisch, wenn man bedenkt, dass in der Bundesliga nur die Bayern weniger Gegentore hinnehmen. Das klingt unkomisch, wenn man auf die Champions League schaut: 17 Treffer kassierte der BVB allein in der Gruppenphase, nur vier von 36 Klubs waren anfälliger. Dann kamen vier Einschläge in einem entscheidenden Spiel dazu – am Ende ist das doch zu viel.

Abwehrspieler wie Emre Can oder Ramy Bensebaini retten sich national mit gelegentlich guten Leistungen, sind aber von Konstanz weiter entfernt als Flensburg. Ein Schlotterbeck macht noch keinen Sommer.

Das Kreativzentrum um Julian Brandt arbeitet auch nur in Teilzeit. Felix Nmecha wird gelobt, überzeugt mich aber nicht.

Der Motor des Torjägers Serhou Guirassy: Stottert zu oft. Die Verpflichtung von Maximilian Beier: Hat mich bisher nicht vom Hocker gerissen.

Quasi alle BVB-Spieler haben übrigens in der Champions League schwächere Leistungen gezeigt als in der Bundesliga, die Benotungen belegen das. Bei den Bayern ist das nicht so, einige Spieler sind sogar in der Königsklasse besser als am Wochenende. Das macht den Unterschied zwischen gut sein und sehr gut sein.

Liegt das am Trainer? "Rumpelfußball" zeige Dortmund diese Saison, schrieb die Süddeutsche Zeitung gestern. Niko Kovac managt das Ganze seit seiner Verpflichtung vor einem Jahr solide, aber erzkonservativ statt innovativ. Für Bundesliga-Platz zwei genügt das mit diesem Kader. Wem’s reicht …

Mir reicht's nicht. Platz zwei in Deutschland bedeutet lange nicht, dass man ein europäischer Topklub ist. In Europa ist der BVB nur noch gehobene Mittelklasse, eine Art Audi A6 des Fußballs. Der FC Bayern: S-Klasse.


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Das wirklich peinliche Aus in Bergamo (1:4 nach 2:0 im Hinspiel) mit den wirklich peinlichen Begleiterscheinungen (Fan-Zoff, Bosse-Zoff, Anstoßzeit-Durcheinander) bedeutet nun außerdem: Geldmangel. Gestern musste der BVB in einer Ad-hoc-Mitteilung bekanntgeben, dass man im Geschäftsjahr 2025/26 einen Verlust zwischen zwischen zwölf und 22 Millionen Euro erwartet. Das fehlte den Schwarz-Gelben noch: Dass sie Zahlen in der Vereinsfarbe der unerreichbaren Bayern schreiben müssen.

Den Fan juckt das weniger. Den juckt: Die titellose Ära geht 2027 ins sechste Jahr.

In der Champions League ging es seit der Finalteilnahme 2024 stufenweise bergab: 2025 raus im Viertelfinale, 2026 raus schon in der Zwischenrunde. Die Deutsche Meisterschaft haben die Dortmunder seit Jürgen Klopp vor 14 Jahren nicht gewonnen. Sie wurden zwischenzeitlich sogar vom einstigen Vizekusen als Bayernjäger abgelöst. Alles, was seit 2012 auf der Habenseite steht: Der Gewinn des DFB-Pokals 2017 und 2021.

Für einen Fußballjunkie ist DFB-Pokal nur Methadonprogramm.

Die BVB-Fans sind echt nicht zu beneiden. Wäre ich einer, würde ich verzweifeln und in den Urlaub fahren. Die Gegend um Bergamo soll ganz schön sein.