Die acht kuriosesten DFB-Tore vor Musiala

Irre Treffer hat es bei der Nationalmannschaft schon immer gegeben. Udo Muras nennt die acht verrücktesten

Die acht kuriosesten DFB-Tore vor Musiala
imago images/Mary Evans

Das Tor, von dem alle seit Sonntag sprechen, haben die meisten zunächst gar nicht gesehen. Das 2:0 von Jamal Musiala gegen Italien nach einer für den Gegner viel zu schnell ausgeführten Ecke, bei der sich neben Joshua Kimmich ein 15-jähriger Balljunge einen Scorerpunkt verdienten, gehört zu den kuriosesten der DFB-Geschichte.

Hier sind seine acht Vorgänger – fast alle aus Zeiten, da schon Kameras liefen.

14. Januar 1934 Hans im Schuss-Glück

Der Frankfurter Verteidiger Hans Stubb hat an diesem Tag schon eine passable Länderspielkarriere aufzuweisen. 13 Einsätze sind viel für die damalige Zeit. Allzu großen Eindruck hat er allerdings nicht hinterlassen, was oft das Los von Defensivleuten ist. Doch das Beste hat er sich ja für den Schluss aufgehoben. Gegen Ungarn in seiner Heimatstadt sorgt er für einen Aufsehen erregenden Moment deutscher Fußballgeschichte. Da nämlich erzielte er im alten Waldstadion ein Tor, das seinesgleichen sucht unter den 2303, die es bis heute in der Geschichte der Nationalmannschaft gegeben hat – und schon damals ahnt man, dass es „alle Aussichten hat, einmal legendär zu werden“.

Beim Stand von 1:1 gibt es nach 55 Minuten einen Freistoß in der eigenen Hälfte. Hans Stubb legt sich den Ball zum Freistoß hin, Schätzungen schwanken zwischen 55 und 70 Meter Torentfernung. Der Ball fliegt bis in die Mitte des Strafraums, setzt auf nassem Boden auf und springt direkt unter die Latte. Es ist ein Sensationstor, „das Stadion tobt“, und ein ungarischer Funktionär wird hinterher sagen: „Stubbs überraschendes zweites Tor hatte böse Folgen.“ Noch nie ist ein deutsches Länderspieltor aus größerer Entfernung gefallen. Ehrlich gibt Stubb zu: „Ich wollte den Ball zu unseren Stürmern in den Strafraum vorschlagen und habe natürlich nie daran gedacht, ein Tor zu schießen!“

2. April 1958 Hackentrick mit Selbstüberlistung

Im Testspiel vor der WM in Schweden unterliegt die Herberger-Elf dem Gastgeber in Prag mit 2:3. Dabei trifft nur ein Deutscher, Karlsruhes Hans Cieslarczyk, ins Tor. Das andere geht auf das Konto des Tschechen-Verteidigers Jiri Cadek, aber dafür kann er nichts. Sein Torwart Imrich Stacho hat ihm den gerade gefangenen Ball, den er vor dem Abschlag noch mal auftippen will, einfach versehentlich in die Hacke geworfen. Von dort trudelt er ins eigene Tor.

20. Juli 1966 Emmas Schuss gegen die Gesetze der Physik

Bei der WM 1966 trifft Deutschland im letzten Vorrundenspiel auf Spanien und gerät vor der Pause in Rückstand. Doch der unerschrockene WM-Debütant Lothar Emmerich von Europacupsieger Borussia Dortmund schwingt sich zum Retter auf. Mit einem Tor, das nach ihm Tausende Amateur- und Hobbyfußballer vergeblich nachzumachen versuchten. Sein linker Hammer aus sieben Metern fast von der Torauslinie setzt nach Siggi Helds Einwurf auf und landet an Torwart Iribars Kopf vorbei im Winkel.

17. Juni 1970 Uns Uwe per Hinterkopf

Im WM-Viertelfinale 1970 von Leon (Mexiko) steht es gegen England 1:2. Nach einem zu kurzen Befreiungsschlag hebt Karlheinz Schnellinger den Ball vor das Tor. Uwe Seeler erwischt den Ball mit dem Hinterkopf und köpft ihn ins Tor. Auch weil es in der Stunde der Not fiel.

17. Juni 1970 Ein typisches Müller-Tor – und doch einmalig

Im WM-Halbfinale gegen Italien bei 1:1 geht es in die Verlängerung. Gerd Müller trifft mit einem Kullerball hinter der Linie. Ein klassisches Müller-Tor. Italien gewinnt mit 4:3.

29. April 1981 Krauss haut einen raus

Kurz vor dem WM-Qualifikationsspiel gegen Deutschland lässt sich der Verteidiger Bernd Krauss für Österreich einbürgern. In Hamburg gibt er sein Debüt und schießt ins eigene Tor. Kommentar von NDR-Reporter Fritz Klein: „Tja!“

15. Juni 1990 Slapstick auf Arabisch

Das zweite Gruppenspiel bei der WM in Italien ist längst entschieden, nach 75 Minuten steht es 5:1 gegen VAE.   Pierre Littbarskis Ecke findet Rudi Völlers Kopf, der Torwart ist überwunden, aber auf der Linie stehen zwei Araber. Selten so gelacht.

30. Juni 1996 Golden Goal dank Patschehändchen

Im EM-Finale läuft die Verlängerung, als Oliver Bierhoff mit links trifft. Der Torwart patscht den Ball ins eigene Tor. So feiern die Deutschen ihren EM-Titel. Ein Tor, für das man sich fast schämen muss.