Der Traum vom Finale - wie einst die Hertha-Bubis!
Heute Abend empfängt Hertha BSC den SC Freiburg im Viertelfinale des DFB-Pokals. In Berlin träumen sie vom Finale daheim. So wie einst im Jahr 1993, als sich die Hertha-Amateure in vier verschiedenen Outfits ins Finale spielten.
Mit den Amateuren von Hertha BSC steht am 12. Juni 1993 zum ersten und bis heute einzigen Mal eine Amateurmannschaft im Pokalfinale. Begonnen hat die Reise der „kleinen Hertha“ zum Frust der Vereinsverantwortlichen mit einem Freilos. In Berlin hatte man sich schon auf einen attraktiven Gegner gefreut, der etwas Geld in die klamme Vereinskasse spülen sollte. Auch der Gegner in der 2. Hauptrunde löst wenig Freude aus.
Immerhin schlägt die Hertha-Oberligaelf den Landesligisten SGK Heidelberg souverän mit 3:0 und zieht in die dritte Runde ein. Heimstätte der Mannschaft ist das Stadion an der Osloer Straße. Luxus gibt es hier nicht. Der Anfang September 1992 gewählte Vorsitzende der Amateurabteilung, Jörg Thomas, Besitzer einer größeren Tankstelle in Wedding, erweist sich als tüchtiger Vermarkter und holt mit Bandenwerbung 100.000 DM rein, mit denen die Stadioninfrastruktur aufgebessert werden kann.
Zudem erwirbt er aus eigener Tasche neue Trikotsätze und Trainingsbekleidung, spendiert dem Klub zusätzlich 15.000 DM. Thomas ist somit nicht nur Abteilungsleiter, sondern zugleich mit seiner „Tankzentrale Nord“ auch Trikotsponsor.
Der Trikotsponsor stattet die Mannschaft auch mit Trikots aus
In der dritten Runde sowie im Achtelfinale spielen mit dem VfB Leipzig und dem amtierenden Pokalsieger Hannover 96 dann auch endlich die ersten Profiteams vor – und werden von Amateuren mit 4:2 bzw. 4:3 heimgeschickt.
Mit den Erfolgen wächst das Interesse an den frechen Berliner Nachwuchskickern sprunghaft an. Mit Andreas und Oliver Schmidt, Christian Fiedler sowie Carsten Ramelow stehen vier Spieler im Kader, die sich später im Profilager einen Namen machen werden. Der wachsende Zuschauerzuspruch führt zum Umzug ins größere Mommsenstadion. Dort feiert die Kleine Hertha im Viertelfinale ein 2:1 über den 1. FC Nürnberg und steht im Halbfinale.
Erstmals trägt die Mannschaft zudem andere Trikots als in den drei Runden zuvor. Nicht mehr die vom Abteilungsleiter gestifteten Puma-Trikots, sondern welche von Asics. Die Japaner sind gerade selbst erst als Ausrüster in die Bundesliga eingestiegen und nutzen die Gelegenheit, den Hertha-Amateuren neue Trikots zu spendieren. Auch die Trikotsponsoren wechseln jetzt ab dem Viertelfinale in jedem Spiel.
Das Halbfinale gegen den Chemnitzer FC geht vor 56.514 Zuschauern im Olympiastadion über die Bühne. Die Hertha-Amateure erreichen mit einem 2:1 das Finale. Dort verliert die von den Medien mittlerweile „Hertha-Bubis“ getaufte Mannschaft nach starker Gegenwehr durch ein Tor von Ulf Kirsten in der 77. Minute mit 0:1. Mit diesem Ergebnis waren die Hertha-Profis übrigens bereits im Achtelfinale an Leverkusen gescheitert – die Revanche für die Profis durch die Amateure blieb also aus.
Die komplette Trikotgeschichte mit den Fotos von allen im Text genannten Trikots findet ihr in der Stoffkunde vom 27. Oktober 2025. Möchtet ihr in Zukunft keine meiner Trikotgeschichten verpassen, könnt ihr euch hier beim wöchentlichen Newsletter anmelden.