Der Fall Upamecano beim FC Bayern: Wie kann man keinen Heiratsantrag annehmen?

Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel über die etwas peinliche Vertragsverlängerung der Bayern mit ihrem Innenverteidiger

Der Fall Upamecano beim FC Bayern: Wie kann man keinen Heiratsantrag annehmen?
Foto: Imago / Sven Simon

Bayern bietet Vertragsverlängerung, Upamecano will nicht. Das Angebot läuft ab und wird von Bayern widerrufen, Upamecano nimmt es an. Also gut, sagen die Bayern. Upamecanos Berater lachen sich tot und öffnen die Taschen, auf dass viel Geld einfließe, und der Rekordmeister steht da wie ein begossener Pudel - hat sich aber immerhin bis 2030 die Dienste eines der besten Verteidiger der Welt gesichert.

Das ist, kurz zusammengefasst, was man über die Vertragsverhandlungen des Rekordmeisters mit dem 27-jährigen Franzosen Dayot Upamecano in diesem Winter sagen kann. Klingt alles ein bisschen peinlich? Ist es auch.

Wie kann man keinen Heiratsantrag annehmen? Im Fußball geht das.

"Die Bayern sind Beifahrer", lästerte Sky-Experte Didi Hamann. "Die werden von den Beratern am Nasenring durch die Manege geführt."

In diesem Fall haben sich die Münchner sehr freiwillig führen lassen, denn eigentlich hätten sie ja nur "Nein" sagen müssen und damit allen gezeigt: Mit dem großen FCB, Gewinner von acht Europapokalen und 34 Deutschen Meisterschaften, springt man so nicht um. Mia san mia!

Immerhin ging es um ein sehr großzügig klingendes Verlängerungsangebot der Münchner – angeblich 20 Millionen Euro Jahresgehalt, 20 Millionen Euro Handgeld plus Ausstiegsklausel in Höhe von 65 Millionen Euro ab 2027 für den Vizeweltmeister.

Warum aber kam Upamecano ausgerechnet bei so einem wichtigen Thema später um die Ecke als selbst im schlechtesten Zweikampf gegen den Hamburger SV? Weil er davon Wind bekommen hatte, dass Real Madrid und Co. doch nicht zuschnappen? Oder war's ein fremdgesteuertes Muskelspielchen seiner Berater, weil die Uli Hoeneß gerade wüst beschimpft hatte?

Er wisse, hatte der Ehrenpräsident dem "Kicker" gesagt, dass sich Upamecano "und seine Familie in München sehr wohlfühlen. Ich fürchte jedoch, dass seine Berater alles tun werden, um ihn aus München wegzulotsen."

Da waren sie wieder, die teuflischen Wörter des Fußballs: Berater! Weglotsen!

"Weglotsen" steht im Beraterfußballdeutsch-Wörterbuch direkt neben dem Eintrag "Einen riesigen Haufen Geld verdienen". Denn in diesem Sport werden Provisionen bezahlt, die es mit jedem Lottogewinn aufnehmen können. In der NFL zum Beispiel ist das Beraterhonorar auf drei Prozent gedeckelt.

Nun gibt es natürlich im Fußball einige Berater, die trotz des vielen verlockenden Geldes die Fassung nicht verlieren und seriös arbeiten. Und klar, das muss angemerkt werden: Dieser Text könnte Bestandteile von Ungerechtigkeit enthalten, weil niemand so genau wissen kann, was sich bei dem Deal im Hintergrund so alles abgespielt hat.

Es ist nur auffällig, dass manche Namen öfter auftauchen als andere, wenn wieder was schiefgelaufen ist. Der des legendären Roger Wittmann zum Beispiel, der mit seiner Agentur Rogon schon ganze Vereine und natürlich auch Uli Hoeneß gegen sich aufgebracht hat.

Und im Fall Upamecano ist es ähnlich. Ich zitiere mal die Kollegen von "Bild" gestern:

"(Upamecano-)Berater Moussa Sissoko war auch am wohl größten deutschen Transfer-Theater der letzten Jahre beteiligt: Als Dembélé 2017 nach überragender Saison beim BVB unbedingt zum FC Barcelona wechseln will, streikt der Flügelflitzer plötzlich, erscheint nicht mehr zum Training. Dortmund suspendiert ihn, nach langem hin und her wechselt Dembélé tatsächlich für inklusive Boni bis zu 140 Millionen Ablöse."

Meinen Glauben an das Gute im Fußball zementieren solche Details jedenfalls nicht. Andererseits: Wo außer im Fußball kann man sich noch so schön und doch ohne selbst Schaden befürchten zu müssen aufregen?


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