Blanker Hass! Eskalation auf Schalke
Ultra-Fans wollen nicht, dass Ex-Boss Clemens Tönnies in den Aufsichtsrat rückt und protestieren im Stadion. Vereinslegenden schossen zurück. Nun sah sich Schalke 04 zu einer Stellungnahme gezwungen
Als das Deutsche Fußballmuseum kürzlich Olaf Thon zu Gast hatte, war der Veranstaltungsraum gefüllt mit Schalke-Fans, viele waren im königsblauen Trikot gekommen. Man spürte in jeder Sekunde: Diese Leute lieben Schalke mit Haut und Haaren, zweimal stimmten sie sogar Gesänge an. Das sind Fans!
Ob dagegen die Schalker Ultras in der Nordkurve ihren Verein wirklich so lieben, wie sie immer behaupten, darf man bezweifeln. In der Vergangenheit haben sie formschwache Spieler gejagt oder mit Pyrotechnik Geldstrafen für ihren klammen Klub provoziert. Samstag zündeten sie die nächste Eskalationsstufe.

Auslöser war der Plan, dass der ehemalige Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies, jahrelang Sponsor beim FC Schalke, ins Ehrenpräsidium berufen werden soll. Daraufhin zückten die Ultras beim Dresden-Spiel Protestplakate: Tönnies wurde als "Schweinepriester", "Rassist" und "Ekelschwein" bezeichnet.
Inzwischen schossen Vereinslegenden und Weggefährten gegen die Ultras zurück, darunter Huub Stevens und Peter Neururer, und veröffentlichten einen Offenen Brief an die sogenannten Fans. Darin heißt es unter anderem:
„Wir sind der Überzeugung, dass es eigentlich jedem echten Schalker peinlich sein muss, wie das Bild und Image unseres Vereins dadurch in Mitleidenschaft gezogen worden ist.“
„Durch die ekelhaften Beleidigungen (…) ist jedes noch soeben erträgliche Niveau unterschritten worden, die Beleidigungen erfüllen sicher die Voraussetzungen der Strafbarkeit.“
Das alles geschieht vor dem Hintergrund, dass Schalke 04 in der 2. Liga ein Formtief erlebt und um die Rückkehr in die Bundesliga zittert. Darmstadt 98 zog am Wochenende vorbei und drückte die Königsblauen auf Platz zwei. Paderborn, Elversberg und sogar Hannover 96 rücken immer dichter heran.
Man fragt sich: Haben die Schalker Ultras keine anderen Sorgen als ihre Wut auf einen 69 Jahre alten Ex-Amtsträger, der sicherlich nicht alles richtig gemacht hat, aber doch so viel, dass S04 schwere Zeiten überstehen konnte? Zu den Tönnies-Unterstützern, die sich gegen die Ultras stellen, gehören auch Geldgeber.

Die Vereinsführung war sofort bemüht, die Wogen zu glätten. Laut WAZ riefen Vorstand und Aufsichtsrat in einer eindeutig formulierten Stellungnahme zu Besonnenheit auf - in beide Richtungen:
„Weder Plakate, die Einzelpersonen beleidigen, noch Briefe, die innerhalb kürzester Zeit bewusst an Medien gegeben werden, helfen Schalke dabei, seine Ziele zu erreichen.“
So einen Streit, man kann es nicht anders sagen, braucht kein Verein, der seine Zukunft gestalten will. In genannter Stellungnahme rühmt sich Schalke 04 als "eingetragener Verein", der "für Meinungsfreiheit und gelebte Diskussionskultur" stehe. Mag sein. Aber Diffamierungen gehören nichts zur Meinungsvielfalt.

