Heute Arsenal gegen Bayern: Denn sie wissen nicht, wie man verliert

Der unbesiegte deutsche Tabellenführer spielt bei den Gunners, die seit August ungeschlagen sind: Besser wird's nicht mehr, findet Fever Pit'ch-Kolumnist Alex Steudel

Heute Arsenal gegen Bayern: Denn sie wissen nicht, wie man verliert
Fotomontage: IMAGO/Sven Simon

Ich weiß, es ist nur zähe Statistik und doch ausnahmsweise ein paar Erwähnungen wert. Schließlich findet heute in London das Traumduell des Weltfußballs statt: Arsenal FC gegen FC Bayern. Ein Aufmarsch der Topstars in Topform, die Zahlen belegen es.

Olise, Kane, Neuer, Upamecano, Kimmich gegen Saka, Rice, Zubimendi, Hincapié & Co. – das klingt nach Jahreshauptversammlung von Fort Knox. Spieler im Wert von 2,2 Milliarden Euro messen sich im Emirates Stadium, diese Summe liegt nur knapp unter dem Bruttosozialprodukt von Kap Verde. Und ich meine nicht den Fußballverband des WM-Teilnehmers, sondern das ganze Land.

Bayern ist Tabellenführer der Champions League und der Bundesliga, Arsenal steht in der Königsklasse punktgleich hinter den Münchnern, denn beide haben alle vier Spiele gewonnen. Die Gunners sind dabei sogar ohne Gegentor geblieben. Mit 11:0.

In der Bundesliga führen Neuer & Co. mit sechs Punkten Abstand, das ist derselbe Puffer, den in England Spitzenreiter Arsenal hat, das seit dem 0:1 gegen Liverpool am 31. August 15-mal ungeschlagen geblieben ist. Der deutsche Rekordmeister wiederum trägt in dieser Saison eine ganz blütenreine Weste: 18 Pflichtspiele, 17 Siege, ein Remis.

Denn sie wissen nicht, wie man verliert.

Mit dem legendären Filmtitel war es das dann aber auch schon parallelentechnisch. Im Hollywoodklassiker ringt nämlich James Dean um Liebe und Anerkennung, daran mangelt's im Fußballklassiker beiden Teilnehmern nicht.

Die Engländer – zuletzt 2004 englischer Meister, 2020 Pokalsieger, aber noch nie Champions-League-Gewinner – haben seit dem liebeserklärenden Arsenal-Roman "Fever Pitch" von Nick Hornby kontinentübergreifend Kultcharakter. (Nützes Wissen: Es gibt sogar einen Fußball-Newsletter, der so ähnlich heißt wie das 1992 erschienene Buch.)

Und die Bayern werden zwar spektakulär gehasst, aber eben auch unfassbar geliebt: Über 430.000 Mitglieder haben sie und weltweit laut einer SAP-Studie aus 2023 mehr als 63 Millionen Fans. Kein Wunder bei sechs Triumphen in der Königsklasse.

Die Generalproben funktionierten jedenfalls gut: Arsenal (Trainer ist Pep Guardiolas Ex-Assi Mikel Arteta) schoss am Sonntag Tottenham mit 4:1 ab, und Bayern (Trainer ist Pep Guardiolas Ex-Spieler Vincent Kompany) gewann gegen den SC Freiburg 6:2 nach einem majestätsbeleidigenden 0:2-Zwischenstand.

Harry Kane, der als Kind bei Arsenal kickte und tatsächlich als Achtjähriger fortgeschickt wurde, traf gegen die Badener einmal – aber das könnte sich heute zu seinen Gunsten ändern, denn die Gunners sind der Lieblingsgegner des Kapitäns von England: 15 Tore schoss er gegen sie in 21 Spielen. Dort ärgern sich immer noch, dass sie ihn einst weggeschickt haben; es hat was von Sechser mit Superzahl im Lotto, aber Spielschein abgeben vergessen.

Es ist wirklich schwer, eine Voraussage für das heutige Spiel zu treffen, und es wäre deshalb naheliegend, auf Remis zu tippen. Irgendwie glaube ich aber nicht daran, denn keine der beiden Mannschaften kann das so richtig, unentschieden spielen. Außerdem: Habt ihr mal einen Superheldenfilm gesehen, der 1:1 ausgeht?

Mein Tipp: Einfach freuen, dass das Duell stattfindet. Ich vermute, dass es großartig wird.

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