Alle Neune! Kompany und die Meistertrainer im ersten Bundesligajahr

Vincent Kompany wäre erst der neunte Trainer, der sofort bei seinem Debüt die Deutsche Meisterschaft gewann. Sowas gelang bei nur drei Vereinen

Alle Neune! Kompany und die Meistertrainer im ersten Bundesligajahr
IMAGO/Sven Simon

Das Erstaunen war groß, als die Bayern im Sommer 2024 ihren neuen Trainer präsentierten. Nach einem halben Dutzend Absagen fanden sie in England Vincent Kompany. Vincent wer? Experten kannten ihn als Spieler, der beim Hamburger SV und bei Manchester City gekickt hatte. Aber als Trainer war Kompany ein unbeschriebenes Blatt. Man wusste vielleicht noch, dass er gerade mit dem FC Burnley auf- und wieder abgestiegen war.

Nun steht Vincent Kompany vor seiner ersten Deutschen Meisterschaft. Schon am Samstag kann es so weit sein. In ihrer allerersten Bundesliga-Saison schafften das nur wenige Trainer. Hier sind die besten Novizen, die sofort im Debüt-Jahr die Meisterschale holten - und das gelang bei nur drei Vereinen.

Branko Zebec (FC Bayern)

Er war erst 39 und kam aus Jugoslawien, Experten kannten ihn als WM-Spieler seines Landes 1954 – als er im Viertelfinale gegen Deutschland auf dem Platz stand, an der Seite von Bayerns erstem Bundesligatrainer Tschik Cajkovski. Der gemütliche Tschik ging 1968 und übergab an den gestrengen Zebec. „Als er kam, war unsere Jugend vorbei“, sagte Franz Beckenbauer. Endloses Rundenlaufen und Torwarttraining auf einem Parkplatz gehörten zu den Spezialitäten des Taktikfuchses, aber der Erfolg gab ihm Recht. Die Bayern eilten von Sieg zu Sieg, wurden schon am 32. Spieltag Meister und hatten kaum Verletzte. So stellten sie in der ersten von nur zwei Zebec-Saisons einen unglaublichen Bundesligarekord auf – sie setzten nur 13 Spieler ein, obwohl Wechsel längst erlaubt waren. Nach Dissonanzen mit Manager Robert Schwan kündigte Zebec im zweiten Jahr seinen Vertrag zum Saisonende und flog schon im März 1970 raus – es kam ein gewisser Udo Lattek.

Pal Csernai (FC Bayern)

Er war eigentlich nur der Co-Trainer des ungeliebten Gyula Lorant, den die Bayern im Dezember 1978 beurlaubten. In der Rückrunde führte der damals 47jährige Ungar sie noch auf Platz 4 in den Uefa-Cup und in seiner ersten kompletten Spielzeit 1979/80 führte das auf Raumdeckung ausgerichtete „Pal-System“, das von den Leitfiguren Paul Breitner und Karl-Heinz Rummenigge geprägt wurde, zur ersten Meisterschaft nach sechsjährigem Darben. Der Mann mit dem Seidentuch galt zwar als eigenbrötlerisch, arrangierte sich aber mit den Leitwölfen. Sein Credo: „Ein Team wie die Bayern kann man heutzutage nicht mehr nach dem Prinzip Befehl und gehorsam führen.“ So durfte er noch drei Jahre bleiben.

Franz Beckenbauer (FC Bayern)

Natürlich, er war der Kaiser und stand im Ruf alles zu können. Aber als er am Drei-Königs-Tag 1994 seinen Freund Erich Ribbeck ablöste, weil der FC Bayern vor der nächsten titellosen Saison stand, da gab es durchaus Skepsis rundum die Säbener Straße. Beckenbauer war ja nicht mal ein geprüfter Trainer und seufzte: „Es ist mir selbst ein vollkommenes Rätsel, warum ich mir diesen Job antue!“. Er hatte allerdings als DFB-Teamchef ohne Lizenz die härtesten Feuerproben bestanden und zwei WM-Finals erreicht, von denen er das letzte 1990 gewann und sich einen glänzenden Abschied verschaffte. Dreieinhalb Jahre nach dem Triumph von Rom saß er nun wieder auf der Bank, wobei er doch meistens stand während der Spiele seiner Bayern, und rüttelte das Starensemble um Lothar Matthäus auf. Zwar startete er mit einem 1:3 gegen den VfB Stuttgart und fiel auf Platz fünf zurück, aber am Ende ging die Schale doch nach München und der Kaiser trat den Ball in ein Loch.