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# Wirtz antwortet so, wie man nur mit dem Fuß antworten kann
- URL: https://www.feverpitch.de/wirtz-antwortet-so-wie-man-nur-mit-dem-fuss-antworten-kann/
- Published: 2026-10-22T04:50:00.000Z
- Updated: 2026-10-22T04:49:59.000Z
- Description: Ein halbes Jahr ohne Treffer, dann das 4:2 von der Bank gegen Villarreal in der Champions League. Der eine Schuss sagt über Florian Wirtz mehr als jedes Interview.
- Author: Redaktion
- Tags: #kommentar2

Der Abend begann für Florian Wirtz an einem denkbar schlechten Ort: auf der Bank. Nicht als Strafe, sondern offenbar der Belastungssteuerung wegen musste er dort zusehen, wie der FC Liverpool in der Champions League gegen den FC Villarreal einer Niederlage entgegenwankte. Zur Halbzeit hatte Liverpool den 0:2-Rückstand bereits auf 2:2 ausgeglichen. Und dann, nach der Einwechslung zu Beginn der zweiten Halbzeit, stand da plötzlich ein Spieler, über den sie zuletzt eher gestritten als gestaunt hatten.

68\. Minute, viel Platz im Strafraum, ein platzierter Linksschuss ins rechte untere Eck zum 4:2\. Es war Florian Wirtz' erstes Pflichtspieltor für Liverpool seit Ende April, als er in der Liga gegen Crystal Palace getroffen hatte. Ein halbes Jahr lag dazwischen. Dieser eine Schuss am Dienstagabend ist die beste Antwort, die der 23-Jährige seinen Kritikern geben konnte – weil sie keine Worte braucht.

Man muss das in Erinnerung rufen, was über ihm hing. Jamie Carragher, Ex-Liverpool-Profi, hatte im Podcast gesagt: „Ich habe selbst gesagt, dass er meiner Meinung nach nicht in die Mannschaft gehört, aber Liverpool keinen Ersatz für ihn hat.“ Ein Satz, der tiefer schneidet als jede Statistik. Nicht gut genug für die Elf – und doch alternativlos. Härter kann ein Urteil kaum ausfallen.

Dass dieser Befund aus einem einzelnen Tor gegen Villarreal noch nicht widerlegt ist, stimmt natürlich. Die schwache Trefferquote, für die er immer wieder kritisiert wurde, räumt kein einziger Treffer von der Bank beiseite, und der Nachweis über eine ganze Saison steht aus. Wer Wirtz nur an Scorerpunkten misst, wartet weiter.

Nur misst ihn der eigene Teammanager eben nicht nur daran. „Florian hat jetzt, glaube ich, zum dritten Mal in Folge auf sehr hohem Niveau gespielt“, sagte Andoni Iraola nach dem 4:3\. Dreimal in Folge – das ist keine Eintagsform, das ist eine Linie. Und Iraola legt nach: „Es gab auch schon Spiele, in denen er sehr gut gespielt hat, ohne dabei direkt mit Toren oder Vorlagen aufzufallen.“ Wer so redet, hat seinen Spieler nie abgeschrieben.

Dazu kommt das Urteil eines Mannes, der den englischen Strafraum kennt. Alan Shearer, früher Nationalstürmer, lobte bei Prime Video die Ausführung: „Er nimmt den Ball mit einer kleinen Bewegung mit – mit dem rechten Fuß auf den linken – und schiebt ihn einfach am Torwart vorbei. Ein toller Schuss.“ Das klingt nicht nach mitleidigem Schulterklopfen für einen Gestrauchelten. Das ist Anerkennung für sauberes Handwerk.

Der Jubel freilich verriet, wie viel Druck auf diesem Treffer lag. Er drückte eher Erleichterung als pure Freude aus, heißt es. Wer monatelang nicht trifft und weiß, dass einzelne Stimmen seinen Platz in der Startelf infrage stellen, feiert halt nicht ausgelassen, der atmet durch. Genau darin liegt der Wert des Moments: Wirtz hat die Last nicht weggeredet, er hat sie weggeschossen.

Iraola jedenfalls zeichnet das Bild eines Spielers im Aufbau, im Abstieg sieht ihn hier keiner. „Er ist ein sehr dynamischer Spieler, sowohl mit als auch gegen den Ball“, sagte der Spanier, „es ist schwierig, ihn zu stellen und in den Griff zu bekommen. Er findet die Räume, in denen er dem Gegner wehtun kann und wird nach und nach auch bei den Zahlen immer besser.“

Ein Spieler, der von der Bank kommt und ein Spiel entscheidet, führt keinen Beweis für eine Saison – aber er beendet eine Debatte für diesen Abend. Carragher sieht ihn draußen, Iraola stellt ihn rein, und Wirtz schiebt den Ball am Torwart vorbei: Die lauteste Stimme in diesem Streit war am Dienstag sein linker Fuß.