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# Wenn Fußballer-Herzen aufhören zu schlagen
- URL: https://www.feverpitch.de/wenn-fussballer-herzen-aufhoren-zu-schlagen/
- Published: 2026-10-21T04:53:00.000Z
- Updated: 2026-10-21T05:23:27.000Z
- Description: Auch Tod und die Würdigung des Geleisteten gehören im Verein dazu. Auf Beerdigungen treffen sich alte Gefährten oft ein letztes Mal, wie Gerd Thomas weiß
- Author: Gerd Thomas

Als offizieller Vereinsvertreter hat man nicht nur angenehme Termine zu absolvieren. Manchmal muss man gar zur Beerdigung, ob nun Mitglieder des eigenen oder eines befreundeten Vereins gestorben sind. Die Trauerfeiern fallen dabei höchst unterschiedlich aus. Mal gibt es nur eine Rede des Pfarrers, mal einen Vortrag mit Fotos aus dem Leben des Verstorbenen. Hin und wieder spricht auch jemand vom Verein Abschiedsworte. Kaum jemand geht gerne hin, aber irgendetwas aus dem Leben des Verstorbenen bleibt immer hängen.

Oft haben sich die Menschen, die sich auf die letzte Reise begeben, um den Fußball verdient gemacht. Manchmal kommen einem wieder Dinge ins Gedächtnis, die man schon vergessen hatte. Wenn in den Abschiedsreden die Verdienste eines ehemaligen Vorsitzenden oder Trainers gewürdigt werden, fühlt man sich sogar kurz in alte Zeiten zurückgeholt. Wichtige Spiele, gemeinsames Ringen um die Belange der Kinder und Jugendlichen oder einfach das Fachsimpeln nach dem Spiel an der Imbissbude auf dem Platz – es gibt so vieles, was uns verbunden hat.

## Die Nachkriegsgeneration hat den Fußball aufgebaut

Die Generation der Boomer geht nach und nach in Rente, viele sind noch viele in den Vorständen aktiv. Die Nachkriegsgeneration dünnt sich nach und nach aus, einige sind noch im Amt, andere suchen händeringend Nachfolger, nicht selten vergeblich – bis sich dann doch jemand breitschlagen lässt. Wenige erreichen das 90\. Lebensjahr. Diese Generation hat die Vereine nach der Kapitulation der gleichgeschalteten Nazi-Diktatur geprägt, zum Teil mit aufgebaut. Neulich hieß es über einen Verstorbenen: „Wer kann schon von sich sagen, vier deutsche Weltmeisterteams miterlebt zu haben?“ Wenige! Und Stand heute muss man befürchten, die jungen Generationen kommen nie mehr in den Genuss.

Den Jugendfußball wie heute gab es selbst in den 1960er-Jahren noch nicht. Nur vereinzelt gab es D-Jugenden, damals „Knaben“ genannt. Ab 1970 gibt es mit der E-Jugend los, die bei uns als „Bubis“ bezeichnet wurde. Man eiferte Uwe Seeler oder Dixie Dörner nach, meistens noch ohne Duschen auf den Anlagen - mit schwierigem Geläuf und krummen Linien. Dagegen muten unsere heutigen Beschwerden fast als übertrieben an, wobei sie natürlich berechtigt sind.

Meine Jugendtrainer und -leiter sind längst unter der Erde. Im Gegensatz zu ihnen, habe ich die Vereinsarbeit ganz anders erledigt. Und als Trainer habe ich auf Medizinbälle und stupides Rundenlaufen verzichtet. Doch früher gab es kaum Lehrbücher, geschweige denn Übungen aus dem Internet, das noch nicht existierte. Kaum ein Trainer hatte eine Lizenz. Aber auch wenn die Methoden heute längst überholt sind, muss man zugestehen, dass es schon damals Leute gab, die es verstanden, einen Verein zusammenzuhalten. Und zwar ohne Handys und Chatgruppen. Die Aufstellung lief nicht über Team-Apps, sondern wurde am Donnerstag oder erst am Freitag im Infokasten an der Dorfbäckerei veröffentlicht, natürlich handgeschrieben. 

## Kommunikation ist die Königsdisziplin

Ab den 2000ern änderte sich das langsam, auch wenn wir noch ein paar Jahre Zettel für die Eltern ausdruckten, auf denen Aufstellung, Treffpunkt und Zeit des Anpfiffs stand. Die Vereine entwickelten sich mit Einführung von E-Mails und später Mobiltelefonen in eine neue Richtung. Die Jüngeren kommunizierten zunehmend digital, während die Älteren sich damit zunächst schwertaten. Dabei waren sie es doch, die den Verein dahin gebracht hatten, wo er stand. Mit all seinen Erfolgen - über Niederlagen wurde noch nie gern gesprochen.

Aber trotz aller Kanäle und technischen Möglichkeiten – Kommunikation bleibt die Königsdisziplin. Die ist in größeren Vereinen ohnehin nicht leicht zu bestehen. Aber wie schaffen wir es, das Wissen und die Erfahrung der Älteren zu nutzen und die neuen Arbeitsweisen der jüngeren Generationen zuzulassen? Denn die sind die Zukunft.

## Auch Verbände müssen rechtzeitig Nachwuchs gewinnen

Beim Abschied von verdienten Mitgliedern wird man manchmal daran erinnert, dass diese sehr viel für den Verein getan haben - es diesen ohne sie wahrscheinlich gar nicht mehr geben würde. Auch bei den Verbänden ist es wichtig, rechtzeitig Nachwuchs zu gewinnen, um diesem nach und nach die Kontakte und Erfahrungen zu übergeben. Das gelungene Zusammenspiel der Generationen ist ein Erfolgsfaktor für eine erfolgreiche Sportorganisation. Wohl denen, die sich nicht erst bei der nächsten Beerdigung daran erinnern.

Bleibt noch, den Verstorbenen „Ruhe in Frieden“ zu wünschen. Möge der Fußballgott im Himmel es gut mit euch meinen und dort das eine oder andere spannende Derby für euch ansetzen.