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# Watzke will Infantino stürzen – aber wo ist die Alternative?
- URL: https://www.feverpitch.de/watzke-will-infantino-sturzen-aber-wo-ist-die-alternative/
- Published: 2026-09-18T09:33:54.000Z
- Updated: 2026-09-18T10:09:10.000Z
- Description: Zwei DFB-Spitzenleute rufen zum Aufstand gegen den FIFA-Boss. Ohne Gegenkandidaten für den März bleibt es ein lautes Nichts.
- Author: Redaktion

„Er sollte weg, ohne Wenn und Aber.“ Der Satz fällt beim Big Bang KI Festival in Berlin, gesagt von Hans-Joachim Watzke, dem Vizepräsidenten des Deutschen Fußball-Bundes und Präsidenten von Borussia Dortmund. Drei Vorgänge trägt er als Begründung vor, jeder einzelne mit dem Wort „Wahnsinn“ garniert. Es ist das erste Mal, dass Watzke die Ablösung von Gianni Infantino öffentlich verlangt.

Und es klingt wuchtig, bis man nach dem Plan dahinter fragt. Denn ein Rücktritt, den niemand erzwingen kann, ist keine Forderung, sondern ein Wunsch – und Wünsche entscheiden keine Wahl.

Die drei Vorwürfe sitzen. Den Friedenspreis für US-Präsident Donald Trump im Vorfeld der WM habe Infantino „selbst kreiert, selbst entschieden“, sagt Watzke: „Du kannst dir ja nicht selber was ausdenken und verkündest das dann.“ Die aufgehobene Sperre gegen den US-Nationalspieler Folarin Balogun bringt ihn ebenso auf: „Wenn da einer vom Platz fliegt, der Staatspräsident den FIFA-Präsidenten anruft, und erstaunlicherweise wird das Ding auch sofort einkassiert.“ Und den gescheiterten Investorendeal nennt er „völlig wahnsinnig“ – weder die Vizepräsidenten noch das Council hätten davon gewusst.

Watzke sitzt im Exekutivkomitee der Europäischen Fußball-Union, er kennt die Gremien von innen. Wenn ein Mann mit diesem Zugang sagt, dass die eigenen FIFA-Vizepräsidenten von einem Milliardendeal nichts wussten, dann ist das kein Stammtisch, sondern ein Befund. Und wenige Tage zuvor hatte schon DFB-Präsident Bernd Neuendorf mit ähnlich deutlichen Worten das Ende des „Systems Infantino“ verlangt, sogar als „zwingend erforderlich“, und das Vertrauensverhältnis zur FIFA-Führung als „zerrüttet“ bezeichnet.

Zwei Spitzenfunktionäre des DFB, die den mächtigsten Mann des Weltfußballs offen loswerden wollen: Das bricht mit der Duckmäuserei, mit der die Verbände Infantino jahrelang gewähren ließen. Wer sonst nur hinter vorgehaltener Hand murrt, stellt sich jetzt mit Namen ans Mikrofon. Das ist mehr als eine Randnotiz.

Nur ändert es an der Ausgangslage nichts. Infantino strebt trotz aller Kritik eine weitere Amtszeit an, gewählt wird im März. Und in keinem der Sätze aus Berlin steht der eine Name, auf den es ankäme: der eines Gegenkandidaten. Watzke sagt, wer weg soll. Er sagt nicht, wer kommen soll.

Genau daran ist der Aufstand gebaut oder eben nicht gebaut. Eine Wahl gewinnt man nicht gegen einen Amtsinhaber, indem man ihn schlecht findet, sondern indem man eine Mehrheit hinter jemand anderen bringt. Solange dieser andere fehlt, tritt Infantino im März gegen niemanden an – und wer gegen niemanden antritt, gewinnt.

„Das ist ja Wahnsinn“, sagt Watzke über Balogun. Der eigentliche Wahnsinn ist, dass zwei DFB-Granden einen Sturz ausrufen, für den sie kein einziges Gebäude aufgestellt haben. Empörung ohne Kandidat ist die bequemste Form des Protests: Man hat sich klar positioniert und riskiert doch nichts, weil am Wahltag ohnehin alles bleibt.

Der DFB hat das Recht, laut zu sein. Er hat sogar die besseren Argumente. Aber die drei Vorwürfe aus Berlin bringen Infantino kein Stück näher an den Ausgang, solange niemand die Tür aufhält und einen Nachfolger hineinbittet.

Bis dahin ist „ohne Wenn und Aber“ nur der lauteste Weg, folgenlos zu bleiben.