> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://www.feverpitch.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Wahlen 26: Können Fußball und Politik voneinander lernen?
- URL: https://www.feverpitch.de/wahlen-26-konnen-fussball-und-politik-voneinander-lernen/
- Published: 2026-09-22T04:58:30.000Z
- Updated: 2026-09-22T05:09:09.000Z
- Description: Fototermine mit Mini-Kickern reichen längst nicht mehr. Der Breitensport will konkrete Maßnahmen sehen – in ihren Vereinen und Verbänden, meint Gerd Thomas.
- Author: Gerd Thomas

Die Wahlen sind gelaufen, durchaus mit einigen Überraschungen. Vielleicht haben sich in der Kabine doch einige an die Worte von Jürgen Klopps Pressekonferenz erinnert. Sport stand in den Wahlkämpfen nicht auf der Tagesordnung, in den Programmen nahm er wie immer eine Nebenrolle ein. Warum das so ist, müssen die Parteien erklären. Sie scheinen den Sport nicht so ernst zu nehmen, auch wenn im Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) knapp 30 Millionen Vereinsmitgliedschaften registriert sind. Acht Millionen davon kommen aus dem Fußball.

Auch wenn von denen rund ein Drittel den Proficlubs zuzuordnen ist, wird sich die CDU in Mecklenburg-Vorpommern im Nachhinein vielleicht fragen, ob man sich nicht ein wenig um den Amateurfußball hätte kümmern sollen. Vielleicht wird der eine oder andere Kandidat auf Fototermine mit kleinen Kickern vor dem Vereinsheim verweisen, aber das reicht schon lange nicht mehr, um die Sportlerinnen und Sportler im Land zu überzeugen – nicht in der Stadt, nicht auf dem Land. Diese wollen nicht mehr mit Social-Media-Posts vertröstet werden. Sie wollen Taten sehen, ob nun zur Sanierung der Sportstätten, zum Bürokratieabbau oder zur Stärkung des Ehrenamts.

Derweil kommen die Probleme aus dem Amateurbereich immerhin bei Menschen außerhalb der Parteien an. Und zwar bei durchaus prominenten Leuten mit einer gewissen Strahlkraft. Zuletzt äußerten sich Arne Friedrich und Ex-DFL-Chef Christian Seifert zum Ehrenamt und zu den Herausforderungen für die Amateurvereine, aber auch zur Stärkung demokratischer Strukturen. Philipp Lahm tut das sowieso seit Jahren.

## Wahlkampf vorbei, Probleme bleiben

Die Sportverbände, vor allem auf Landesebene, sollten die aufgewühlte Situation nutzen, um auf sich und die von ihnen vertretenen Vereine aufmerksam zu machen. Sonst wird der Sport beim nächsten Haushalt wieder am Katzentisch sitzen. Sie müssen der Politik klarmachen, dass der Breitensport ein wesentlicher Faktor für den Zusammenhalt, für solidarisches Verhalten und für die Leistungsfähigkeit des Landes ist. Die Wirtschaft sollte überlegen, was ihr Beitrag für eine ganz große Koalition zwischen Politik, Sport und Unternehmen sein kann, wie eine konzertierte Aktionen aussehen könnte.

Am Samstag wird verkündet, mit welcher Stadt Deutschland sich für die Olympischen Spiele bewerben will. Danach kann der neue Staatsminister für Sport sich endlich wieder auf andere Dinge konzentrieren. Der neue Staatsminister für Ehrenamt und Sport ist nicht unmittelbar für den Breitensport zuständig. Dennoch wird von Ronny Rauhe erwartet, dass er sich für ihn stark macht. Er kennt die Zusammenhänge, er war selbst ein Weltklasse-Athlet, viele setzen großes Vertrauen in ihn.

## Verbände sind in der Pflicht

Wie die Wahlen gezeigt haben, ist nichts so stabil, dass es auf ewig so bleiben wird. Das gilt für die Parteien, das kann aber auch auf den organisierten Sport zutreffen. Viele Vereine werden in den nächsten Jahren wegen Personalmangels verschwinden, andere werden neu entstehen. Alle müssen beweglich bleiben und die Augen aufhalten, wollen sie im Zeitalter von KI, Bildungsmisere und abnehmendem Engagement bestehen. Das gilt nicht nur für den sportlichen Wettbewerb. Sportvereine wie auch die Sportverbände müssen sich gut aufstellen und lernen, schneller auf die Entwicklungen zu reagieren.

Sieht man sich die Riege der Vorstände in den Vereinen, der Präsidien in den Verbänden an, kommt man schnell zum Schluss, dass es Veränderungen braucht. Auch mehr Frauen, mehr junge Menschen und mit Zuwanderungsgeschichte müssen in den Gremien abgebildet werden. Um diese zu gewinnen, geht es auch darum, die richtigen Themen zu finden. Einen 25-Jährigen wird man nicht mit der Teilnahme an Verbandssitzungen oder Sportgerichts-Verhandlungen oder gar mit der Verantwortung für die Finanzen locken. Die Bereiche Merchandising, Ausstattung, Kommunikation oder interne Vereinsaktivitäten sind da schon verlockender.

## Die Gremien brauchen eine Auffrischung

Auch der DFB braucht in seinen Gremien dringend Erneuerung. Ein paar kluge Sätze von Jürgen Klopp reichen nicht aus, der Verband muss in seiner Gänze Flagge für den Erhalt der Solidargemeinschaft zeigen. Der durchschnittliche Funktionär ist Ü60, bringt viel Erfahrung mit. Bundeskanzler Friedrich Merz ist sogar Ü70, aber scheinbar ist Erfahrung nicht das Einzige, was Leute schätzen.

Die Funktionäre in den Sportverbänden sind durch die Art der Wahlen vor Ungemach wie öffentlichen Neuwahlen geschützt. Aber die Herrschaften bilden den Fußball nicht im Ansatz in seiner Breite ab. Es wird schwierig werden, die langjährigen Platzhalter dazu zu bringen, den Weg für neue Gesichter freizumachen. Die Debatte muss dennoch geführt werden.

„Wir wollen mehr Demokratie wagen!“ Mit diesem Zitat kündigte Willy Brandt einen Aufbruch sowie innen- und gesellschaftspolitische Reformen an, um den mündigen Bürger stärker in die Mitverantwortung einzubinden. Roman Herzog verlangte einst, es solle ein Ruck durchs Land gehen.

Der Fußball sollte sich die dazu gehörigen Reden noch einmal genau zu Gemüte führen.