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# Vielfalt auf den Plätzen – Eintönigkeit in Verbandsgremien
- URL: https://www.feverpitch.de/vielfalt-auf-den-platzen-eintonigkeit-in-verbandsgremien/
- Published: 2026-10-27T05:27:00.000Z
- Updated: 2026-10-27T05:38:25.000Z
- Description: Die Diversität in Vereinen wächst stetig. Doch die Machtstrukturen in DFB, Landes- und Kreisverbänden bleiben männlich, alt und weiß. Ein Fehler, findet Gerd Thomas
- Author: Gerd Thomas

Ein typisches Foto aus einem deutschen Fußball-Landesverband zeigt zwölf Männer und eine Frau nach einer Ehrung. Die Frau ist beim Verband für den Bereich Ehrenamt und damit für die Auszeichnungen zuständig. Einer der Männer scheint der Präsident zu sein, alle anderen haben Nadeln oder Urkunden erhalten. Auch wenn sich die männlichen Funktionäre gern ablichten lassen: Wertschätzung scheint eher ein „Frauen-Ding“ zu sein.

Sieht man sich die Nachhaltigkeitssparten in Vereinen und Verbänden an, sind auch hier überproportional viele Frauen vertreten. Auch ohne genaue Überprüfung darf davon ausgegangen werden, dass es beim Kinderschutz ähnlich aussieht. Beim Spielbetrieb oder bei den Sportgerichten hingegen findet man vorwiegend Männer. Sogar längst ausgediente Polizisten dürfen dort Sportrecht sprechen. Warum nicht auch Fleischerei-Fachverkäuferinnen, Sprechstundengehilfinnen oder Bierkutscher?

Die FAZ veröffentlichte vor einigen Tagen ein Ranking der einflussreichsten Frauen im deutschen Fußball. Mit dabei waren Katharina Kiel, Präsidentin des Frauen-Ligaverbands, und Tatjana Haenni, CEO bei RB Leipzig. Außerdem beinhaltete die Liste Vorständinnen von Profivereinen, deren Namen mir gänzlich unbekannt waren. Für den DFB war die frühere Generalsekretärin Heike Ulrich dabei. Sie wechselte vor einem Jahr aus der Chefinnenrolle des Verbands zurück als Vizepräsidentin für den Bereich Frauen- und Mädchenfußball. Dort ist sie auch für das Nationalteam zuständig.

## Mehr Vielfalt in die Präsidien

Nicht aufgeführt sind die DFB-Vizepräsidentinnen Celia Šašić und Silke Sinning. Letztere ist als erste Frau an der Spitze eines Landesverbands (Hessen) eine echte Pionierin, was tief blicken lässt. Denn scheinbar ist der Breiten-Fußball nicht interessant genug, um es auf die FAZ-Liste zu schaffen. Zur Erinnerung: Silke Sinning gewann die Wahl gegen den mächtigen DFB-Granden Rainer Koch. Wie schwer so eine Abstimmung zu gewinnen ist, musste vor 10 Tagen der erste DFB-Vizepräsident Amateurfußball erfahren. Ronny Zimmermann wurde im Süden vom Newcomer Reinhold Brandt aus dem Amt gedrängt.

Wenn Frauen mehr Einfluss bekommen sollen – und der ist dringend nötig –, dann gelingt das vor allem über die Zugehörigkeit zu den wichtigsten Gremien. In Deutschland ist das immer noch der DFB. Nicht eine Handvoll Bundesligavereine aus München, Frankfurt oder dem Ruhrgebiet. Schon gar nicht ein mit vielen Millionen hochgejazzter Club eines Brausedosen-Konzerns. Ins Bild passt, dass auch Nadine Kessler, immerhin Direktorin für Frauenfußball bei der UEFA, nicht im Ranking auftaucht.

Nun mag es nicht verwundern, dass ein wirtschaftstreues Blatt wie die FAZ vor allem auf Menschen blickt, die Geld bewegen. Dabei machen diese nichts anderes als Männer: die Kommerzialisierung und Elitebildung des Fußballs vorantreiben. Gleichwohl kann ausgeschlossen werden, dass Menschen wie der allmächtige Hans-Joachim Watzke oder Eintracht-Boss Axel Hellmann plötzlich beratungsoffen sind und sich von den Frauen wirklich in die Suppe spucken lassen.

## Basis ist vielfältig – Verbände sind es nicht

Celia Šašić ist DFB-Vizepräsidentin für Gleichstellung und Diversität und im Präsidium des Deutschen Fußball-Bundes die einzige Person mit familiärer Zuwanderungsgeschichte. Auch das reichte offensichtlich nicht, um in die illustre Auflistung der stolzen Frankfurter Allgemeinen aufgenommen zu werden. Dabei wäre es besonders wichtig, ihre Arbeit und ihre Aufgabenfelder in den Fokus zu stellen. In den Präsidien der Fußball-Verbände, wo die Politik für die 24.000 Vereine gemacht wird, tauchen überhaupt nur wenige Menschen mit Zuwanderunghintergrund auf. Selbst im Präsidium des Verbands in der Multi-Kulti-Stadt Berlin gibt es nur eine Person. Zugegeben: Die Quote wird vom DFB-Präsidium noch getoppt.

Der deutsche Fußball muss endlich die auf den Plätzen längst gelebte Vielfalt auch in die Gremien bringen. Rund die Hälfte aller Grundschulkinder hat eine familiäre Migrationsgeschichte – im Fußball ist das die Altersklasse der D- bis G-Jugendlichen. Im DFB-Jugendausschuss findet sich jedoch nicht eine einzige Person mit Zuwanderungshintergrund. Immerhin dürfen zwei Frauen dabei sein. Auch in die Kommission „Entwicklung des Amateurfußballs“ schicken die Landesverbände fast nur alte weiße Männer. Zugegeben, drei Frauen sind dabei – aus dem Hauptamt des DFB.

## Fußball der Frauen im Amateurbereich stärken

Der Journalistin der FAZ sei verziehen, dass sie wichtige Protagonistinnen übersehen oder nicht aufgeführt hat. Immerhin hat sie um weitere Vorschläge gebeten. Ihr Fokus lag vermutlich auf der Vermarktbarkeit – wie es im Fußball allerorten zu beobachten ist. Wenn es aber mit dem Frauenfußball in Deutschland vorangehen soll, müssen wir uns künftig mehr als bisher um die Basis kümmern.

Die Basis ist in den Amateurvereinen zu Hause. Diese sind wiederum auf gut arbeitende Landesverbände angewiesen. Dass diese nicht immer Spitzenleistungen abliefern, zeigt einmal mehr ein Berliner Aspekt: Im Jugendausschuss der Hauptstadt wurde die Position der Mädchenbeauftragten bei den Wahlen mangels Kandidaturen nicht besetzt. Sie wird im innovativsten Verband der Republik (Eigenbezeichnung) kommissarisch von einer anderen Person mit verwaltet. Aber vielleicht war dieser Titel nur so daher gesagt.