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# Trainer aus dem eigenen Stall? Das Ende jeder Fußballromantik
- URL: https://www.feverpitch.de/trainer-aus-dem-eigenen-stall-das-ende-jeder-fussballromantik/
- Published: 2026-09-14T04:10:49.000Z
- Updated: 2026-09-14T04:24:11.000Z
- Description: Das Aus von Eugen Polanski in Mönchengladbach tut weh, weil er "Borusse durch und durch" ist. Aber die Tabelle lügt nicht. Das sollten Merlin Polzin und der Hamburger SV nicht übersehen
- Author: Pit Gottschalk
- Tags: #vorwort

Nun hat's also den ersten Trainer erwischt: Die Trennung von Eugen Polanski war überfällig, nichts lief mehr bei Borussia Mönchengladbach zusammen. Das 0:5 von Freiburg geriet zum Tiefpunkt einer Entwicklung, die man nüchtern in Zahlen ausdrücken kann: Von 37 Pflichtspielen hat er 16 verloren, den elf Siegen standen zehn Unentschieden gegenüber. Die Beschreibung Mittelmaß wäre Schönreden.

Das harte Aus tut weh, weil Polanski "Borusse durch und durch" ist, wie Sportchef Rouven Schröder in seiner Pressemitteilung einräumte. Sein Ex-Trainer kam von unten: 108 Spiele mit der zweiten Mannschaft und zwölf mit der B-Jugend stehen ja ebenfalls in seiner Vereinsbilanz. Und trotzdem hat's nicht gereicht, um weiter an ihm festzuhalten. Vorletzter, null Punkte: Die Bundesliga-Tabelle lügt nicht.

Dass ein Verein wie der SC Freiburg mit einem Trainer absteigt und gleich wieder aufsteigt (mit Christian Streich vor gut zehn Jahren), ist eine Seltenheit in diesem Profigeschäft. Zu groß ist die Sorge, dass man tatsächlich ins Unterhaus muss und womöglich den Anschluss an die Spitzengruppe verliert, wo der Fußball besonders attraktiv ist. Dann lieber den feuern, der "Borusse durch und durch" ist.

Daran musste ich denken, als ich sah, wie der Hamburger SV zum zweiten Mal in einer Woche 0:5 unter die Räder geriet, diesmal bei RB Leipzig. Die Mannschaft: eine sinnlose Ansammlung von Fachkräften, die in dieser Zusammensetzung und Form nicht bundesligatauglich auftritt. Schauen wir aufs Tabellenende nach drei Spieltagen: null Punkte, null Tore, zwölf Gegentore - natürlich Rote Laterne.

Ich erwähne den HSV deshalb, weil sich Parallelen zu Borussia Mönchengladbach aufdrängen. Auch in Hamburg arbeitet ein Cheftrainer, der aus den eigenen Reihen kommt und nun erstmals in zwei Jahren Erklärungsnot verspürt. Merlin Polzin hat, gar keine Frage, mit Aufstieg und Klassenerhalt Wundersames in der Hansestadt geschafft. Den Arbeitsvertrag verlängerten sie bisher trotzdem nicht.

Man kann Wetten darauf abschließen, dass die Vereinsverantwortlichen allen Treuebekenntnissen zum Trotz Alternativen erörtern. (Alles andere wäre sonst amateurhaft.) Das Heimspiel gegen den 1\. FC Köln am Samstag hat schon die Anmutung eines Endspiels vor der Länderspielpause. So bitter ist das Business: Gestern Held, heute Sündenbock: Für Fußballromantik bleibt da wenig Zeit.