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# Spickzettel auf der Trinkflasche: Wie Torhüter sich auf den Elfmeter vorbereiten
- URL: https://www.feverpitch.de/spickzettel-auf-der-trinkflasche-wie-torhuter-sich-auf-den-elfmeter-vorbereiten/
- Published: 2026-09-16T15:24:53.000Z
- Updated: 2026-09-16T15:24:53.000Z
- Description: Eine Analyse von rund 50.000 Elfmetern aus dem europäischen Männerfußball ergab zudem, dass Strafstöße im Elfmeterschießen seltener verwandelt werden als Elfmeter während des Spiels
- Author: Redaktion
- Tags: Extra

Eine Trinkflasche kann beim Elfmeterschießen mehr sein als ein Getränk. Manchmal ist sie ein Spickzettel. Auf ihr stehen Namen, Zahlen oder Hinweise darauf, in welche Ecke ein gegnerischer Schütze bevorzugt zielt. Was wie ein kurioser Trick aussieht, ist Teil einer umfangreichen Vorbereitung. Torhüter und ihre Trainer sammeln Informationen, Schützen arbeiten an Routinen und beide Seiten müssen mit einer Situation umgehen, in der ein einziger Moment über Weiterkommen oder Ausscheiden entscheiden kann. 

## Mehr als ein Schuss

Technisch ist ein Elfmeter eine überschaubare Situation: Der Schütze steht allein vor dem Tor, der Abstand beträgt elf Meter. Psychologisch verändert sich die Aufgabe jedoch erheblich, wenn der Ausgang des Spiels davon abhängt. Untersuchungen mit internationalen Turnierdaten zeigen, dass höherer situativer Druck die Wahrscheinlichkeit eines Fehlschusses erhöht. 

Eine Analyse von rund 50.000 Elfmetern aus dem europäischen Männerfußball ergab zudem, dass Strafstöße im Elfmeterschießen seltener verwandelt werden als Elfmeter während des Spiels. Die schlechtere Quote ging dabei vor allem auf die Schützen zurück, nicht auf eine plötzlich bessere Leistung der Torhüter. Der entscheidende Unterschied liegt damit nicht allein in der Technik. Beim Shoot-out weiß der Spieler, was auf dem Spiel steht. Ein verschossener Elfmeter kann eine Mannschaft aus einem Turnier werfen. Diese Konsequenz verändert die Bedingungen, unter denen eine eigentlich vertraute Bewegung ausgeführt wird.

## Daten vor dem Pfiff

Die Vorbereitung beginnt deshalb lange vor dem Gang zum Elfmeterpunkt. Torwarttrainer und Analysten untersuchen frühere Strafstöße der möglichen Schützen. Gesucht werden wiederkehrende Muster: bevorzugte Ecken, Anlauf, Körperhaltung oder andere Bewegungsmerkmale. 

Der Zettel liefert allerdings keine Gewissheit. Er sagt nicht voraus, wohin der nächste Ball fliegen wird. Er kann dem Torwart lediglich eine begründete Ausgangshypothese für seine Entscheidung geben. Genau darin liegt der Unterschied zwischen Zufall und Wahrscheinlichkeit: Der Ausgang eines einzelnen Elfmeters bleibt offen, doch frühere Schüsse und beobachtbare Muster können die Einschätzung verändern. Der Torwart versucht also nicht, das Glück zu erzwingen, sondern die Zahl der unbekannten Faktoren zu verringern.

Reiner Zufall dagegen ist etwa Bestandteil des Glücksspiels. Anbieter von Sportwetten und Casinospielen trennen deshalb zwei sehr unterschiedliche Formen des Risikos: An Spielautomaten bei legalen Anbietern, wie etwa im [Novoline Casino](https://www.novoline.de/de), entscheidet der Zufall unmittelbar über den Ausgang. Bei Sportwetten geht es dagegen um Ereignisse, deren Wahrscheinlichkeiten anhand von Daten, Statistiken und vergangenen Leistungen eingeschätzt werden. Auch die daraus entstehenden Quoten sind allerdings keine Vorhersagen mit Garantie, sondern Bewertungen von Wahrscheinlichkeiten.

Auch Torhüter und Schützen [sammeln Daten](https://www.fussballtraining.de/taktiktraining/fussball-daten-luegen-nicht-oder-etwa-doch/46605/), werten frühere Situationen aus und suchen nach Mustern, die ihnen im nächsten Duell einen kleinen Vorteil verschaffen können. Was bei einer Sportwette in eine Quote einfließt, wird im Training zur Entscheidungshilfe: Welche Ecke bevorzugt ein Schütze? Wie verändert sich sein Anlauf? Reagiert er unter Druck anders? Je genauer die Vorbereitung, desto weniger muss im Moment des Elfmeters allein dem Zufall überlassen werden.

Der historische Lehmann-Zettel von 2006 steht exemplarisch für diese Entwicklung. Nach Angaben der FIFA wurden damals rund 13.000 Elfmeter ausgewertet, um Informationen für das deutsche Team zusammenzustellen.

Beim EM-Finale 2025 hatte die spanische Torhüterin Cata Coll ihre Elfmeternotizen auf einer Trinkflasche notiert. Englands Hannah Hampton entdeckte die Flasche vor dem Elfmeterschießen, warf sie in die Zuschauerränge und nahm damit der spanischen Torhüterin ihre Notizen. Hampton selbst hatte ihre Informationen auf den Arm geschrieben. [Jordan Pickford](https://www.feverpitch.de/operation-droht-nach-show-einlage-rooney-bei-tv-dreh-verletzt/) hatte solche Notizen bei der WM 2026 dabei; nach Englands Halbfinal-Niederlage gegen Argentinien tauchte die Flasche mit seinen Aufzeichnungen wieder auf. 

## Früher als der Ball

Für Torhüter ist diese Vorbereitung besonders wertvoll, weil sie bei einem Elfmeter kaum Zeit haben, ausschließlich auf die Flugbahn zu reagieren. Sie müssen die Schussrichtung teilweise antizipieren. Untersuchungen zur visuellen Wahrnehmung von Torhütern zeigen, dass erfahrene Keeper relevante Informationen aus dem Bewegungsablauf des Schützen nutzen können. Dazu gehören unter anderem Körperpositionen und Hinweise aus dem Anlauf. Forschung zu Wahrnehmungs- und Antizipationstraining deutet zudem darauf hin, dass sich diese Fähigkeiten gezielt verbessern lassen.

Das erklärt, warum die Daten auf der Trinkflasche mehr sind als eine nette Kuriosität. Der Torwart versucht nicht lediglich, schneller zu reagieren als der Ball. Er versucht, aus möglichst wenigen Informationen eine Entscheidung zu treffen, bevor die Flugrichtung eindeutig erkennbar ist.

Damit endet das Duell allerdings nicht. Der Schütze weiß, dass sein Gegner vorbereitet ist. Wer mehrfach in dieselbe Ecke schießt, kann berechenbar werden. Wer seine Entscheidung deshalb kurzfristig ändert, verlässt jedoch möglicherweise eine vertraute Routine.

Damit entsteht ein Katz-und-Maus-Spiel: Der Torwart kennt die bisherigen Gewohnheiten des Schützen. Der Schütze weiß, dass der Torwart sie kennt. Eine Information kann dadurch schon wieder zum Anstoß für eine Gegenstrategie werden.

## Druck im Kopf

Der Druck entsteht nicht nur aus der eigenen Verantwortung, sondern auch aus dem unmittelbaren Verlauf der Serie. Untersuchungen zu internationalen Elfmeterschießen zeigen, dass die Leistung eines Schützen davon beeinflusst werden kann, was unmittelbar zuvor passiert ist. Ein erfolgreicher gegnerischer Elfmeter etwa kann die Wahrscheinlichkeit eines eigenen Treffers beeinträchtigen.

Studien mit professionellen Fußballern zeigen, dass künstlich erzeugter Leistungsdruck Angst und physiologische Aktivierung erhöhen und die Genauigkeit von Elfmeterschüssen beeinträchtigen kann. Forschung zur psychologischen Vorbereitung legt nahe, dass Spieler von festen Abläufen, Drucksimulationen und Strategien zur Aufmerksamkeitssteuerung profitieren können.

Dabei geht es nicht darum, Nervosität vollständig auszuschalten. Ein Spieler kann vor einem entscheidenden Elfmeter angespannt sein und trotzdem seinen eingeübten Ablauf abrufen. Genau deshalb lassen sich im Training Situationen nachstellen, die zumindest einige Elemente des Ernstfalls enthalten: ein Publikum aus Mitspielern, Konsequenzen für verfehlte Ziele oder eine festgelegte Reihenfolge wie im tatsächlichen Shoot-out. Eine Garantie für den Erfolg entsteht daraus nicht. Der reale Druck eines K.-o.-Spiels lässt sich nur begrenzt simulieren.

## Kontrolle über das Ungewisse

Am Ende bleibt die Trinkflasche ein erstaunlich kleines Werkzeug für eine enorm komplexe Situation. Ein paar Notizen können frühere Schüsse zusammenfassen, Anhaltspunkte liefern und die Entscheidung des Torwarts vorbereiten. Sie können aber nicht verhindern, dass ein Schütze seine Gewohnheiten ändert oder der Torwart im entscheidenden Moment auf die falsche Ecke setzt.