> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://www.feverpitch.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Sammer sagt „Volltrottel“ – und meint die ganze Branche
- URL: https://www.feverpitch.de/sammer-sagt-volltrottel-und-meint-die-ganze-branche/
- Published: 2026-10-28T05:51:00.000Z
- Updated: 2026-10-28T05:50:59.000Z
- Description: Die Rührung um den kranken Bayern-Coach kommt spät. Matthias Sammer legt den Finger in eine Wunde, die der Fußball sich selbst zufügt.
- Author: Redaktion

„In England heißt er Boss, in Brasilien Professor, in Italien ist es Mister – und ich habe immer gesagt: Bei uns ist er der Volltrottel.“ Mit diesem Satz beschreibt Matthias Sammer im „Sammer & Basile – der Hagedorn-Talk“ bei RTL/Sky, wie der deutsche Fußball mit seinen Trainern umgeht. Anlass ist der Zusammenbruch von Bayern-Coach Vincent Kompany, der seit Freitag im Krankenhaus liegt.

Was Sammer sagt, ist unbequem, aber es stimmt: Die plötzliche Anteilnahme, die Kompany jetzt entgegenschlägt, passt nicht zu einer Branche, die ihre Trainer sonst gnadenlos verschleißt. „Ekelt mich ein Stück weit an“, sagt der Europameister von 1996 über diese Rührung – ein hartes Wort, das sich aber an einem wahren Widerspruch entzündet.

Denn die Betroffenheit setzt erst ein, wenn einer umkippt. „Auch Menschen wie Kompany, wie Niko Kovac, wie Jürgen Klopp: Das sind Menschen, die sind verletzlich und können mal krank werden“, sagt Sammer. „Aber wir tun gerade so, dass das eigentlich gar nicht geht. Dann sind wir betroffen.“ Die Anteilnahme kommt also genau in dem Moment, in dem sie am wenigsten etwas ändert.

Man könnte einwenden, dass Mitgefühl nach einem Zusammenbruch das Natürlichste der Welt ist. Wer im Krankenhaus liegt, bekommt gute Wünsche, und das ist richtig so – Sammer selbst wünscht Kompany „alles Gute“ und eine schnelle Genesung. Das menschliche Signal ist keine Heuchelei.

Doch es greift zu kurz, wenn es bei der Rührung bleibt. Die Teilnahme am Krankenbett kostet nichts. Sie verlangt keine Umkehr im Umgang mit denen, die Woche für Woche an der Seitenlinie zerrieben werden. Sie ist, überspitzt gesagt, der bequeme Teil des Anstands: Man zeigt Herz, wenn der Schaden schon da ist, und arbeitet sich davor am Trainer ab wie an niemandem sonst.

„Der Trainer ist keine Respektsperson mehr“, sagt Sammer. Dieser Befund wiegt schwerer als jede gute Besserung. Denn er beschreibt einen Dauerzustand, kein Ereignis. Wer den Trainer das ganze Jahr zum „Volltrottel“ macht und dann, wenn er zusammenbricht, die Fassung verliert, hat an der Ursache nichts verändert.

Deshalb trägt Sammers eigentliche Forderung weiter als sein Reizwort: Man müsse die Trainer „besser schützen“. „Wir arbeiten uns viel zu sehr an Trainern ab und sind dann plötzlich echauffiert, dass da mal einer umkippen kann.“ Das ist die Verbindung, die er herstellt – zwischen dem täglichen Druck und dem Moment, in dem der Körper streikt.

Ob dieser Zusammenhang im Einzelfall Kompany erklärt, lässt sich von außen nicht sagen, und Sammer behauptet es auch nicht. Was er behauptet, ist die Kultur dahinter: der Verschleiß als Normalzustand, die Betroffenheit als Nachsorge. Beides passt nicht zusammen, und beides gehört demselben Fußball.

Mitgefühl, das erst beim Zusammenbruch einsetzt, ist zu spät, um noch jemanden zu schützen.