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# Regionalliga-Reform: Auch der Amateurfußball zahlt seinen Preis
- URL: https://www.feverpitch.de/regionalliga-reform-auch-der-amateurfussball-zahlt-seinen-preis/
- Published: 2026-09-03T14:53:04.000Z
- Updated: 2026-09-03T14:59:26.000Z
- Description: Der Streit um den Zuschnitt zeigt, wie schwer sich der Fußball mit Veränderungen tut und wie dringend nötig sie wären – nicht nur sportlich, meint Gerd Thomas.
- Author: Gerd Thomas

DFB-Präsident Bernd Neuendorf will die Reform für die Regionalliga zur Chefsache machen. Gut so! Denn seien wir ehrlich: Die Vizepräsidenten haben es nicht hingekriegt, einen tragfähigen Kompromiss hinzubekommen wie irgendwelche Vermittler oder Moderatoren. Das war erwartbar! Der Fußball redet zwar gern von Reformen, doch die sollen immer nur bei den anderen stattfinden, während man sich selbst nicht bewegen möchte.

Gerade der Nordostdeutsche Fußballverband verweist gern auf Tradition, auf die Derbys ehemaliger DDR-Größen und nicht zuletzt auf die Identität. Wie diese Identität bei einigen Vereinen aussieht, kann man am Wochenende in den Kurven beobachten. Es ist immer wieder erstaunlich, dass selbst bei schwersten Vergehen, bei übelstem Rassismus oder Sexismus, von den Verbänden kaum eingegriffen und schon gar nicht durchgegriffen wird. Mancher Funktionär sitzt mittendrin, zeigt sich anschließend aber ahnungslos.

Allerdings hat der Osten der Republik dieses Problem längst nicht mehr exklusiv, wie nicht nur [die katastrophalen Ausschreitungen zwischen den sogenannten „Fans“ des 1\. FC Kaiserslautern und des SV Waldhof Mannheim](https://www.focus.de/sport/fussball/fan-skandale-machen-unseren-fussball-noch-mehr-kaputt-als-jede-fifa-idee%5F8f73c1bb-7753-4e16-9c6e-b2ad1e5df201.html) deutlich aufgezeigt haben. Man fragt sich tatsächlich, wie lange es noch dauert, bis der Fußball vom Korpsgeist in Teilen der sich selbst so großartig findenden Ultra-Kurven endgültig kaputtgemacht wird. Aber zurück zu den sportlichen Reformen.

## Regionale Leistungsunterschiede sind deutlich

Die KI hat anhand eines Kompassmodells errechnet, wie eine Aufteilung aussehen könnte. Geschenkt, dass sie das aufgestiegene Tasmania Berlin mit dem strauchelnden Tennis Borussia verwechselt und im ersten Versuch Branchengrößen wie 1860 München und Kickers Offenbach vergessen hat. Ein interessantes Ergebnis ist allemal herausgekommen. Hoffen wir, dass es Bernd Neuendorf hilft.

Der Nordosten dürfte zufrieden sein, wobei angemerkt werden sollte, dass man sich zwar der früheren Geschichte rühmt, in der näheren Vergangenheit aber immer in der Relegation gegen Bayern und den Norden verloren hat. Havelse oder der Tabellenzweite Würzburg waren schier übermächtige Gegner für die berühmte Lokomotive aus Leipzig, wo ja längst ein anderer Verein der Platzhirsch ist.

## Auch der Amateurfußball wäre betroffen

Was in der Diskussion vergessen wird, sind die Auswirkungen auf den Amateurfußball. Denn eine Zusammenführung zu vier Ligen würde in fast allen Landesteilen Folgen haben. Zurzeit sind 91 Teams in den Regionalligen gemeldet. Bleibt es bei 18 pro Liga, müssten 19 Mannschaften absteigen; selbst bei 20 pro Staffel wären es noch elf Vereine. Diese rutschen dann nach unten in die Ober- und Verbandsligen, die dadurch wiederum mehr Absteiger bekämen, mit Folgen bis in die Kreisligen hinein. Eine Abschwächung könnte durch eine Aufstockung erreicht werden. Noch besser wäre, wenn die Zweitvertretungen der Bundesligisten endlich eine eigene Liga bilden würden. Die Tarnung als U23, wie sie Frankfurt oder Dresden vollzogen haben, sollte untersagt werden.

Vielleicht wäre es sogar der richtige Moment, darüber nachzudenken, den gesamten Amateurfußball in erste Mannschaften auf der einen und untere Mannschaften auf der anderen Seite einzuteilen. Das würde dann auch viele Wettbewerbsverzerrungen mindern. Denn es gibt immer noch Vereine, die sich damit lächerlich machen, in erreichten Pokalfinals der Unteren diverse Vertragsspieler aus der ersten Mannschaft auflaufen lassen.

Vollkommen kindisch wird es, wenn diese dann auch noch ausgelassen feiern, jede Menge Fotos mit dem Pokal der unteren Teams machen und sogar noch einem machomäßigen Männlichkeitskult unappetitlichster Weise frönen, den ich hier nicht näher beschreiben möchte. Wobei die Probleme vielerorts inzwischen ganz andere sind als die eines unterentwickelten Sozialverhaltens. Die Sportschau, der Tagesspiegel, der MDR und andere berichten inzwischen fast täglich über den zunehmenden Einfluss gesichert rechtsextremer Demokratieverächter und Rassisten in den Vereinen. Einer soll gleich in zwei Klubs sein Unwesen treiben.

## Funktionäre müssen Flagge gegen Extremisten zeigen

Da die Landesfürsten an der Regionalligareform gescheitert sind, hätten sie nun ja Zeit für andere Dinge. Wie wäre es damit, dem Treiben der Antidemokraten in den Vereinen den Kampf anzusagen?

Es wäre ein echtes Zeichen, wenn die Landespräsidenten, aber auch einflussreiche Menschen wie Aki Watzke oder Jürgen Klopp unmissverständlich klarstellen würden: „Mit Menschen, die ‚Remigration‘ – was für eine dumme Vokabel! – fordern und auf den Rängen rechtsextreme Parolen rufen, wollen wir im Fußball nichts zu tun haben. Sie können nicht unsere Anhänger sein. Denn Werte wie Vielfalt, Teilhabe und Integration sind mit uns nicht verhandelbar.“

Dem Fußball in seiner Gänze würden solche Statements guttun.