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# Profifußballer sollten mithelfen, die Amateurbasis zu stärken
- URL: https://www.feverpitch.de/profifussballer-sollten-mithelfen-die-amateurbasis-zu-starken/
- Published: 2026-08-28T04:20:04.000Z
- Updated: 2026-08-28T05:14:58.000Z
- Description: Amateurvereine leisten viel für die Verbesserung des Klimas im Land. Nun gibt es einen Plan, wie das Engagement nachhaltig gestärkt werden kann – vorgestellt von Gerd Thomas.
- Author: Gerd Thomas

„Wir haben kein Erkenntnisproblem, wir haben ein Umsetzungsproblem!“ Diesen Satz habe ich innerhalb weniger Tage dreimal gehört: im persönlichen Gespräch, in einer Rede, im Radio. Und nun? Wir zucken mit den Schultern, schauen betreten zu Boden oder zeigen – was immer das Einfachste ist – mit dem Finger auf andere. Das ist im Sport nicht anders als beim Wohnungsbau oder im Kampf gegen die Klimakrise.

Um genau diese ging es im letzten [Hartplatzhelden-Podcast](https://plus.rtl.de/hartplatzhelden-podcast-p%5F31209/audio/folge-26-mit-ewald-lienen-der-breitensport-verdient-einen-hoheren-stellenwert-in-der-politik-c%5F2099669) mit Ewald Lienen. Denn auch wenn die Temperaturen nur noch punktuell die 30-Grad-Marke erreichen, steckt uns der Hitzesommer in den Knochen. Schätzungen sprechen von mehr als 20.000 Hitzetoten. Wie viele davon gab es in den Sporthallen und auf den Fußballplätzen? Unser Podcast-Gast bezog deutlich Stellung:

„Die Klimakatastrophe hat in allen Lebensbereichen große Auswirkungen, auch im Sport. Ich kann die Leute nicht bei 40 Grad im Stadion rumrennen lassen. Die Gesundheit muss vorgehen. Als ich in Spanien gearbeitet habe, war es völlig normal, in den Abendstunden zu spielen. In Valencia war mal Anpfiff um 22 Uhr.“

Meine Entgegnung: Ich hätte den Eindruck, die Klimadebatte sei in den Verbänden noch gar nicht angekommen. Dort gäbe es sehr wohl ein Erkenntnisproblem.

## Der Amateurfußball kann das Land besser machen

Überhaupt ging es in dieser Podcast-Folge weniger um Fußball als vielmehr um die Herausforderungen, denen sich die Vereine stellen müssen. Gleichwohl waren wir uns einig, dass der Amateurfußball viel zur Verbesserung der Lage im Land beitragen könnte. Doch um neben dem klassischen Fußballtraining auch an der Persönlichkeitsbildung, an der Gesundheitsprävention und gegen die Vereinsamung zu arbeiten, braucht es bessere Bedingungen. Ewald Lienen forderte, den Vereinen hauptamtliche Mitarbeiter zur Seite zu stellen, damit sie sich diesen Aufgaben widmen können.

Dass die Vorstellungskraft in der Politik hinsichtlich der Potenziale für Bildungsarbeit, Demokratieförderung und Charakterbildung nicht sonderlich ausgeprägt ist, ist allseits bekannt. Michi Franke stellte die entscheidende Frage: „Wer hat welche Lobby? Wer läuft da draußen für den Sport rum und tritt vehement für dessen Interessen ein?“ Im Gegensatz zum Autobahnbau oder irrwitzig teuren Museumsprojekten sitzt der Breitensport tatsächlich am Katzentisch der Politik. „Nichts gegen die Hochkultur – aber das Verhältnis stimmt nicht!“

Bleibt die Frage, wer dem Amateurfußball nachhaltig hilft. Natürlich darf man die Politik nicht aus der Verantwortung entlassen, sie hat eine Fürsorgepflicht, nicht zuletzt für den Kinder- und Jugendsport. Aber sie wäre auch gut beraten, die volkswirtschaftlichen Vorzüge des Sports zu verstehen. Ewald Lienen wurde erneut deutlich:

> **„Geld, das wir nicht an der richtigen Stelle für den Sport ausgeben, das geben wir später für Kollateralschäden auf doppelte und dreifache Weise für die Folgen aus."**

Und weiter:

> **"Leute, die Sport treiben, die zwischenmenschliche Kontakte haben, sind gesünder und fallen weniger bei der Arbeit aus. Wir haben genug Geld, aber setzen es komplett falsch ein.“**

Eine andere Idee kam auf: Warum sollen nicht die Profifußballer helfen, den Amateurfußball zu retten? Das könnte nebenbei deren Image deutlich aufpolieren. Denn in zwei Umfragen sagen 84 bzw. sogar 89 Prozent der Befragten, Gehälter von Profifußballern seien nicht gerecht, die Spieler seien überbezahlt. Darüber lässt sich trefflich streiten, ein wenig Neiddebatte ist sicher nicht von der Hand zu weisen.

Der Vorschlag, den Ewald Lienen, Michi Franke und ich im Laufe des Gesprächs erdachten, lautet: Wir finden 20 bis 30 Profis oder Ex-Profis, die sich vornehmen, den Amateurfußball via *Hartplatzhelden gGmbH* nachhaltig zu unterstützen. Die Hartplatzhelden könnten Anregungen und Sorgen der Basis sammeln, Impulse geben und sogar als eine Art „Übersetzer“ für DFB, Landesverbände und Politik fungieren. DFB und Politik sollten sie dabei nicht als Konkurrenz, sondern als Partner begreifen – was beiden nicht immer leichtfällt. Ziel soll immer sein, die Bedingungen des Amateurfußballs zu verbessern, die Vereine zukunftsfähig zu machen und die nötigen Debatten über den Weg dorthin zu führen.

## Warum das Engagement der Profis eine gute Idee wäre

Fast alle Profis kommen ursprünglich aus kleinen Vereinen von Weinstadt über Alsdorf-Mariadorf bis Blaubach-Diedelkopf. Ohne diese Clubs wären sie nicht dort, wo sie heute stehen. Dort wurden ihnen die Grundlagen beigebracht: der Spaß am Fußball, die Lust auf das Mannschaftsspiel. Es ist daher viel mehr als ein finanzielles Engagement. Es ist ein Kreis des Fußballerlebens, der sich schließt.

Unterstützung wird an vielen Stellen gebraucht: bei der Ausbildung von Trainerinnen und Trainern, bei der Elternarbeit, bei Bildungs- und Demokratieprogrammen, bei der Gesundheitsprävention, der Bekämpfung von Einsamkeit und Digitalsucht sowie der Persönlichkeitsentwicklung von Spielerinnen und Spielern. Nur starke Charaktere können sich behaupten – im Fußball wie im Berufsleben.

Der Amateurfußball bietet viele Chancen und Aufgabenfelder. Auch wenn das Amt der Sportministerin gerade vakant ist, sollten wir daran arbeiten. Man könnte natürlich auch darüber nachdenken, eine Person aus diesem Bereich mit der Nachfolge zu betrauen. Das wäre dann der große Wurf.