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# Premier League: Liga-Boss spricht aus, was die FIFA lieber verschwiegen hätte
- URL: https://www.feverpitch.de/premier-league-liga-boss-spricht-aus-was-die-fifa-lieber-verschwiegen-hatte/
- Published: 2026-08-19T04:37:47.000Z
- Updated: 2026-08-19T04:38:10.000Z
- Description: Ein Ligamanager nennt den Anteilsverkauf eine selbstverschuldete Wunde. Gefährlich wird der Satz erst, weil ihm niemand widerspricht.
- Author: Redaktion

„Den Selbstzerstörungsknopf gedrückt“: So beschreibt Richard Masters, Geschäftsführer der Premier League, im BBC-Interview den Plan der FIFA, Anteile von Turnieren zu verkaufen. Und er legt nach, mit einer Formulierung, die kein Diplomat verwenden würde: eine „selbstverschuldete Wunde“.

Dass ein Ligamanager solche Worte über den Präsidenten des Weltverbands wählt, ist der eigentliche Befund dieser Woche. Gianni Infantino wird nicht mehr kritisiert, er wird bewertet – wie ein Vorgang, der abgeschlossen ist.

Masters unterstützt zudem, dass der englische Verband FA seine Unterstützung für Infantino entzogen hat. Und er formuliert eine Anforderung an die Zukunft, die man auch als Anforderung an die Gegenwart lesen kann: Die FIFA „ist eine gemeinnützige Organisation. Sie sollten diesen Wettbewerb im Treuhandverhältnis für die Zukunft des Fußballs austragen.“ Wer so redet, unterstellt, dass genau das gerade nicht passiert.

Vorher war es schon lauter geworden. UEFA, CONCACAF und AFC beschuldigten die FIFA in einem öffentlichen Brief, ihr Vertrauen durch Täuschung missbraucht zu haben – drei Kontinentalverbände, die Turnierboykott angedroht haben. Täuschung ist kein Wort aus dem Repertoire des Verbandsstreits, es ist ein Wort aus dem Repertoire der Aufkündigung.

Und doch steht Infantino im März zur Wahl für eine vierte Amtszeit, ohne dass ein einziger Gegenkandidat benannt wäre. Auf dem Papier ist seine Position damit unangetastet: Wer keinen Herausforderer hat, verliert keine Wahl. Wahlarithmetisch ist die Empörung der Verbände bislang folgenlos.

Nur reicht das nicht mehr. Ein Präsident, dem die europäischen, die nord- und mittelamerikanischen und die asiatischen Verbände Täuschung vorwerfen und dessen Turniere sie zu boykottieren drohen, gewinnt eine Wahl ohne Gegner – aber er regiert danach nichts mehr. Eine vierte Amtszeit unter diesen Vorzeichen wäre kein Mandat, sondern eine Formalie.

Genau hier setzt Masters an, wenn er einen „Einheitskandidaten“ verlangt, der „Reformen der FIFA auf seiner oder ihrer Agenda haben und vielleicht sogar eine Reform der Rolle des Präsidenten“ anstrebt. Der zweite Halbsatz ist der schärfere. Er sagt: Das Problem ist größer als der Amtsinhaber, es steckt im Amt selbst.

Damit hat die Debatte ihren Charakter gewechselt. Sie dreht sich nicht länger um ein Vorhaben, das man zurücknehmen könnte, sondern um die Frage, wie viel Macht ein FIFA-Präsident künftig überhaupt haben soll. Wer das fordert, will keinen Wechsel an der Spitze, sondern eine kleinere Spitze.

Die Aufgabe, die sich Masters' Idee stellt, ist beträchtlich: Ein Einheitskandidat müsste Verbände zusammenbringen, die sich bislang nur darin einig sind, wogegen sie sind. Bis März ist wenig Zeit, und ein Name existiert nicht. Es ist einfacher, einen Selbstzerstörungsknopf zu diagnostizieren, als eine Alternative aufzustellen.

Aber der Satz von Masters wirkt schon jetzt, weil ihm niemand widerspricht. Kein Verband erklärt, der Verkauf von Turnier-Anteilen sei ein gutes Geschäft für den Fußball. Keine Liga verteidigt die Idee. Die Verteidigung Infantinos besteht derzeit vor allem darin, dass sein Stuhl frei von Konkurrenz ist.

Und Verbände, die von Täuschung sprechen, kommen nicht zurück, weil ein Wahltermin verstreicht.

Wer im März ohne Gegenkandidaten wiedergewählt wird und trotzdem nichts mehr durchsetzen kann, ist nicht Präsident: er ist die Restlaufzeit eines Amtes, das gerade neu verhandelt wird.

*Unbedingt lesen:* [*"Selbstzerstörungsknopf": Masters kritisiert Infantino*](https://www.feverpitch.de/selbstzerstorungsknopf-masters-kritisiert-infantino/)