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# Mbappé unverschämt! Warum Kane den Ballon d'Or mehr verdient
- URL: https://www.feverpitch.de/mbappe-unverschamt-warum-kane-den-ballon-dor-mehr-verdient/
- Published: 2026-09-23T04:42:44.000Z
- Updated: 2026-09-23T04:54:10.000Z
- Description: Vier Wettbewerbe, kein Titel, gegen Bayern raus – und trotzdem fordert der Franzose die Trophäe. Sein eigenes Argument zeigt, was ihm fehlt.
- Author: Redaktion

42 Tore in 44 Pflichtspielen für Real Madrid, dazu zehn Turniertreffer bei der WM in Nordamerika und der Aufstieg zum alleinigen WM-Rekordtorschützen mit 22 Toren: Wer diese Zahlen hört, ahnt, warum Kylian Mbappé am 26\. Oktober in London zu den aussichtsreichsten Anwärtern auf den Ballon d'Or zählt. Und warum er selbst keinen Zweifel daran lässt, dass er ihn verdient hat.

Sein Argument dem Radiosender RFI klingt bestechend: „Sie werden keine Mannschaft in dem Umschlag bekannt geben, sondern einen Spieler.“ Ein Satz, der die eigene Bilanz elegant vom Rest der Mannschaft abkoppelt. Nur landet in demselben Umschlag halt auch die Frage, was ein Spieler wert ist, der individuell alles gewinnt und kollektiv nichts.

Denn die Kehrseite dieser Torzahlen ist ja bekannt. Mit Real wurde Mbappé in La Liga nur Zweiter hinter dem FC Barcelona. In der Champions League war im Viertelfinale gegen Bayern München Schluss. Mit Frankreich wurde er bei der WM Vierter. Vier Wettbewerbe, kein einziger Titel – und ein Spieler, der die Trophäe für den besten Fußballer der Welt beansprucht.

Man kann Mbappés Sicht ernst nehmen: Der Ballon d'Or war schon immer eine Auszeichnung für den einzelnen Menschen, und „die Fähigkeit, individuell zu glänzen und spektakuläre Momente zu schaffen“, wie er es nennt, füllt Stadien und Highlight-Clips. 42 Tore und ein WM-Rekord sind kein Zufallsprodukt, sie sind das Ergebnis einer Ausnahmesaison. Wer so trifft, hat eine Erzählung auf seiner Seite.

Doch die Erzählung bricht an der Person, die er selbst ins Spiel bringt, ohne sie zu nennen. Harry Kane schoss in 51 Spielen für Bayern 61 Tore – noch mehr als Mbappé, in mehr Spielen. Kane gewann mit den Münchnern die deutsche Meisterschaft und den DFB-Pokal, erreichte das Halbfinale der Champions League und wurde mit England WM-Dritter. Individuell überragend und dazu titelreich: Wenn Tore allein zählen, verliert Mbappé diesen Vergleich, und wenn Titel mitzählen, erst recht.

Und dann legt Mbappé nach: „Ich war Torschützenkönig in allen großen Wettbewerben, und ich glaube, dass dies ein gutes Jahr für mich werden könnte.“ Torschützenkönig – das ist die Bilanz eines Mannes, der trifft, während seine Mannschaften ausscheiden. Kane, der mehr Grund zum Reden hätte, gab sich derweil zurückhaltend. Wer die Titel hat, muss sie halt nicht einfordern.

Bezeichnend ist, dass Mbappé nicht der Einzige ist, der zugreift. Spaniens Weltmeister Lamine Yamal vom FC Barcelona beansprucht den Preis ebenfalls für sich – und Yamal spielt beim Klub, der Real in La Liga auf Rang zwei verwies. Der Mann, der Mbappé die Meisterschaft nahm, hat einen Kollegen, der dieselbe Trophäe will. Das Selbstbewusstsein wächst offenbar mit der Ausbeute, nicht mit dem Erfolg.

Der Ballon d'Or war nie eine Mannschaftsauszeichnung, da hat Mbappé recht. Aber er war auch nie ein Torschützenkönigs-Pokal. Er ehrt den Spieler, der eine Saison prägt – und eine Saison prägt man am Ende an den Abenden, die zählen: im Viertelfinale gegen Bayern, im Fernduell mit Barcelona, im Halbfinale einer WM, in der man Vierter wird. An genau diesen Abenden war Mbappé der bessere Statistiker, nicht der Sieger.

Wenn am 26\. Oktober der Umschlag in London aufgeht, wird darin ein Spieler stehen. Nur ist das für Mbappé kein Argument, sondern das Problem: Ein einzelner Name kann sich nicht hinter einer Mannschaft verstecken, die keinen Titel gewonnen hat.