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# Kovac nimmt die Pleite auf seine Kappe – die B-Elf spielt sich frei
- URL: https://www.feverpitch.de/kovac-nimmt-die-pleite-auf-seine-kappe-die-b-elf-spielt-sich-frei/
- Published: 2026-10-15T11:31:42.000Z
- Updated: 2026-10-15T11:31:42.000Z
- Description: In Bodö schickte Borussia Dortmund eine lustlose zweite Reihe auf Kunstrasen. Der Trainer übernimmt die Verantwortung, die enttäuschten Reservisten entlastet das nicht.
- Author: Redaktion

Am Polarkreis, kurz vor Mitternacht, steht Niko Kovac und schimpft in sein eigenes Geburtstagsfest hinein. 55 Jahre alt wird er an diesem Mittwoch, und sein Dortmunder Team hat in Norwegen gerade 0:1 verloren – gegen den FK Bodö/Glimt, das letztjährige Sensationsteam, auf Kunstrasen. „Wir haben bis nach dem Gegentreffer gar nicht stattgefunden“, sagt Kovac. Das ist kein beschönigender Satz. Das ist ein Urteil über seine eigene Aufstellung.

Denn diese Aufstellung hat Kovac selbst gebaut. Fünf Wechsel nahm er gegenüber dem 2:2 in der Bundesliga gegen Werder Bremen vor, brachte unter anderem Konstantinos Karetsas, Joey Veerman und Samuele Inacio. Die Niederlage in Bodö ist deshalb keine Überraschung, sondern selbstverschuldet: Wer eine lustlose zweite Reihe aufs Feld schickt, bekommt die Rechnung sofort präsentiert.

Kovac macht daraus kein Geheimnis. „Erst nach unserem Vierfachwechsel sind wir besser ins Spiel gekommen und haben das Heft in die Hand genommen“, sagt er. Übersetzt heißt das: Solange die B-Spieler auf dem Platz standen, lief bei Dortmund nichts. „Bis zu diesem Zeitpunkt war der Gegner klar besser – und deswegen müssen wir uns nicht beklagen.“ Erst als die Stammkräfte kamen, drehte sich das Spiel.

Dass Kovac die Pleite am Tag nach seiner Vertragsverlängerung bis 2029 ausdrücklich auf sich nimmt, ist aller Ehren wert. „Ich habe die Mannschaft aufgestellt, aber die Leidenschaft hat mir einfach gefehlt“, sagt er. „Das nehme ich dann auch auf meine Kappe.“ Ehrlicher kann ein Trainer kaum sein, der gerade frisch mit einem Vertrag über drei Jahre ausgestattet wurde und trotzdem keinen Reflex zeigt, das Ergebnis wegzureden.

In einer englischen Woche mit drei Spielen in sieben Tagen hat jeder Trainer das Recht, Kräfte zu schonen. Bodö/Glimt hat als Sensationsteam der vergangenen Saison schon andere Giganten gestürzt, und die Belastung ist real: zwei weitere Auswärtsspiele bei Union Berlin am Samstag und beim Sabah FK in Aserbaidschan am Dienstag stehen an. „Jeden dritten Tag müssen wir spielen. Das ist das, was wir uns als Profis ausgesucht haben“, sagt Kovac selbst.

Nur: Rotation entschuldigt keine fehlende Haltung. „Letzten Endes hat jeder Einzelne, der bei uns im Kader ist, die Möglichkeit beziehungsweise die Qualität zu spielen“, sagt Kovac. „Das hat nicht geklappt.“ Genau das ist der Haken an der ehrlichen Selbstanklage: Wenn der Trainer die Verantwortung übernimmt, nimmt er seine Reservisten noch lange nicht aus der Pflicht. Qualität, die auf dem Platz nicht abgerufen wird, bleibt eine Behauptung – und Leidenschaft kann kein Trainer für elf Mann mitbringen.

Was in Berlin an der Alten Försterei zählt, hat Kovac schon vorformuliert: „viel um Einsatz, viel um Leidenschaft, viel um Willen“. Erst dann, sagt er, könne man Fußball spielen. „Wir müssen vom Kampf zum Spiel finden.“ Das ist die Lektion aus Bodö, und sie richtet sich nicht an den Trainer, der seine Kappe schon hingehalten hat, sondern an die Spieler, die sich am Polarkreis die Chance selbst verspielt haben.

Kovac hat die B-Elf aufgestellt – spielen musste sie selbst, und das tat sie nicht.