> ## Content Index
> Fetch the complete content index at: https://www.feverpitch.de/llms.txt
> Use this file to discover other available public pages before exploring further.

# Klopp fehlt beim DFB genau das, was ihn groß macht
- URL: https://www.feverpitch.de/klopp-fehlt-beim-dfb-genau-das-was-ihn-gross-macht/
- Published: 2026-08-27T11:06:07.000Z
- Updated: 2026-08-27T11:30:04.000Z
- Description: LVZ-Chefreporter Guido Schäfer kennt die Stärken und Schwächen des neuen Bundestrainers seit der gemeinsamen Zeit bei Mainz 05. Im Fever Pit'ch Podcast erklärt er, wer bei ihm in der Nationalmannschaft eine Chance verdient
- Author: Pit Gottschalk

Was Jürgen Klopp in einem Klub auslöst, beginnt weit weg vom Trainingsplatz, in den Katakomben. Guido Schäfer, Chefreporter der Leipziger Volkszeitung, hat mit ihm bei Mainz 05 zusammengespielt und beschreibt [im Fever Pit'ch Podcast](https://youtu.be/vX7GRiEXEmo) einen Mann, der jeden im Haus einsammelt: „Mit allen, mit dem Staff, nicht nur mit den Fußballern.“ Der Umgang mit denen, „die nicht ganz so viel Geld verdienen, ob das der Platzwart ist, der Busfahrer, die Dame, die fürs Essen sorgt“, sei das eine, was ihn auszeichne. „Da ist er schon ein mitreißender Typ, der allen ein gutes Gefühl gibt.“

Genau diesen Zugriff hat der Bundestrainer ab dem 24\. September nicht mehr. Dann beginnt seine Amtszeit in der Johan Cruyff Arena von Amsterdam, Nations League bei den Niederlanden, und danach gilt der Rhythmus des Verbandsfußballs: ein paar Tage im Lehrgang, dann sind die Spieler wieder in ihren Vereinen. „Seine große Stärke ist wirklich die tägliche Arbeit in dem Verein“, sagt Schäfer. „Die ist ihm nicht vergönnt bei der Nationalmannschaft.“

Der Beleg dafür liegt anderthalb Jahre zurück und ein paar Autostunden entfernt. Seit dem 1\. Januar 2025 war Klopp Head of Global Soccer bei Red Bull, eine Rolle, die der Konzern bei der Vorstellung ausdrücklich vom Tagesgeschäft der Klubs trennte: Strategie, Scouting, Trainerausbildung. Was davon in Leipzig ankam, kann Schäfer bis heute nicht sagen: „Was er denn in diesen 1,5 Jahren für RB Leipzig geleistet haben könnte, ich weiß es nicht.“ Klopp habe etwas dagelassen, „aber auch nicht so viel, als dass es jetzt ohne ihn nicht weitergehen würde“.

Ein Grund dafür lässt sich benennen. Klopp wollte die alte Konzern-DNA wieder festschreiben – Viererkette, frühes Anlaufen, „vorwärts immer, rückwärts nimmer“ –, und das kam beim damaligen Leipziger Trainer Ole Werner nicht an: Es „hat dem Ole Werner in Leipzig nicht so gut gefallen, dass ihm vorgesetzt wurde, wie er zu spielen hat“. Eine Vorgabe von oben ersetzt die Arbeit auf dem Platz nicht, auch wenn ein Weltklassetrainer sie formuliert.

Bleibt die Auswahl, und die betreibt Klopp mit aller Härte. 57 Feldspieler hat er nach eigener Auskunft im Blick; ausgesiebt wird nach Schäfers Erwartung nicht nach Technik, sondern nach Tempo und Typ – keine Spieler mehr, „die man beim Sprint malen kann, die langsam sind wie Enten“, dafür welche „mit einer Rakete im Hintern“. Was das für die Prominenz bedeutet, sagt der Reporter am Beispiel eines Spielers, den er nach eigenem Bekunden liebt: „Aber er hat natürlich keine Daseinsberechtigung mehr in der Nationalmannschaft.“ Gemeint ist Leroy Sané, 30 Jahre alt, seit einem Jahr bei Galatasaray Istanbul.

Vielleicht ist der Verlust auch kleiner, als er aussieht. Klopp war nie der Trainer, der Mannschaften über Wochen durchtaktiert – „Er war sowieso nie der große Taktik-Freak“, sagt Schäfer –, und was ein Bundestrainer in wenigen Tagen erzeugen kann, ist Stimmung. Genau die traut Schäfer ihm zu: einen neuen Geist, und mit dem und der vorhandenen Qualität wieder ein Viertel- oder Halbfinale bei einem großen Turnier.

Ein paar Tage im Fenster, dazwischen eine Liste mit 57 Namen. Klopps wichtigste Arbeit findet ab jetzt statt, bevor die Spieler überhaupt eintreffen.