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# Infantino bleibt: Der Weltverband als Selbstbedienungsladen
- URL: https://www.feverpitch.de/infantino-bleibt-der-weltverband-als-selbstbedienungsladen/
- Published: 2026-09-07T15:36:13.000Z
- Updated: 2026-09-07T15:59:18.000Z
- Description: Ein Kontinentalverband will ihn per Strafanzeige zum Rückzug zwingen. Er stellt sich stur — und legt damit offen, wie viel Kontrolle wirklich fehlt.
- Author: Redaktion

Ein FIFA-Sprecher, ein Sonntag, ein Satz: „Herr Infantino wird sich zur Wiederwahl stellen.“ Kein langes Statement, keine Verteidigung in eigener Sache, nur die trockene Bestätigung dessen, was der Präsident schon im April angekündigt hatte. Als wäre nichts geschehen. Doch geschehen ist eine Menge. Gianni Infantino steht massiv unter Druck, die Europäische Fußball-Union fordert seinen Rückzug und bereitet in der Schweiz eine Strafanzeige gegen ihn vor. Dass der Mann in dieser Lage nicht innehält, sondern zum ersten Mal seit Beginn des Machtkampfs offiziell seine Kandidatur bestätigt, ist keine Trotzreaktion allein: Es ist das Sittenbild eines Verbands, in dem der oberste Amtsträger seine eigene Kontrolle nicht mehr fürchten muss. Denn worum es geht, hat Gewicht. Infantino soll eine Rolle gespielt haben bei einem inzwischen verworfenen Plan, Anteile an Turnieren des Weltverbandes an private Investoren zu verkaufen – auch aus dem Umfeld von US-Präsident Donald Trump. Ein Weltverband, der seine eigenen Wettbewerbe an Geldgeber verscherbelt: Das ist der Vorwurf, der im Raum steht, während der Präsident bereits die nächste Amtszeit ansteuert. Man kann ihm das Recht dazu nicht absprechen. Als amtierender Präsident darf sich Infantino dem Votum des Kongresses stellen, statt vor dem Druck eines einzelnen Kontinentalverbands zu kapitulieren. Die UEFA ist einer von sechs Verbänden, kein Gericht, und ihr erklärtes Ziel, den Schweizer vor der Wahl zum Aufgeben zu zwingen, ist selbst ein Machtmanöver. Wer im März 2027 antritt, entscheidet am Ende der Kongress, nicht Europa allein. Nur trägt genau dieses Argument die Fäulnis in sich. Denn der Kongress hat Infantino bislang jedes Mal getragen, und ein Präsident, der weiß, dass ihm die Mehrheit sicher ist, muss sich um eine drohende Strafanzeige nicht scheren. Die Wiederwahl wird zum Freibrief. Wer sich auf das Votum beruft, während er das Votum längst kontrolliert, missbraucht die Legitimität, die es ihm verschafft. Vieles deutet darauf hin, dass die UEFA einen Gegenkandidaten ins Rennen schickt – Victor Montagliani aus Kanada, Chef der Verbände aus Nord-, Mittelamerika und der Karibik, gilt als möglicher Herausforderer. Ob er eine Chance hat, ist zweifelhaft. Aber dass es überhaupt einen Gegenkandidaten braucht, um einen Präsidenten unter Verdacht auch nur ins Wanken zu bringen, sagt alles über die Reformunfähigkeit dieses Verbands. Ein Unternehmen, dessen Chef eine Strafanzeige und den Vorwurf eines fragwürdigen Investorendeals mit sich trägt, würde ihn beurlauben, bis die Sache geklärt ist. Bei der FIFA läuft es umgekehrt: Der Beschuldigte bestimmt den Zeitplan, kündigt seine Wiederwahl an und lässt sie durch einen Sprecher verkünden, als sei sie eine Formalie. Das ist keine Krise des Verbands, das ist sein Normalzustand. Infantino beharrt, weil er beharren kann. Und genau darin liegt der Skandal, den keine Strafanzeige heilt: Ein Weltverband, in dem der Präsident sich selbst zur Wahl stellt, während gegen ihn ermittelt werden soll, hat aufgehört, sich für seine eigene Sauberkeit zu interessieren. Unbedingt lesen: [FIFA-Machtkampf: Infantino beharrt auf Kandidatur](https://www.feverpitch.de/fifa-machtkampf-infantino-beharrt-auf-kandidatur/)